Alpiq muss schwere Zinslast tragen

Der Energiekonzern nimmt bis eine Milliarde Franken als Hybridkapital auf, was die Bilanz entlastet. Doch die Aktionäre leiden – sie erhalten wegen der stark steigenden Kapitalkosten weniger Dividende.

Will Dienstleistungen pushen: Alpiq-Chefin Staiblin.

Will Dienstleistungen pushen: Alpiq-Chefin Staiblin. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der hoch defizitäre Schweizer Energiekonzern Alpiq prüfe, sein Kapital bis zu einer Milliarde Franken aufzustocken, machte der TA im Dezember publik. Der Protest der Grossaktionäre fiel so heftig aus, dass der Alpiq-Verwaltungsrat von einer Kapitalerhöhung wieder abkam, zu gross war die Angst vor Verwässerung durch die Ausgabe neuer Aktien.

Stattdessen nimmt Alpiq nun bis eine Milliarde Franken Hybridkapital auf – ein Zwitterding zwischen Fremd- und Eigenkapital: Bis zu 500 Millionen Franken sollen Alpiqs Grossaktionäre beisteuern, maximal eine weitere halbe Milliarde Franken soll am Kapitalmarkt aufgenommen werden. Dies gab Alpiq gestern anlässlich der Präsentation des Jahresergebnisses 2012 bekannt, das bei einem Umsatz von 12,7 Milliarden Franken wegen Abschreibern von 2,1 Milliarden Franken mit einem Verlust von über einer Milliarde Franken endete.

Steigender Finanzaufwand

Die Gefahr einer dauerhaften Verwässerung ihrer Beteiligung konnten die neun Grossaktionäre, denen 90 Prozent von Alpiq gehören, zwar abwenden. Leiden werden die Aktionäre dennoch. Hybridkapital ist teuer, da die Käufer solcher Papiere bei der Geltendmachung erst zum Zug kommen, wenn alle anderen Finanzverbindlichkeiten beglichen sind. Zudem können sie ihr Geld viele Jahre nicht abziehen.

Entsprechend hoch ist der dafür fällige Marktzins, der auch zeichnenden Alpiq-Aktionären gewährt werden soll. Für die Hybridpapiere zahle Alpiq zumindest vier bis fünf Prozent Zins, sagt ein Kreditspezialist, also rund zwei Prozentpunkte mehr als für normale Obligationen. Die zweite Hybridtranche dürfte noch teurer werden, da Alpiq deren Zinszahlung nach Bedarf aufschieben können will. Bei einer Milliarde Franken Hybridkapital dürfte der Finanzaufwand von 264 Millionen Franken 2012 nochmals um weitere rund 40 bis 60 Millionen Franken ansteigen.

Franzosen stehen abseits

Dafür löst das Hybridkapital das Problem einer drohenden Abstufung der Bonität, da es laut Alpiq-Finanzchef Patrick Mariller von den Ratingspezialisten «mindestens zu 50 Prozent als Eigenkapital» angerechnet wird. Das ist für Alpiq enorm wichtig – eine weitere Abstufung des Ratings könnte bedeuten, dass einzelne Pensionskassen oder Versicherer in Alpiq nicht mehr investieren, was die anstehende Ablösung von Schulden über 2,1 Milliarden Franken allein bis Ende 2015 enorm verteuern würde.

Diese Gefahr sinkt markant, sofern die Finanzierung in den nächsten Wochen gelingt. Frankreichs staatlicher Energiekonzern EDF, mit 25 Prozent zweitgrösster Aktionär, steht dem Vernehmen nach abseits, will eigentlich gar keine Hybridanteile zeichnen. Dazu sei EDF nur so weit und erst dann bereit, wenn sonst ihre bestehende sehr substanzielle Beteiligung in Gefahr geriete.

Vorbeugend machte Alpiq darum gestern klar, dass die Schweizer Grossaktionäre – Stromversorger aus der Westschweiz, aus Baselland, Solothurn sowie die Stadtwerke Zug, Lugano und Aarau – zur Not die erste Tranche von 500 Millionen allein aufbringen würden.

Romands unter Druck

Pikant ist in diesem Zusammenhang, dass Alpiq 2012 in der Schweiz fast 800 Millionen abschreiben musste, wobei dafür vorab Kraftwerke wie beispielsweise Grande Dixence verantwortlich waren, welche die Westschweizer EOS 2009 bei der Fusion mit Atel eingebracht hatten. Die fünf Westschweizer Kantone und Stadtwerke, denen EOS gehört, erhielten damals 31,4 Prozent an Alpiq – plus 1,8 Milliarden Franken in bar. Der Druck auf die Romands, jetzt überproportional zu der Kapitalspritze beizutragen, sei daher hoch, heisst es.

Viel Dividende dürften die Aktionäre in nächster Zeit kaum sehen, da der Konzern seine Schulden um mehrere Milliarden reduzieren und auslaufende Schulden refinanzieren muss – sowie baldmöglichst die kostspieligen Hybride tilgen will. In Finanzkreisen löste bereits Kopfschütteln aus, dass Alpiq im Frühling 54,4 Millionen Franken Dividende auszahlen will, gleichzeitig aber teures Hybridkapital aufnimmt.Parallel zur Geldbeschaffung will Jasmin Staiblin, seit Januar Alpiq-Chefin, die nach der Fusion unterlassene Integration vorantreiben, die «bereichsübergreifende Zusammenarbeit» durchsetzen, den grössten Schweizer Energiekonzern flexibler machen – und den Wachstumsmarkt Dienstleistungen pushen.

Erstellt: 13.03.2013, 07:27 Uhr

Interview mit Alpiq-Chefin Staiblin

Artikel zum Thema

Alpiq besorgt sich Finanzspritze nach Milliardenverlust

Der Energiekonzern muss für das vergangene Geschäftsjahr einen Verlust von 1,086 Milliarden Franken hinnehmen. Das ist aber viel besser als von Analysten erwartet. Die Aktie legt um fast zehn Prozent zu. Mehr...

Alpiq: Bis eine Milliarde mehr Kapital

Hintergrund Exklusiv Der hoch verschuldete Energiekonzern prüft eine Kapitalerhöhung, die der Verwaltungsrat nächste Woche diskutieren soll. Alpiq leidet auch daran, dass 2009 bei der Fusion fast 1,8 Milliarden abflossen. Mehr...

Alpiq prüft verstärkten Stellenabbau

Tiefe Strompreise und eine geringere Nachfrage machen Alpiq zu schaffen. Der Energiekonzern hat in den ersten neun Monaten 144 Millionen Franken Gewinn erzielt, 20 Prozent weniger als im Vorjahr. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Bis die Reifen qualmen: Ein irakischer Biker kämpft sich mit seiner Maschine durch eine Strassensperre, die Demonstranten in Najaf errichtet haben. Sie protestieren gegen die aktuelle Regierung. (20. Januar 2020)
(Bild: Alaa al-Marjani) Mehr...