Alle Augen auf Apples iWatch

Im Herbst kommt Apple voraussichtlich mit der iWatch. Eine Gefahr für die Schweizer Uhrenhersteller? Klar ist: Der grosse Fehler der 70er-Jahre soll sich nicht wiederholen.

Eine Uhr im Apple-Design: So oder ähnlich könnte die mit Spannung erwartete iWatch aussehen.

Eine Uhr im Apple-Design: So oder ähnlich könnte die mit Spannung erwartete iWatch aussehen. Bild: zvg

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Die Apple-Uhr iWatch ist eines der bestgehüteten Geheimnisse des kalifornischen Konzerns. Gerüchte und unbestätigte Informationen halten das Interesse an der computerisierten Uhr seit Jahren am Leben. Dazu gehören aktuelle Spekulationen, wonach Apple die iWatch bereits im Oktober auf den Markt bringe und im ersten Verkaufsjahr 30 bis 60 Millionen Stück absetzen könne.

Es gibt aber auch Fakten zur iWatch: So hat das US-Patentamt am 22. Juli 2014 ein Patent von Apple für ein «am Handgelenk getragenes elektronisches Gerät» zugelassen. Zeichnungen mit der Beschriftung iTime zeigen ein Armband, an das ein elektronischer Aufsatz angebracht werden kann.

Weiter ist Apple daran, sich in der Schweizer Uhrenindustrie nach Fachkräften umzusehen. Der französische Luxusgüterkonzern LVMH bestätigte Anfang Juli, dass Apple den Verkaufschef seiner Schweizer Luxusuhrenmarke Tag Heuer abgeworben hat.

2015 kommt Fitness-Swatch

Schliesslich dementierte Nick Hayek, Chef des weltgrössten Uhrenkonzerns Swatch Group mit Sitz in Biel, dass es eine Zusammenarbeit mit Apple bei der iWatch gebe.

Dafür kündigte Hayek kürzlich in der «NZZ am Sonntag» an, im kommenden Jahr eine eigene «schlaue» Uhr oder Smartwatch lancieren zu wollen: eine Swatch mit Fitnessfunktionen. Mögliche Markennamen für Smartwatches hat die Swatch Group (Swatch, Omega, Tissot, Certina) beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum bereits registrieren lassen. Zu finden sind «Smart Swatch», «iScuba» und «iPop Swatch».

Noch im März 2014 hatte Hayek erklärt, er glaube nicht, dass die iWatch die «nächste Revolution» sei. Schon im Vorjahr hatte der Swatch-Group-Chef auf die geringe Nutzerfreundlichkeit von Smartwatches hingewiesen: etwa darauf, dass es nötig sei, die Software auf dem neuesten Stand zu halten und den Akku regelmässig aufzuladen. Erhältlich sind bereits Produkte wie die Sony Smartwatch, die Samsung-Gear-Reihe, Pebble und G Watch von LG.

Für den Neuenburger Wirtschaftsprofessor Pierre-Yves Donzé von der Universität Kyoto ist es kein Zufall, dass die Swatch Group gerade jetzt die Pläne für die eigene Smartwatch öffentlich macht: «Die Fitness-Swatch soll ohne Zweifel zeigen, dass die Swatch Group innovativ bleibt und bereit ist für einen möglichen Krieg der Gadgets mit den grossen Elektronikherstellern», sagt der Autor von Büchern über die Geschichte der Schweizer Uhrenindustrie. Auch die Schweizer Uhrenmarken von LVMH haben laut Donzé die Möglichkeit, rasch auf Smartwatches zu reagieren.

Wachsamkeit gegenüber dem branchenfremden Mitbewerber ist durchaus angebracht: Apple hat mit dem Abspielgerät iPod und dem Onlinedienst iTunes nicht nur das Geschäftsmodell der Musikindustrie aufgemischt, sondern mit dem Alleskönner-Handy iPhone auch den traditionellen Herstellern von Mobiltelefonen eingeheizt.

Technologiekrise in den 70ern

Zudem hat fehlende Weitsicht für technologische Neuerungen die Schweizer Uhrenindustrie bereits einmal an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Als die Japaner in den 1970er-Jahren den europäischen Markt mit billigen und präziseren Quarzuhren überschwemmten, brachen die Verkäufe der Schweizer Uhrenhersteller ein. Erst dank der 1983 lancierten preisgünstigen Swatch der Swatch-Group-Vorgängerin SMH erlebte die ganze Branche eine Wiedergeburt.

Kenner der Branche glauben aber nicht, dass sich die Geschichte mit der iWatch wiederholen wird. «Die Smartwatch stellt keinen technologischen Schock wie die Quarzuhr dar», sagt Wirtschaftsprofessor Donzé. «Es geht nicht darum, die Uhr neu zu erfinden, sondern daraus eine technische Spielerei zu machen, die eine Verbindung ins Internet gewährleistet.»

Finanzanalyst René Weber, der sich bei der Zürcher Privatbank Vontobel mit der Swatch Group auseinandersetzt, sieht die weltgrösste Uhrengruppe ebenfalls gewappnet: «Innerhalb der Swatch Group ist das Know-how für die meisten Komponenten wie Batterien, Bildschirme und Chips vorhanden, damit ins Smartwatch-Segment eingestiegen werden kann.»

Bei Hublot Chefsache

Jean-Claude Biver, Uhrenmanager mit langjähriger Erfahrung und Verwaltungsratspräsident der Waadtländer LVMH-Luxusuhrenmarke Hublot, findet: Die Branche hat ihre Lehren aus der Krise der 1970er-Jahre gezogen. «Die Schweizer Uhrenindustrie wird dank einiger geeigneter Marken einen guten Anteil der technologischen Entwicklung beherrschen und besetzen», sagt Biver. Hublot soll eine solche Marke werden: «Wir müssen einen eigenen und geeigneten Zugang zum Thema Smartwatch finden», so Biver. Und das ist bei Hublot Chefsache. Der Luxemburger arbeitet persönlich mit der Abteilung Forschung und Entwicklung zusammen.

Erstellt: 04.08.2014, 16:54 Uhr

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