Hintergrund

American Airlines heiratet das «hässliche Mädchen»

American Airlines und US Airways haben ihre Megafusion verkündet. Welche Auswirkungen diese für die Schweiz, die Luftfahrtbranche generell und die Allianzen hat, erklären zwei Aviatikexperten.

Neuer Look: eine Boeing 777-300ER von American Airlines. Die US-Fluggesellschaft präsentierte am 31. Januar das neue Erscheinungsbild.

Neuer Look: eine Boeing 777-300ER von American Airlines. Die US-Fluggesellschaft präsentierte am 31. Januar das neue Erscheinungsbild. Bild: Reuters/American Airlines/Handout

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Ein neues Kapitel in der Fusionitis-Geschichte der amerikanischen Fluggesellschaften: Mit dem Zusammenschluss von American Airlines und US Airways entsteht ein neuer Gigant am US-Himmel. Gemessen an der Flottengrösse wird die neue Airline die grösste der Welt (Details siehe Box). Die Partner erhoffen sich Einsparungen von 1,2 Milliarden US-Dollar. Zudem wird American Airlines künftig Strecken an der US-Ostküste anbieten können, wo sie bisher als unterrepräsentiert galt.

US Airways war seit Jahren vergeblich auf der Suche nach einem Partner und wurde deswegen spöttisch schon das «hässliche Mädchen» genannt. Anfang 2007 scheiterte US Airways mit einem feindlichen Übernahmeangebot für Delta.

«American Airlines wird das Sagen haben»

«Das Flugangebot wird für die Kunden nun grösser und flexibler», sagt der österreichische Aviatikexperte Kurt Hofmann. Er erwartet jedoch auch höhere Flugticketpreise für die Kunden der neuen Airline, wie er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagt. Hansjörg Bürgi, Chefredaktor der Aviatikzeitschrift «Skynews.ch», teilt diese Ansicht. «Das dürfte vor allem die Amerikaner betreffen, wenn es auf bestimmten Routen künftig nur noch einen Anbieter gibt.»

Die grösste Herausforderung sei das Vereinen von zwei sehr unterschiedlichen Firmenkulturen, so Hofmann. Während es sich bei American Airlines um einen langjährig etablierten Traditionscarrier handelt, ist US Airways relativ jung und besteht aus verschiedensten fusionierten Fluggesellschaften. Dazu gehören unter anderem Pacific Southwest Airlines und Piedmont Airlines. So herrscht laut Hofmann eher eine multikulturelle Mentalität. Vom Check-in über das Pilotentraining bis hin zur Passagierbetreuung an Bord – die beiden Airlines gingen ihre Arbeiten auf unterschiedliche Weise an. «Wegen ihrer langen Tradition und der Firmengrösse dürfte American Airlines im Fusionsprozess das Sagen haben», glaubt der Aviatikexperte.

Die Frage nach der Luftfahrtallianz

Angehen muss die neue Airline auch die Allianzzugehörigkeit: Während American Airlines der Allianz Oneworld angehört, ist US Airways Mitglied der Star Alliance, wo auch Swiss und Lufthansa dabei sind. In der Branche ist man sich einig, dass die neue Airline künftig unter dem Dach des Bündnisses Oneworld operieren wird, dem auch Air Berlin, British Airways und Iberia angehören. Lufthansa wird mit US Airways einen wichtigen Allianzpartner in den USA verlieren. «Der Verlust sollte jedoch zu verkraften sein», so Hofmann. «Mit United/Continental wird Lufthansa ja weiterhin einen guten US-Partner in der Allianz haben.»

Welche Bedeutung hat die Fusion für den Schweizer Markt, auf dem sich neben American Airlines auch United/Continental, Delta und Swiss den Nordamerikakuchen teilen? Laut Bürgi dürfte der Zusammenschluss kaum Auswirkungen auf die Schweizer Kunden haben, wie etwa höhere Ticketpreise. «Die neue Airline hat hier nach wie vor genug Konkurrenz», so Bürgi.

Geht die «Fusionitis» weiter?

Nach einer Reihe von Fusionen amerikanischer Airlines dominieren nun drei grosse Player: Der neue Konzern von American Airlines und US Airways, Delta Airlines (die mit Northwest fusionierte) und United/Continental. «Neben der erfolgreichen Billigfluglinie Southwest Airlines gibt es noch einige kleinere Unternehmen, die derzeit noch gut aufgestellt sind – etwa Alaska Airlines oder Hawaiian Airlines», so Kurt Hofmann. «Fusionitis» bei den amerikanischen Airlines: Wäre es denkbar, dass auch die verbleibenden Player untereinander fusionieren? Hansjörg Bürgi glaubt nicht daran. «Es wurde dort genug konsolidiert für den Moment.»

Im Westen entsteht also ein neuer Airline-Gigant. Müssen sich die europäischen Fluggesellschaften nun noch wärmer anziehen, als sie es bereits tun? «Ja, aber nicht wegen der Airlines jenseits des Atlantiks», meint Bürgi. «Der grösste Druck kommt von den Carriern aus der Golfregion wie Emirates, Etihad oder Qatar Airways.»

(Artikel angereichert mit Material der Nachrichtenagentur SDA) (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.02.2013, 15:47 Uhr

Die Airlinefusion in den USA

Heute wurde die Fusion von American Airlines und US Airways bekanntgegeben. Bereits gestern haben die Vorstände der beiden Airlines in separaten Abstimmungen der Fusion zugestimmt (wir berichteten).

Die neue Fluggesellschaft wird den Namen American Airlines tragen und mit 1500 Flugzeugen und 6400 täglichen Flügen die grösste der Welt sein. Firmensitz wird Dallas, der bisherige Sitz von American Airlines. Doug Parker, der Geschäftsführer von US-Airways, wird Chef der neuen Fluggesellschaft.

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