Air France zieht Concorde-Urteil weiter

Die französische Fluggesellschaft legt Berufung gegen das Urteil zum Absturz der Concorde ein – obwohl sie von der verurteilten Continental Schadenersatz erhält.

Das Unglück im Juli 2000: Kurz nach dem Abheben fängt 
die Concorde Feuer.

Das Unglück im Juli 2000: Kurz nach dem Abheben fängt die Concorde Feuer. Bild: AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach der US-Fluggesellschaft Continental hat auch Air France Berufung gegen das Urteil zum Absturz des Überschallflugzeugs Concorde vor rund zehn Jahren eingelegt. Damit wolle sich die französische Fluggesellschaft gegen Vorwürfe von Continental «verteidigen», teilte ihr Anwalt Fernand Garnault mit.

Ein Strafgericht in Pontoise bei Paris hatte Continental Anfang Dezember die volle Schuld an der Katastrophe vom Juli 2000 mit 113 Toten zugewiesen. Bei dem Absturz des Überschallflugzeuges waren 97 Deutsche ums Leben gekommen. Air France, der die Concorde gehörte, war in dem Verfahren als Nebenklägerin aufgetreten. Aus Sicht von Continental trug Air France eine Mitschuld an dem Unglück.

Continental war uns gegenüber sehr aggressiv

Die Berufung sei am Mittwoch eingelegt worden, «weil Continental uns gegenüber in erster Instanz sehr aggressiv war», sagte Air-France-Anwalt Garnault. «Wir möchten Continental mit gleichen Waffen gegenüberstehen, um uns verteidigen zu können.» Durch den Berufungsantrag wolle Air France sich weiterhin Zugang zu den Gerichtsakten sichern.

In dem Verfahren ging es darum, dass eine Continental-Maschine am 25. Juli 2000 beim Start am Pariser Flughafen Roissy-Charles de Gaulle eine Lamelle aus Titan verloren hatte, die wenig später beim Start der Concorde einen Reifen zerschnitt; herumfliegende Teile beschädigten einen Treibstofftank des Überschallflugzeuges, der sich entzündete. Die Concorde stürzte wenig später bei Paris ab.

Auch Continental rekurriert

Dem Gerichtsurteil zufolge muss Continental eine Million Euro Schadensersatz an Air France, die damalige Concorde-Betreiberin, zahlen. Ausserdem wurde eine Geldstrafe von 200'000 Euro wegen fahrlässiger Tötung gegen die US-Fluggesellschaft verhängt. Ein Continental-Angestellter erhielt 15 Monate Bewährungsstrafe, weil er das Metallteil schlecht fixiert hatte.

Gegen das Urteil hatte Continental am Montag Berufung eingelegt. Der US-Konzern hatte Air-France-Mitarbeitern Fehler im Umgang mit bekannten Problemen am Treibstofftank der Concorde vorgeworfen. Das Gericht stellte hier lediglich «Nachlässigkeiten» fest. Continental-Anwalt Olivier Metzner sprach von einem «protektionistischen Urteil» im Sinne der Interessen Frankreichs. (miw/AFP)

Erstellt: 16.12.2010, 09:07 Uhr

Artikel zum Thema

Eine Lamelle verursachte den Concorde-Absturz

Ein Gericht spricht Air France vollends frei im Prozess zum Crash der Concorde. Zur Kasse gebeten wird nur Continental Airlines. Mehr...

Das Comeback der Concorde

Französische Luftfahrtexperten arbeiten daran, das legendäre Überschall-Passagierflugzeug wieder in die Luft zu bringen. Mehr...

«Was dann geschieht, konnte man in Paris bei der Concorde sehen»

Ist ein Konstruktionsfehler für den A380-Zwischenfall verantwortlich, muss man die Supervögel grounden, sagt Tim van Beveren. Der Experte erklärt auch, wo gespart wurde und woran ihn der Fall erinnert. Mehr...

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Blogs

Tingler Warten bei Tiffany

Von Kopf bis Fuss Drei Zutaten für entspannte Weihnachten

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Haben sich an ihren Lebensraum angepasst: Vier ausgewachsene Antilopen und ein Junges laufen in der Wüste Rub Al-Khali in Saudiarabien über den trockenen Boden. (19. Dezember 2018)
(Bild: VALDRIN XHEMAJ) Mehr...