168 Franken fürs Letzigrund-Ticket, Millionen für die Band

93'000 AC/DC-Fans erwartet Zürich dieses Wochenende: Die Zahlen zum Mega-Event.

Profitabler Zeitvertreib: AC/DC-Sänger Brian Johnson (links) und Angus Young bei einem Konzert in Rotterdam.

Profitabler Zeitvertreib: AC/DC-Sänger Brian Johnson (links) und Angus Young bei einem Konzert in Rotterdam. Bild: Keystone

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Mit kurzen Hosen und Schirmmütze haben sie es zu einem Millionenvermögen gebracht: Angus und Malcolm Young, die Gründer der legendären Hardrock-Band AC/DC, gehören zu den 50 reichsten Familien Australiens. Laut dem australischen Wirtschaftsmagazin «Business Review Weekly» nahmen sie gemeinsam mit ihrem Bruder und Produzenten George Young allein im Jahr 2012 mehr als 250 Millionen US-Dollar ein. Damit landen sie zwar nur auf Platz 48 der Liste, sie sind aber die einzigen Entertainer, die es überhaupt so weit geschafft haben.

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Über das Gesamtvermögen der Young-Familie ist nichts bekannt. Es dürfte sich sehen lassen: Bis 2013 hat sie mit AC/DC gesamthaft etwa 200 Millionen Alben verkauft und 20 Touren mit mehr als 1500 Konzerten gespielt. Ihre letzte Tournee, die «Black Ice World Tour» von 2008 bis 2010, war die viertprofitabelste aller Zeiten: Die 167 Konzerte spielten damals 441 Millionen Dollar ein. Erfolgreicher tourten nur U2, die Rolling Stones und der Pink-Floyd-Veteran Roger Waters.

14 Millionen für zwei Konzerte

Mit der aktuellen «Rock or Bust World Tour» bessern AC/DC ihr Budget nun noch weiter auf. Die zwei Konzerte im Zürcher Letzigrund sind ausverkauft, trotz der saftigen Ticketpreise: Für einen Sitzplatz mussten die Fans mindestens 168, für einen Stehplatz 134 Franken hinblättern. Das Letzigrund bietet bei Konzerten 36'445 Steh- und 12'702 Sitzplätze – allein durch den Ticketverkauf kommen also schon mehr als 7 beziehungsweise 14 Millionen Franken zusammen. Der Erlös aus dem Verkauf von Merchandising-Artikeln wie Platten oder T-Shirts ist darin nicht einmal eingerechnet.

Wie viel davon an die Band, wie viel an den Tour-Organisator und wie viel an den Schweizer Konzertveranstalter ABC Production geht, lässt sich schwer abschätzen. Die Organisatoren hüllen sich bei solchen Grossanlässen jeweils in Schweigen, das war schon beim Rolling-Stones-Konzert vom letzten Sommer im Letzigrund so. Die Band habe über 6 Millionen Franken für das Konzert kassiert, berechnete damals die «NZZ am Sonntag».

Auch die Steuerzahler profitieren

Mick Jagger und Co. erhielten laut dem Bericht eine fixe Gage von 3,2 Millionen Franken und eine hohe Beteiligung an den Ticketverkäufen. Die Einnahmen aus dem Catering im Stadion, also dem Verkauf von Essen und Getränken, seien hingegen vollumfänglich an das Letzigrund-Stadion und den Konzertveranstalter gegangen, das war schon damals ABC Production. Trotzdem sei es vor allem die Band gewesen, die am Konzert im grossen Stil verdient habe. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass es auch bei AC/DC so sein wird. Man könne zu Einnahmen und Ausgaben jedoch keine Auskunft geben, da darüber vertraglich Stillschweigen vereinbart worden sei, sagte ABC-Production-Geschäftsführer André Béchir auf Anfrage.

Immerhin: Auch die Steuerzahler werden vom Konzert profitieren. Denn das Steueramt des Kantons Zürich erhebt auf Gagen, die Künstler mit Wohnsitz im Ausland in der Schweiz einspielen, eine Quellensteuer von 10 Prozent. Davon gehen laut Mediensprecher Roger Keller zwei Fünftel an den Kanton und drei Fünftel an die betreffende politische Gemeinde, in diesem Fall die Stadt Zürich. Dazu kommen bei Einkünften über 3000 Franken noch 7 Prozent Bundessteuer.

Insgesamt beträgt der Steuersatz also 17 Prozent. Bei den 6 Millionen Franken für die Rolling Stones wären brutto etwa eine Million Franken an Steuern angefallen. Allerdings wird der Steuersatz nicht auf die Brutto-, sondern auf die Nettoeinnahmen angewandt. Ganz so viel dürfte es darum nicht gewesen sein. Trotzdem stellt die Quellensteuer für Bund, Kantone und Gemeinden eine willkommene Einnahmequelle dar. Laut Keller haben ausländische Künstler, Sportler und Referenten allein im Jahr 2014 rund 8,8 Millionen Franken abgeliefert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.06.2015, 09:44 Uhr

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