Aktie von Alcatel-Lucent stürzt ab nach Nokia-Angebot

Nokia will den Konkurrenten Alcatel-Lucent für 15,6 Milliarden Euro übernehmen. Vielen Aktionären des US-französischen Telecomkonzerns ist das offenbar zu wenig.

Alcatel-Lucent soll in Nokia aufgehen: Reception am Hauptsitz der Alcatel Lucent Schweiz AG in Zürich. (Archivbild Keystone/Gaetan Bally)

Alcatel-Lucent soll in Nokia aufgehen: Reception am Hauptsitz der Alcatel Lucent Schweiz AG in Zürich. (Archivbild Keystone/Gaetan Bally)

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Nach der Einigung auf eine Übernahme durch den finnischen Konkurrenten Nokia ist die Aktie des US-französischen Telekommunikationskonzern Alcatel-Lucent in den Keller gerutscht. An der Pariser Börse brach der Aktienkurs heute Morgen um mehr als zehn Prozent auf 4,01 Euro ein. Beide Unternehmen hatten zuvor mitgeteilt, eine Fusion anzustreben. Gestern war der Kurs allerdings aufgrund aufkommender Fusionsgerüchte um annähernd den selben Betrag gestiegen, den er heute wieder abgab.

Der finnische Konzern Nokia bietet für die Übernahme in einem 15,6 Milliarden Euro schweren Deal eigene Aktien an. Das neue Unternehmen soll Nokia heissen, vom gegenwärtigen Nokia-Management geführt werden und seinen Sitz in Finnland haben. Nokia-Chef Rajeev Suri soll auch das neue Unternehmen führen.

Aufpreis von 28 Prozent

Die neue Unternehmensgruppe soll demnach zu zwei Dritteln von den derzeitigen Nokia-Aktionären gehalten werden und zu einem Drittel von den Alcatel-Lucent-Aktionären. Nokia bietet 0,55 neue Aktien für einen Anteilsschein von Alcatel-Lucent. Der Deal soll im ersten Halbjahr 2016 abgeschlossen werden.

Das Angebot für Alcatel-Lucent von 15,6 Milliarden Euro stellt einen Aufschlag von 28 Prozent auf den durchschnittlichen Preis der Aktie in den vergangenen drei Monaten dar.

Chinesen setzen Europäern zu

Netzwerk-Ausrüster liefern Technik für Telekom-Konzerne. Dabei stehen etablierte westliche Anbieter unter verstärktem Druck aggressiver Konkurrenz aus China. Gemeinsam könnten Nokia und Alcatel-Lucent besser mit ihnen konkurrieren.

Bis 2019 sollen jährliche Einsparungen von 900 Millionen Euro bei den operativen Kosten erzielt werden, wie Nokia ankündigte. Erst am Vortag hatten die Unternehmen nach Medienberichten Gespräche über einen Zusammenschluss bestätigt.

Nokia ist nach dem Verkauf der Handy-Sparte an Microsoft hauptsächlich ein Netzwerk-Ausrüster. Der Konzern bestätigte am Mittwoch auch, dass alle Optionen für seinen digitalen Kartendienst Here geprüft werden.

Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg gab es bereits Verkaufsgespräche mit dem umstrittenen Fahrdienst-Vermittler Uber und Interesse einer Gruppe deutscher Autohersteller.

Neuer Konzern mit über 100'000 Mitarbeitern

Nokia hatte Ende vergangenen Jahres 54'600 Mitarbeiter im Netzwerk-Bereich und Alcatel-Lucent insgesamt gut 50'000. Der Nokia-Konzern erwirtschaftete einen Umsatz von 12,7 Milliarden Euro. Der Löwenanteil kommt aus dem Netzwerk-Geschäft.

Alcatel-Lucent hat mit 13,2 Milliarden Euro Erlöse in ähnlicher Grössenordnung. Der Konzern entstand aus einem Zusammenschluss zwischen Alcatel aus Frankreich und Lucent aus den USA. (rub/sda/AFP)

Erstellt: 15.04.2015, 07:42 Uhr

Alcatel-Lucent-Chef Michel Combes (l.) und Nokia-Chef Rajeev Suri vor einem Treffen mit dem französischen Präsidenten François Hollande in Paris. (14. April 2015)

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