500 Franken fürs Datenpaket auf Kuba

In den Ferien auf dem Smartphone surfen, kann ins Geld gehen: In welchen Ländern das Datenroaming besonders teuer ist.

Das wird teuer: Wer auf den Malediven ein Video hochlädt, zahlt Tausende Franken. Foto: Tom Merton (Getty Images)

Das wird teuer: Wer auf den Malediven ein Video hochlädt, zahlt Tausende Franken. Foto: Tom Merton (Getty Images)

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Ralf Beyeler war am richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Der Telecomexperte des Online-Vergleichsdienstes Moneyland verbrachte im Januar 2017 erstmals Ferien auf Kuba. Um beim Surfen im Internet auf dem Smartphone hohe Roaminggebühren zu vermeiden, löste er bei Swisscom ein Datenpaket von 50 Megabyte für knapp 30 Franken. Wäre Beyeler einige Monate später nach Kuba gereist, hätte er bereits knapp 500 Franken für dieselbe Datenmenge zahlen müssen. Die Swisscom hat im Frühling 2017 die Preise für die Karibikinsel erhöht.

Gerade in der Ferienzeit kann das Roaming bei den Nutzern Ende des Monats, wenn die Telefonrechnungen eintreffen, für böse Überraschungen sorgen. Roaminggebühren fallen an, damit der Kunde eines Schweizer Mobilfunkanbieters ein ausländisches Netz nutzen kann. Kunden können zusätzlich zu den monatlichen Abonnements Roaming- Zusatzpakete buchen, auch bekannt als Optionen. So profitieren sie von günstigeren Tarifen und sparen Kosten.

Inzwischen buhlen Swisscom, Sunrise und Salt im gesättigten Schweizer Mobilfunkmarkt auch über die Roamingtarife um neue Kunden. Die Swisscom senkte zuletzt auf den 19. März den Preis für ein Datenpaket von 1 Gigabyte innerhalb europäischer Feriendestinationen um ein Drittel auf knapp 20 Franken. Sunrise zog nach und führte einen neuen Standardtarif für 46 Länder ein, mit dem die Kunden in Europa, den USA und Kanada günstiger fahren.

«Unbezahlbar teuer»

Trotzdem ist Vorsicht geboten, wie ein Vergleich von Moneyland zeigt. Manch beliebtes Ferienziel ausserhalb von Europa fällt durch hohe Preise auf. Wer als Swisscom-Kunde in Kuba oder Namibia 1 Gigabyte an Daten verbraucht, den bittet der Schweizer Marktführer mit 9990 Franken zur Kasse. Bei Sunrise sind es in beiden Staaten sowie auf den Malediven 15'600 Franken.

«Diese Beispiele zeigen, dass es noch immer Länder gibt, in denen das Datenroaming unbezahlbar teuer ist», sagt Branchenkenner Beyeler. Es reicht, auf dem Smartphone zehn Minuten lang im Internet hochauflösende Videos zu schauen, um auf einen Datenverbrauch von 1 Gigabyte zu kommen.

Swisscom und Sunrise begründen die hohen Tarife mit den Verhältnissen in Staaten wie Kuba, Namibia und den Malediven. Die Mobilfunkanbieter handeln die Roamingtarife für jedes Land einzeln mit den einheimischen Netzbetreibern aus. «In Telecommärkten mit Monopol oder monopolähnlichen Strukturen bieten uns die Netzbetreiber leider keine attraktiven Tarife an, weshalb wir die Roamingtarife entsprechend nicht weiter senken konnten», sagt Sunrise-Sprecher Rolf Ziebold.

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In der Branche ist bekannt, dass solche Länder ihre nationalen Angebote über horrende Roaming-Einkaufspreise finanzieren. Teilweise gibt es sogar Preisabsprachen. Die Swisscom zog sich deshalb ganz von den Malediven zurück. «Aufgrund von sehr hohen Einkaufskonditionen, die bis zu 2000-mal teurer als das lokale Angebot für den Datenverkehr sind, sperrten wir ab dem 1. Februar 2017 die Datenverbindungen mit den maledivischen Operatoren», sagt Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher.

Die beiden Schweizer Mobilfunkanbieter wehren sich jedoch gegen den Vorwurf, ihre Kunden könnten an exotischen Ferienorten in eine Kostenfalle tappen. «Sunrise blockiert bei allen Kunden das Roaming standardmässig beim Erreichen der Kostenschutzlimite von 100 Franken», sagt Rolf Ziebold. «Diese Grenze kann individuell angepasst werden.» Ein entsprechendes Verrechnen von knapp 16'000 Franken sei daher «nicht realistisch». Bei der Swisscom ist Datenroaming in Ländern wie Kuba und Namibia grundsätzlich gesperrt. «Kunden müssen ein Datenpaket mit 10 Megabyte explizit von Hand aktivieren», sagt Sabrina Hubacher.

Salt schert aus

Der schweizerische Konsumentenschutz anerkennt, dass es in einzelnen Ländern schwierig ist, attraktive Verträge auszuhandeln. «Mit Roaming lassen sich jedoch nach wie vor hohe Gewinne erzielen», sagt André Bähler, Leiter Politik und Wirtschaft. Der Konsumentenschutz fordert deshalb Obergrenzen für das Roaming. Sinkende Roaming­tarife belasteten im vergangenen Jahr das Rechnungsergebnis der börsenkotierten Swisscom mit 50 Millionen Franken.

Es geht aber auch anders, wie Konkurrent Salt zeigt. Der kleinste Schweizer Anbieter verlangt 229.90 Franken für ein Roamingpaket mit 1 Gigabyte Datenvolumen auf Kuba, den Malediven und in Namibia. Wie ist das möglich? «Salt bemüht sich sehr, seinen Kunden für alle Reisedestinationen standardisierte Roamingtarife anzubieten», sagt Sprecher Benjamin Petrzilka. Ob die tieferen Gebühren durch besseres Verhandlungsgeschick, Mischrechnungen oder Subventionen zustande kommen, lässt Salt unbeantwortet.

Ein weiteres Beispiel für erschwingliche Tarife ist Hawaii. Swisscom, Sunrise und Salt bieten hier Datenpakete im Umfang von 1 Gigabyte für unter 50 Franken an. Der Grund: Die Inselkette im Pazifischen Ozean ist ein Bundesstaat der USA. Die Swisscom zählt die USA zum Roamingraum Nordamerika, Salt und Sunrise zur gleichen Ländergruppe wie europäische Staaten. Telecomexperte Beyeler hält fest: «Hawaii zeigt, dass Datenroaming in weit entfernten Destinationen nicht teuer sein muss.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.03.2018, 08:47 Uhr

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