100'000 Franken für virtuelles Aroma

Die neuen Terra Chips schmecken nach Essiggurke und Dill. Entstanden ist der Geschmack im Internet. Werden die Migros-Chips zum Verkaufserfolg, kriegt die Erfinderin viel Geld.

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Klassische Werbung funktioniert in der Regel so: Will ein Unternehmen die Konsumenten auf ein neues Produkt aufmerksam machen, beauftragt es eine Werbeagentur, die einen teuren Spot dreht, der am Fernsehen zigfach gezeigt wird, was die Verkaufszahlen in die Höhe treibt. Das Konzept ist bekannt und seit 50 Jahren im Einsatz.

Nun entdecken Firmen zunehmend das Internet für clevere Werbefeldzüge, die - und das sei hier vorweggenommen- nicht billiger sind als übliche TV-Kampagnen. Aufgefallen ist der Redaktion von Tagesanzeiger.ch/Newsnet eine Aktion der Migros. Seit Jahren bietet der Detailhändler die Marke Terra Chips (Bischofszell Nahrungsmittel) an, die sich gegenüber anderen Hersteller vor allem durch eigenwillige Geschmacksrichtungen abhebt. So waren schon Chips mit Ziger-Geschmack oder in Form einer Thymian-Zitrone-Kombination im Verkaufsregal zu finden.

Lustvolles Experimentieren mit Geschmäckern

Statt eine neue Geschmackskollektion auf den Markt zu bringen, haben sich die Verantwortlichen etwas Neues einfallen lassen. Unter dem Motto «Lustvolles Experimentieren mit Geschmäckern» stellte Terra Chips im Internet den Usern virtuell 100 Zutaten zur Verfügung. Mit Hilfe eines Computerprogrammes und viel Fantasie konnten Interessierte ihre eigene Sorte nach Belieben zusammenzustellen.

Innert weniger Wochen stellte die Community so mehr als 12'000 Aromen, 18 Milliarden sind theoretisch möglich, ins Internet. Mit bisweilen schrägen Kombinationen: So wurden schon mal Erdbeeren mit Kalbfleisch, Lachs, Bananen und Chilli gemixt. Anschliessend durften die Nutzer über die Kreationen abstimmen. Die besten 50 Geschmäcker liess Terra Chips in einer kleinen Menge produzieren.

In einer zweiten Phase bewertete eine Fachjury unter dem Vositz der bekannten TV-Köchin Meta Hiltebrand die Chips-Erfindungen. Fünf Kreationen wählte das Gremium aus und stellte diese in den Migros-Filialen zur Degustation bereit. Via Stimmzettel durften sich die Kunden für zwei Gewinnerchips entscheiden.

Werbung mit Crowdsourcing

Seit Samstag ist bekannt, welche Chips künftig in den Filialen der Migros erhältlich sein werden. Es sind dies «Sunny Forest», eine Zwiebel-Pilz-Speck-Kombination, und «Malaknesa», eine Version mit Essiggurken und Dill. Übrigens nicht die Favoriten der Starköchin Meta Hiltebrand, die sich durch 50 Kombinationen essen musste: «Mein Favoriten waren nicht in der Schlussrunde. Ich war von einer Erdbeer-Ingwer-Rezeptur sehr angetan.»

Speziell an dieser Werbekampagne, die sich an dem sogenannten Crowdsourcing-Ansatz orientiert, ist das Entlöhnungsprinzip. Nebst dem Ruhm erhalten die beiden Erfinderinnen Alexandra O. und Fabienne H. ein Prozent des Umsatzes, den die Chips künftig generieren werden. Und das ist äusserst lukrativ: Wie von der verantwortlichen Werbeagentur zu erfahren war, konnte die Kampagne den Umsatz bereits um 43 Prozent steigern, was Terra zudem 15 Prozent mehr Verkaufsfläche einbrachte. Werden die Chips zum Verkaufsschlager, liegt ein grosser Batzen als Nebenverdienst drin: Dem Vernehmen nach sind 100'000 Franken Erfolgsprämie möglich. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.03.2012, 14:02 Uhr

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