5,3 Billionen Dollar zu wenig bezahlt

Der IWF hat neue Zahlen zu den tatsächlichen Kosten des Energieverbrauchs veröffentlicht. Sie zeigen, in welchen Ländern die Konsumenten viel zu billig davonkommen.

Schmutzschleuder: Kamin eines Kohlekraftwerks in Taiyuan, China.

Schmutzschleuder: Kamin eines Kohlekraftwerks in Taiyuan, China. Bild: Reuters

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5'300'000'000'000 oder 5,3 Billionen Dollar: Diese enorme Summe zeigt, mit wie viel Geld der weltweite Energieverbrauch 2015 subventioniert wird. Sie entspricht etwa 6,5 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung und übersteigt sogar die weltweiten staatlichen Gesundheitsausgaben. Berechnet wurde die Zahl vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Er verglich den Preis, den Konsumenten für ihren Energieverbrauch bezahlen, mit allen tatsächlich anfallenden Kosten. Das Fazit: Die Preise für Energie sind immer noch viel zu tief.

Um die wahren Kosten des Energiekonsums zu ermitteln, berücksichtigte der IWF nicht nur die Stromproduktion und -lieferung, sondern auch die Schäden, die an Mensch und Umwelt angerichtet werden. Dazu gehören der CO2-Ausstoss und die damit verbundene globale Erwärmung, die körperlichen Folgen der Luftverschmutzung sowie die Kosten, die durch Verkehrsstaus, Unfälle und Strassenschäden entstehen.

Am meisten Subventionen gibts in China

Über die Höhe dieser Kosten ist selbst der IWF überrascht. 2011 hatte er noch mit Subventionen von rund 2 Billionen Dollar gerechnet. Dass die Zahl in der Zwischenzeit derart stark angestiegen ist, liegt laut IWF-Ökonomen an verfeinerten Berechnungsmethoden. Man könne nun zum Beispiel besser abschätzen, wie hoch die Gesundheitskosten seien, die durch die Luftverschmutzung entstehen. Allein in China komme es deswegen zu mehr als einer Million verfrühter Todesfälle.

China ist denn auch der weltweit grösste Verursacher von Subventionskosten. Mehr als die Hälfte der weltweiten Ausgaben (2,3 Billionen Dollar) fällt dort an. Das liegt an der grossen Abhängigkeit von Steinkohle: Zwei Drittel der Energie kommt in China aus Kohlekraftwerken. Gleichzeitig ist Kohle einer der grössten Luftverschmutzer überhaupt. Laut dem IWF ist sie für mehr als die Hälfte der zusätzlichen Kosten verantwortlich, nämlich 3,9 Prozent gemessen am weltweiten BIP. Auf Platz zwei folgt Erdöl, vor Erdgas und Elektrizität.

IWF fordert höhere Steuern

Weil die USA einer der weltweit grössten Verbraucher von Erdöl sind, fallen auch dort hohe Subventionskosten an (699 Milliarden Dollar). Die EU kommt etwa auf die Hälfte (330 Milliarden) und liegt damit hinter Russland (335 Mia.), aber vor Indien (227 Mia.) und Japan (157 Mia.). Würden die Subventionen fürs Jahr 2015 komplett eingespart, ginge der weltweite CO2-Ausstoss laut dem IWF um einen Fünftel zurück. Die Staatseinnahmen würden um gesamthaft 2,9 Billionen Dollar wachsen.

Es sei definitiv an der Zeit, die Preise des Energiekonsums der Realität anzunähern, fordert der IWF. Denn die Gelegenheit sei dank des tiefen Ölpreises gerade jetzt günstig. Erdöl importierende Länder beispielsweise können die Energiepreise auf dem heutigen Niveau belassen, statt sie zu senken, und so zusätzliche Einnahmen generieren. Ausserdem müsse die Besteuerung des Energiekonsums angepasst werden.

Gerade bei der Kohle gibt es viel Potenzial, ihr Konsum wird bis jetzt nur in wenigen Ländern besteuert. In der Schweiz wird eine solche «Dreckstrom-Abgabe» schon länger gefordert, unter anderem vom WWF und dem Solarverband Swissolar. Australien hat jüngst eine CO2-Steuer ersatzlos gestrichen, nur zwei Jahre nach deren Einführung.

Erstellt: 19.05.2015, 12:59 Uhr

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