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300-Milliarden-Rettungspaket für Europa

Daniel Gros, Direktor des «Center for European Policy Studies» (Ceps), fordert ein europäisches Rettungspaket für Europas Banken.

Herr Gros, weshalb fordern Sie ein Paket für Europas Banken? Bisher haben die Einzel- staaten das doch ganz gut hingekriegt.Wir hatten es mit Fällen von kleineren Banken zu tun, die relativ wenig integriert waren oder die man aufteilen könnte. Fortis wurde ja von Belgien, Luxemburg und den Niederlanden praktisch aufgeteilt. Ich sehe nicht, wie wir das Modell zur Rettung von Fortis bei Barclays, der Deutschen Bank oder BNP Paribas wiederholen könnten.

Sie sprechen in Ihrem Aufruf von einer «Balkanisierung» des europäischen Bankensektors. Was meinen Sie damit?Wenn es weitergeht, kehren wir zurück zu nationalen Banken. Europas Bankenlandschaft zerfällt in nationale Räume. Jeder verfolgt nur nationalen Interessen.

Sollte die EU also einfach das US-Modell mit dem 700 Milliarden Dollar schweren Rettungsplan kopieren?Es braucht einen europäischen Fonds, aber nicht um wie in den USA den Banken schlechte Papiere abzukaufen. Wir haben gar nicht so viele schlechte Papiere. Wir müssten das Eigenkapital unserer Banken stärken, hier ist das Problem. Es geht nicht um alle Banken, sondern um die grossen, grenzüberschreitenden Institute.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy leitet am Samstag in Paris ein Krisentreffen der EU. Was erwarten Sie?Nichts – ausser das übliche Palaver über langfristige Absichten, die Banken- und Finanzmarktaufsicht zu verstärken.

Ist da angesichts der grossen Erwartungen in der Öffentlichkeit nicht zusätzliche Verunsicherung programmiert?Das Risiko besteht. Aber Sarkozy ist in der derzeitigen Situation ein idealer EU-Ratspräsident, weil er in Krisen auch unkonventionelle Massnahmen vorschlägt. Deutsche und Briten machen ihm aber als Bremser einen Strich durch die Rechnung.

Der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ist für einen Rettungsfonds, die deutsche Regierung vehement dagegen. Wie erklären Sie sich diese widersprüchlichen Signale?Die deutsche Regierung denkt noch immer, dass das deutsche Bankensystem solider ist und dass das Geld aus einem europäischen Fonds nur dazu da wäre, die spanischen oder französischen Banken rauszuhauen. Woher sie in Berlin diese Idee haben, ist mir rätselhaft.

Wäre ein Fonds nicht das falsche Signal an die Börse – dass mit Bankenpleiten in grösserem Stil gerechnet wird?Das glaube ich nicht. Wir müssten klar sagen, dass die 300 Milliarden für Wackelkandidaten wären – Banken mit dünner Kapitaldecke. Man müsste ihnen sagen: Ihr habt zwei Wochen Zeit, eure Eigenkapitaldecke zu erhöhen. Entweder ihr findet das Geld am Markt, sonst kommt der Staat und steigt ein zum Buchwert der Aktien minus zehn Prozent. Parallel müsste man europaweit einheitlich die Einlagen der Sparer sichern.

Also anders als Irland und Griechenland, die im Alleingang alle Guthaben unter Staatsschutz stellen?Das halte ich potenziell für fiskalischen Selbstmord. Irland hat ja nicht nur die Einlagen, sondern alle Passiven bei den Banken gesichert. Die Deutsche Bank Irland könnte Schuldverschreibungen in Irland vergeben, und am Ende müsste der irische Staat das Risiko tragen.

Weshalb sollen Steuerzahler überhaupt für Fehler der Bankmanager haften?Wie gross wären denn die Kosten, wenn eine Bank den Bach hinuntergeht? Ich bin nicht einmal sicher, ob es mit einem Fonds zu Verlusten käme. Vielleicht hätten wir am Ende gar einen Gewinn. Der Staat würde ja praktisch die Aktien der Banken zum Buchwert kaufen. Anders als in den USA, wo der Staat faule Papiere kauft und damit einen Markt stützt, der praktisch ohne Boden ist.

Deutschlands Finanz- minister Steinbrück will aber kein «deutsches Geld» locker machen. Was geht die Deutschen einer Bank in Spanien an?Wenn eine grosse nichtdeutsche Bank untergeht, hat dies direkte Auswirkungen auf Deutschland, vor allem auf die Deutsche Bank. Ich verstehe die Deutschen nicht. Die Deutsche Bank ist wie eine Tretmine. Man weiss nicht genau, was sie in den Büchern hat. Wenn sie untergeht, kostet es den deutschen Steuerzahler einiges mehr.

Auch Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank warnt davor, das US-Modell zu kopieren.Die EZB sagt aber auch, sie könne nicht endlos die Banken mit Geld versorgen.

Und wer hilft den Schweizer Banken?Klar, man müsste die Schweiz mit einbeziehen. Schweizer Banken spielen eine Rolle im europäischen Markt. Die Schweiz soll auch ihren Beitrag zum Topf leisten.

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