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Unethische Rationierung

Die Preispolitik des neuen Medikaments gegen das Hepatitis-C-Virus ist unverständlich und unmoralisch.

Das Medikament Sovaldi wird wohl zu Recht als grosser Erfolg der medizinischen Forschung gefeiert. Alle ­bisherigen Daten deuten darauf hin, dass das Mittel Infektionen mit dem heimtückischen Hepatitis-C-­Virus zuverlässig zu heilen vermag. Besser und nebenwirkungsarmer als die herkömmliche Standardtherapie. Es könnten viele Betroffene von Sovaldi profitieren. Rund jeder Hundertste ist hierzulande infiziert, gut die Hälfte weiss gar nichts davon. Hepatitis C ist eine unterschätzte Erkrankung, deren Ausmass von Fachleuten als ähnlich gravierend wie HIV bezeichnet wird. Sie erwarten in den kommenden Jahren eine Welle von Lebererkrankungen als Spätfolge von ­chronischen Hepatitis-C-Infektionen.

Vor diesem Hintergrund ist es nur schwer verständlich, dass hierzulande der Einsatz des hilfreichen Medikamentes nun rationiert wird. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat vor kurzem festgelegt, dass die Grundversicherung die Verschreibung von Sovaldi erst bezahlt, wenn das Hepatitis-C-Virus zu fortgeschrittenen Leberschäden geführt hat. Dabei fänden Fachärzte die Behandlung gerade auch in ­einem früheren Stadium sinnvoll. Es ist stark davon auszugehen, dass der hohe Preis des Medikaments der Hauptgrund für die Einschränkung ist. Der US-Hersteller Gilead konnte diesen dem BAG mehr oder ­weniger diktieren.

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