Abgründe einer Firmenkultur

Der UBS jetzt einen Vertrauensvorschuss einzuräumen, fällt schwer.

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Der Bericht der Finanzmarktaufsicht (Finma) über die Devisenmarktmanipulationen der UBS macht einen fassungslos. Was da auf 22 Seiten ausgebreitet wird, lässt sich nur so zusammenfassen: In den Devisen­handelsabteilungen der Grossbank in Zürich/Opfikon ist jahrelang falsch gelaufen, was falsch laufen konnte. Wir blicken in die Abgründe einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Unternehmenskultur.

Eine Gruppe von Händlern hat sich über alle Regeln und Verhaltenskodizes hinweggesetzt, um den Profit der Bank zu mehren. Dafür wurden die Banker üppig belohnt – mit Boni bis zum Siebenfachen des Fixlohns. Und niemand in der UBS fühlte sich bis Mitte 2013 bemüssigt, dieses Treiben zu überwachen. Hinweise der internen Revision und von Whistle­blowern, die Schwachstellen und Interessen­konflikte offenbarten, stiessen auf taube Ohren.

Die heutige UBS-Führung unter Sergio Ermotti und Axel Weber wird nicht müde, zu betonen, die Bank habe in Sachen Compliance und Firmenkultur «weitreichende Veränderungen vorgenommen». Man darf ihr zugutehalten, dass sie im Sommer 2013 um­gehend reagierte, als erste Medienberichte über Absprachen von Devisenhändlern verschiedener Banken auftauchten. Dennoch bleibt ein zwiespältiges Gefühl zurück. Allzu sehr strich die UBS gestern heraus, dass für sie mit Abschluss der Finma-Untersuchung und der Zahlung von Bussen über 774 Millionen Franken die leidige Sache erledigt sei. Worte des Bedauerns oder eine Entschuldigung bei Kunden, die man geschädigt und deren Vertrauen man missbraucht hat, fehlten gänzlich. Die Bank will nach vorne blicken und das Vergangene schnell vergessen.

Inwieweit die UBS tatsächlich eine neue, auf Fairness, Respekt und Aufrichtigkeit beruhende Firmenkultur geschaffen hat, ist eine offene Frage. Ermottis und Webers Worte müssen sich an Taten messen. ­Vorderhand gilt die UBS als Wiederholungstäterin, die im Libor- wie auch im Devisenskandal elementare Standards einer einwandfreien Geschäftsführung aufs Gröbste verletzte. Dieser Bank jetzt einen Vertrauensvorschuss einzuräumen, fällt schwer.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.11.2014, 18:53 Uhr

Robert Mayer,Wirtschaftsredaktor, über die Devisenmanipulationen der UBS.

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