Amazon liefert Päckli in Zukunft aus der Luft

Der US-Onlineriese arbeitet an der Zustellung mit sogenannten Octocoptern. In vier bis fünf Jahren werden die Bestellungen von Amazon von automatischen Flugobjekten direkt beim Kunden abgesetzt.

Die Lieferung der Zukunft: Amazon-Chef Jeff Bezos (links) stellt die Minidrohne vor. (Screenshot: «60 Minutes»)

Die Lieferung der Zukunft: Amazon-Chef Jeff Bezos (links) stellt die Minidrohne vor. (Screenshot: «60 Minutes»)

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Die Idee klingt verrückt: Online-Händler Amazon will künftig Waren mit automatischen Flugmaschinen zum Kunden bringen. Nun rätselt die Branche, ob Amazon-Gründer und Chef Jeff Bezos nur einen Marketing-Gag gezündet hat.

Bezos hat mehrfach bewiesen, dass er ganze Branchen auf den Kopf stellen kann. Zunächst lehrte er den traditionellen Buchhandel das Fürchten, dann weitete er den Onlinehandel auf alle denkbaren Waren aus. Mit dem Lesegerät Kindle beschleunigte er die Verdrängung gedruckter Bücher durch E-Books und auf den Servern von Amazon laufen heute unzählige Internet-Dienste aus der Cloud. Und nun will Bezos mit Mini-Drohnen seine Waren ausliefern.

In der populären US-Fernsehsendung «60 Minutes» kündigte Bezos an, er habe bei der Flugaufsicht FAA beantragt, dass selbstfliegende Octocopter bestellte Waren zu den Kunden bringen dürfen. Zustellzeit: 30 Minuten. Bis zu 2,5 Kilogramm Gewicht könne über den den Prime Air-Service ausgeliefert werden. «Bei 86 Prozent der Bestellungen liegt das Gewicht unter diesem Limit», betonte Bezos.

Viele offene Fragen

Bezos sieht selbst Herausforderungen. «Eine Drohne darf nicht auf dem Kopf eines Fussgängers landen und kann auch nicht in der Nachbarschaft herumlaufen, um eine Adresse zu finden.» Daher sei noch viel Forschungsarbeit notwendig, um den Dienst «robust und verlässlich» zu machen. «Es klingt wie Science Fiction, ist es aber nicht. Es wird funktionieren. Und es wird Spass machen», so Bezos.

Trotz seiner optimistischen Einschätzung steht Bezos mit dem Plan allerdings vor gewaltigen Herausforderungen. Bei dem Online-Händler gehen in Spitzenzeiten allein in den USA pro Sekunde rund 300 Bestellungen ein.

Sollte nur ein Bruchteil dieser Waren per Drohne ausgeliefert werden, müssten in Grossstädten tausende von Flugobjekten unterwegs sein. Mit einer Reichweite von nur 16 Kilometern müssten in Städten wie New York oder Los Angeles etliche Distributions-Zentren erreichtet werden, um das Logistik-Netzwerk engmaschig genug zu knüpfen. Bezos überlegte allerdings auch schon Mal, Mini-Lager bei Kunden einzurichten - die Idee wurde recht schnell verworfen.

Buhlen um Aufmerksamkeit

Ausserdem wohnt das Gros der Amazon-Kunden nicht in einem Einfamilienhaus mit einem Landeplatz für Octocopter vor der Haustür, wie in dem Werbe-Film von Amazon vorgeführt wurde. Und selbst in Kalifornien scheint nicht immer nur die Sonne wie in dem Videoclip.

Daher konnten sich viele Beobachter nicht des Eindrucks erwehren, Bezos habe am Vorabend des Online-Schnäppchen-Tags Cyber-Monday, an dem alle Online-Händler um Aufmerksamkeit werben, einen Marketing-Coup steigen lassen.

Immerhin räumte Bezos in der TV-Sendung ein, dass es schwer sei, neue Versandmethoden einzuführen. Seit fünf Jahren experimentiert sein Unternehmen mit dem Dienst Amazon Fresh, mit dem frische Lebensmittel wie Milch, Eier und Gemüse vertrieben werden. Allerdings wird dieser Dienst bislang nur in der Amazon-Heimatstadt Seattle sowie in Los Angeles angeboten. (chk/sda)

Erstellt: 02.12.2013, 04:28 Uhr

Video

Amazon-Chef Jeff Bezos im Interview mit «60 Minutes».

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