Alle wussten, was die Banker taten

Wegschauen und kassieren: Das System wurde von Politik und Gesellschaft gedeckt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Roger Federer ist Botschafter der CS. ­Botschafter ­wofür? Für Leistung, Erfolg, Fairness? Oder für faule Tricksereien und Beihilfe zu Steuerbetrug? Was ­immer sich Federer dabei denkt, er tut nur das, was ­andere auch tun: wegschauen und kassieren. Der Vergleich in den USA richtet sich nicht alleine gegen die Credit Suisse. Es ist die Abrechnung mit dem ­System Schweiz, das über Jahrzehnte fragwürdige bis ­kri­minelle Gelder ins Land lotste – mit dem Segen des ­politischen und gesellschaftlichen Establishments.

Alle haben es gewusst. Die meisten haben ­mitge­spielt. Viele haben mitprofitiert. Die Banker ­erledigten die Drecksarbeit. Politiker durch fast alle Parteien gaben ihnen Rückendeckung. Legendär ist Alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz’ (FDP) Botschaft ans Ausland vom März 2008: «An diesem Bankgeheimnis werdet ihr euch die Zähne ausbeissen.» Unvergesslich auch, wie Alt-Bundesrat und UBS-Präsident Kaspar Villiger (FDP) die Entschädigungen der Grossbank ­verteidigte – jene Anreizsysteme, welche die ­Haupttreiber der Verhaltensmuster sind, über die die Credit Suisse in den USA stolperte.

Nicht nur die Freisinnigen waren Teil des Systems. Wenn Christoph Blocher (SVP) heute medienwirksam die Rücktritte von CS-Präsident Urs Rohner und Konzernchef Brady Dougan fordert, muss zurückgefragt werden, wann und wo er als UBS-Verwaltungsrat, als Nationalrat, als Justizminister die Machenschaften der Finanzbranche hinterfragt hat. Er hat es nicht einmal getan, als Hans J. Bär als einsamer ­Bankier mit Weitsicht in seiner im Jahr 2004 erschienenen Biografie das Bankgeheimnis infrage stellte.

Zum Stillschweigekartell darf sich neben der Politik und dem Sport auch die Kulturszene zählen. Vom Zürcher Opernhaus über das Lucerne Festival, das Kunstmuseum Basel bis zum Zurich Film Festival – sie und viele mehr hängen am Tropf der Credit Suisse. Geld stinkt nicht, also kassieren sie. Dass Rohner und Dougan abgelöst gehören, ist allen klar – ausser den beiden selbst. Mit den Fingern auf die bösen Buben zu zeigen, ist aber zu billig, nachdem das Land ihr ­Geschäftsmodell über all die Jahre gedeckt hat.

Erstellt: 20.05.2014, 00:53 Uhr

Artikel zum Thema

Credit Suisse zahlt USA 2,6 Milliarden Dollar Busse

Noch in der Nacht wurde der Deal der Grossbank in den USA verkündet. US-Justizminister Eric Holder erklärte die Details an einer gross angelegten Medienkonferenz. Mehr...

Und die anderen Banken?

Der Vergleich den die Credit Suisse in den USA erreicht hat, dürfte über die Grossbank hinausreichen. Mehr...

Der Steuerstreit im Zeitraffer

Wirtschaft Der Konflikt mit den USA um Steuergelder auf Schweizer Banken dauert nun schon sieben Jahre. Hier der Blick zurück. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...