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20 Franken Lohn für 14-Stunden-Nachtschicht

Angehende Tierärzte müssen neben dem Studium praktische Erfahrungen sammeln. Die Uni Zürich lässt die Studenten lange und schwer arbeiten.

Intensive Betreuung für das Tier: Die Uni Zürich nimmt es mit der Abeitsgesetz für angehende Tierärzte nicht so genau. (Archiv)
Intensive Betreuung für das Tier: Die Uni Zürich nimmt es mit der Abeitsgesetz für angehende Tierärzte nicht so genau. (Archiv)

Nachtschichten von 14 Stunden ohne garantierte Pausen, bis zu fünfmal pro Woche und oft auch an Wochenenden – bei der Universität Zürich müssen angehende Tierärzte schwer schuften. Gemäss der SRF-Konsumentensendung «Kassensturz» verstösst die Hochschule damit gegen das Schweizer Arbeitsrecht.

In der Sendung vom Dienstagabend äussert sich eine anonym bleibende Studentin der veterinärmedizinischen Fakultät. «Man kommt am Abend um 17 Uhr, arbeitet durch bis morgens um 7 Uhr. Man betreut die Patienten, gibt ihnen Medikamente und macht allgemeine Untersuchungen», erzählt sie in der Sendung. Nach 14 Stunden Arbeitszeit könne sie sich nicht mehr konzentrieren. Es gehe fünf Nächte in Folge so. Ganz schlimm sei es in der zweiten und dritten Nacht, dann merke die Studentin, dass sie kleine Fehler mache. Und es werde ihr bewusst, wie müde sie eigentlich sei, erklärt die junge Frau.

Fast keine Pausen – geringer Lerneffekt

Studierende an der Vetsuisse-Fakultät Zürich sind ab dem dritten Studienjahr dazu verpflichtet, in der Nacht Dienst zu leisten. Dazu müssen die angehenden Tierärzte an Wochenenden und an Feiertagen arbeiten, insgesamt zwanzig Einsätze im Jahr – dies allerdings auch während der Vorlesungszeiten. Der Stoff muss selbst nachgearbeitet werden.

Im «Kassensturz» kommen zwei weitere Studenten zu Wort. Sie halten zwar die praktische Arbeit am Tierspital für wichtig für ihre Ausbildung, kritisieren aber die Intensität ihrer Dienste. In diesen Nachtschichten von 14 Stunden seien nicht mal Pausen garantiert, monieren sie. Der Stress könne sehr gross sein. Und weil sie kaum betreut seien, sei auch der Lerneffekt mangelhaft, beklagen sie: «Man ist meistens auf sich alleine gestellt und muss es sich selber beibringen.»

Heftige Kritik des Experten

Arbeitsrechtler Martin Farner hat für die SRF-Sendung die Arbeitsbedingungen unter die Lupe genommen und ist zum Schluss gekommen, dass auch die Studierenden der Vetsuisse-Fakultät dem Arbeitsgesetz unterstehen würden. Dieses erlaube in keiner Weise eine so lange Arbeitszeiten und würde garantierte Pausen vorschreiben. Die Nachtdienste seien bei weitem zu lang. «Und eine Arbeitszeit, die auch Nachtarbeit umfasst, kann nicht länger als neun Stunden sein», erklärt Farner. Zudem sei die Erholungszeit zwischen den Nachtdiensten zu kurz. Auch die Höchstarbeitszeit von fünfzig Wochenstunden werde überschritten.

Der Experte kritisiert einen weiteren Punkt: Für eine Nachtschicht, die bis zu 14 Stunden dauern könne, bekämen die Studierenden lediglich 20 Franken pro Nacht, also rund 1.40 Franken in der Stunde. Ein solcher Einsatz für ein Trinkgeld sei unzulässig, auch als Bestandteil eines Studiums. «Alles, was mehr ist als zwei bis drei Einsätze, ist dann wirklich Praktikumstätigkeit und muss entschädigt werden», sagt Farner.

Sofortmassnahmen in Aussicht

Brigitte von Rechenberg, die seit zwei Jahren als Dekanin die Verantwortung trägt, räumt ein, dass die Belastung für die Studentenschaft zu hoch sei. Seit zwei Jahren laufe ein Projekt, das sich unter anderem dieser Thematik annehme. Es brauche viele Beschlüsse, die dazu notwendig seien. Es daure einfach und sie könne nicht alles alleine machen, verteidigt sie sich im «Kassensturz».

Mit den Vorwürfen der SRF-Sendung konfrontiert, hat die Leitung der Uni Zürich beschlossen, sofortige Massnahmen zu ergreifen. So wird auf das kommende Herbstsemester ein kürzerer Schichtbetrieb mit Arbeitszeiten von sieben statt 14 Stunden eingeführt. Zudem ist entschieden worden, die Studierenden als Praktikanten gemäss den kantonalen Vorschriften zu entlohnen und somit deutlich besser zu bezahlen.

Veränderungen bringen nicht nur Vorteile mit

Die Neuerungen haben allerdings nicht nur Vorteile. Weil das Tierspital zu wenig Personal für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsschichten hat, müssen die Studenten und Studentinnen deutlich mehr Dienste leisten. Und die Uni bezahlt jetzt nur noch Einsätze ab einer gewissen Anzahl geleisteter Stunden.

Die Vertretung der Studierenden begrüsst gemäss «Kassensturz» die Veränderungen im Nachtdienst. Sie bedauert jedoch die Kurzfristigkeit, was die Organisation für alle Beteiligten schwierig macht.

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