182 Millionen Dollar Dividende warten steuerfrei auf Glasenberg

Trotz Verlustgeschäft im vergangenen Geschäftsjahr erhöht Glencore Xstrata die Dividende und schüttet weiterhin steuerfrei aus.

Bekommt eine üppige Dividende ausgezahlt: Glencore-Chef Ivan Glasenberg.

Bekommt eine üppige Dividende ausgezahlt: Glencore-Chef Ivan Glasenberg. Bild: Keystone

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Glencore-Xstrata-Chef Ivan Glasenberg hält sich trotz Milliardenverlust schadlos. Während der Rohstoff- und Minenkonzern für das vergangene Geschäftsjahr einen Verlust von 7,4 Milliarden Dollar verbucht, darf er sich auf eine üppige Dividende freuen. Für ihn kommen wohl 182 Millionen Dollar zur Auszahlung. Und das erst noch steuerfrei.

Die Dividendenausschüttung wurde gegenüber dem vormaligen Wert um 4,8 Prozent erhöht. Formal muss die Generalversammlung der Ausschüttung noch zustimmen. Dann steht dem grossen Reibach Ende Mai nichts mehr im Weg.

Der Minen- und Bergbauriese bedient sich bei seiner Ausschüttungspolitik der Mittel, die mit der Unternehmenssteuerreform II im Jahr 2011 in Kraft traten: die steuerfreie Ausschüttung von Dividenden aus den Kapitalreserven an Schweizer Aktionäre. Bei Glencore Xstrata werden weiterhin 11,4 Milliarden Franken für diesen Zweck bereitliegen. Dieselbe Praxis hatte Glencore im Übrigen bereits in den Vorjahren angewendet.

Die Rohstoffbranche litt unter gesunkenen Preisen

An der Londoner Börse legte die Aktie gestern um 1,7 Prozent zu. Die Gewinnerwartungen wurden übertroffen – wobei der Zahlenvergleich aufgrund der Fusion von Glencore mit Xstrata etwas speziell ausfällt. 4,58 Milliarden Dollar verdiente Glencore 2013 unter der fiktiven Annahme, dass der Rohstoffhändler und das Minenunternehmen bereits im Januar 2012 fusioniert hätten. Das liegt zwar 23 Prozent unter dem Wert des Vorjahres, aber deutlich über den von Analysten erwarteten Zahlen.

Die Rohstoffbranche litt im abgelaufenen Jahr unter schwacher Nachfrage aus China und gesunkenen Preisen. Trotzdem vermochte Glencore den Umsatz, gemessen an den hypothetischen Werten des Vorjahres, um 1 Prozent auf 240 Milliarden Dollar zu erhöhen.

Ursache für den Milliardenverlust ist der hohe Preis, den Glencore für die Übernahme von Xstrata bezahlt hatte: Kurz nach Vollzug der Fusion im vergangenen Mai musste ein hoher Abschreiber auf der Investition vorgenommen werden – unter anderem wegen verschlechterter Aussichten im Bergbaugeschäft.

Die Verluste sind mit ein Gund dafür, warum Glencore die Rationalisierungsbestrebungen intensiviert hat. Ortete man ursprünglich ein Sparpotenzial von 500 Millionen Dollar in der Fusion, so sollen die Synergien im laufenden Jahr bis zu 2,4 Milliarden Dollar ausmachen. Als «gutes Zeichen für das Management» wertet dies Analystin Ute Haibach von der Bank J. Safra Sarasin.

Negativ beurteilt Haibach die vergleichsweise hohe Verschuldung und die Unberechenbarkeit des Unternehmens. «Die langfristige Strategie ist unklar», sagt sie. Charakteristisch sei der «opportunistische Ansatz» von Glencore: Der Handel spielt eine wichtige Rolle, Deals werden abgeschlossen, wenn sich die Möglichkeit bietet.

Ein Beispiel für ein solches Geschäft ist das Engagement bei Russneft, das gestern bekannt gegeben wurde. Glencore ist bereit, auf die Rückzahlung eines ausstehenden Kredits über 900 Millionen Dollar der russischen Ölgesellschaft zu verzichten. Stattdessen erhält Glencore Aktien der Firma. Russneft – nicht zu verwechseln mit der weltgrössten Ölfirma Rosneft – gehört dem Milliardär Michail Gutseriew. Zusammen mit dem Schwesterunternehmen Neftisa, mit dem es dereinst fusioniert werden soll, fördert Russneft rund 17 Millionen Tonnen Öl pro Jahr. Das sind etwa 3 Prozent der jährlichen Fördermenge Russlands.

Durch den Deal, der noch bewilligt werden muss, würde Glencore die Präsenz in Russland ausbauen. Dass der Zugang zu russischen Energievorkommen eine hohe strategische Bedeutung besitzt, wurde im jüngsten Machtpoker um die Ukraine mehr als deutlich.

Erstellt: 05.03.2014, 09:15 Uhr

Glencore-Präsident

Die Suche zieht sich hin
Das Abstimmungsresultat war die grosse Überraschung. An der letzten Generalversammlung (GV) von Glencore Xstrata im
Mai 2013 wurde der amtierende Verwaltungs­ratspräsident Sir John Bond abgewählt. Nur gerade 19 Prozent stimmten für seine Wiederwahl. Seither ist der Rohstoffkonzern auf der Suche nach einem neuen Präsidenten. Ex-BP-Chef Anthony Hayward, der bei der Bewältigung der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko eine schlechte Figur machte, übt das Amt lediglich interimistisch aus.

Die Suche nach einem neuen Präsidenten zieht sich überraschend lange hin. Obwohl die nächste Generalversammlung bereits in zweieinhalb Monaten stattfindet, konnte Konzernchef Ivan Glasenberg bisher noch keinen Kandidaten präsentieren. Bis zur Generalversammlung solle es aber so weit sein, sagte Glasenberg gegenüber Analysten in London. Die Firma verfüge inzwischen über eine engere Auswahl an Kandidaten. Der künftige Präsident müsse einen grossen Konzern geleitet haben und den Rohstoff­sektor verstehen, skizzierte Glasenberg die Voraussetzungen für das Amt. Ob der Name des Kandidaten bereits auf der Einladung zur GV stehen werde, konnte das Unternehmen auf Nachfrage nicht beantworten.
Der Verwaltungsrat besteht derzeit aus sieben Männern, darunter auch Konzernchef Glasenberg selbst. (mka)

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