Affichage schloss Millionendeal in Griechenland mit handschriftlichem Vertrag ab

Nach einer 150 Millionen hohen Schadenersatzklage will eine Aktionärsgruppe an der Affichage-GV eine Sonderprüfung des Debakels in Griechenland beantragen.

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Die Aktionärsgruppe um den Bieler Unternehmer Max Müller erhöht den Druck auf den Verwaltungsrat der Affichage Holding. Im November hatte die Gruppe mehrere VR-Mitglieder – unter ihnen Ex-Präsident Klaus Hug, Ex-Chef und Ex-Delegierter Christian Kauter sowie Präsident Jean-François Decaux – in Zürich und später in Genf auf 150 Millionen Franken Schadenersatz verklagt. «Wir wollen, dass die Verantwortlichen dem Unternehmen den in Griechenland erlittenen Schaden ersetzen», sagte Aktionärsvertreter Müller damals dem TA.

Gestern legte die Gruppe nach: Sie will an der Generalversammlung vom 26. Mai eine «Sonderprüfung beantragen, um die Umstände dieser Katastrophe vollständig zu klären». Sie will nur davon absehen, wenn der Verwaltungsrat 52 schriftliche Fragen zu ihrer vollen Zufriedenheit beantwortet. Um die Dringlichkeit der Sonderprüfung zu unterstreichen, präsentierte die Gruppe, die an Affichage eine Beteiligung von knapp 5,3 Prozent hält, gestern in Genf und Zürich Dokumente, die belegen sollen, wie dilettantisch die Auslandsexpansion angegangen wurde.

Fragwürdiges Vorgehen

Der Kauf einer griechischen Plakatwerbefirma für fast 90 Millionen Franken basiere auf «einem dreiseitigen handgeschriebenen Vertrag», datiert im Mai 2006. Stossend sei weiter eine Vorauszahlung von umgerechnet 33 Millionen Franken an den Verkäufer direkt statt auf ein Sperrkonto. Die Vereinbarung sichere dem Verkäufer zudem den Einkauf von Dienstleistungen über Marktpreis zu, was ihm weitere 25 Millionen Franken Einnahmen brachte.

Die bei solchen Deals übliche Durchleuchtung des Kaufobjekts von PWC sei im August datiert, also Monate später. Der PWC-Bericht zum Griechenland-Geschäft habe 30 Problemfelder aufgelistet und unter anderem davor gewarnt, dass viele Verträge für Plakatwände nur mündlich abgeschlossen und damit rechtlich schwer durchsetzbar seien, zudem würden illegale Plakatstandorte benutzt. Wichtige Fakten, etwa zu Gemeindesteuern und Mietgebühren, liessen sich aus der Buchhaltung des Verkäufers nicht ausreichend herleiten, weshalb man Schätzungen gemacht habe.

«Der Verwaltungsrat hätte die Übung abbrechen müssen», sagt Aktionärsvertreter Müller. Das Gremium habe den Deal stattdessen durchgewunken. Ärgerlich sei auch, dass Affichage dem Verkäufer 2007 für ein Konkurrenzverbot nochmals Millionen bezahlt habe. Zudem habe die Zentrale in Griechenland für 2008 mit einem fragwürdigen Vorgehen schwarze Zahlen ausgewiesen.

Verwaltungsrat ganz erneuern

Die Gruppe bestehe aus langjährigen Aktionären, sagte Müller. Statt zu verkaufen und davonzulaufen, gehe man nun gegen die Verantwortlichen vor. Affichage wollte gestern zu den Vorwürfen nicht Stellung nehmen: «Das ist Bestandteil eines laufenden Verfahrens und wird von uns nicht kommentiert.»

Der Verwaltungsrat sei mit FDP-Honoratioren besetzt, moniert die Aktionärsgruppe. Mit dieser Crew sei kein Neuanfang möglich. Der ganze Verwaltungsrat müsse an der GV abgewählt werden. Die Gruppe schlägt vier eigene Kandidaten zur Zuwahl vor. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.04.2011, 10:46 Uhr

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