Ammann-Gruppe hat seit 1977 im Ausland Steuern optimiert

Der Maschinenbauer Ammann legte jahrzehntelang Geld im Ausland steuerfrei an. 2009 wurde das Vermögen von rund 263 Millionen Franken nach Bern verlegt. Seitdem hat das Anlagevehikel null Steuern entrichtet.

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Der Maschinenbauer Ammann ist seit Februar dieses Jahres wegen möglicher Steuerumgehung im Fokus der öffentlichen Diskussion. Im Zentrum stehen zwei Offshorefirmen auf der Insel Jersey und in Luxemburg, Jerfin Ltd. und Manilux SA. Dort hatte die Ammann-Gruppe bis zum Jahr 2009 rund 263 Millionen verwaltet, ohne dafür in der Schweiz Steuern zu entrichten. Bis 2007 geschah dies möglicherweise widerrechtlich. Das Geld lag im Ausland, wurde aber aus der Schweiz heraus verwaltet, wie eine Inspektion der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) im Jahr 2005 zeigte. In Artikel 50 des Gesetzes über die direkte Bundessteuer steht, dass Gewinne am Ort der «tatsächlichen Verwaltung» versteuert werden müssen.

Nun zeigen neue Dokumente des Handelsregisteramts Luxemburg, dass die Ammann-Gruppe jahrzehntelang im Ausland Steuern optimiert hatte. Dort gründete sie bereits 1976 die Firma Manilux. Sie schoss zuerst 10 Millionen Franken Aktienkapital ein und lieh ihr weitere 22,7 Millionen Franken als Kredit. So begann die Manilux in Wertpapiere zu investieren.

Das Vermögen vermehrte sich. Die Höhe der Gewinne schwankte je nach Wirtschaftslage. Sie betrugen zwischen einer Million und vierzehn Millionen Franken pro Jahr, im Schnitt fünf Millionen. Verluste erlitt die Offshorefirma 1981, 1987 und 2004 von total rund fünf Millionen Franken.

Zehn Jahre nach der Gründung belief sich das Eigenkapital (die Summe von Aktienkapital und Reserven) bereits 50 Millionen Franken, zwanzig Jahre später 133 Millionen Franken und 2007, dreissig Jahre später, 185 Millionen Franken. In all dieser Zeit wurde das Aktienkapital nur zweimal erhöht: Von 10 auf 20 Millionen und dann auf 40 Millionen. Der restliche Wertzuwachs waren die angesparten Gewinne. Sie mussten nicht versteuert werden. Zum Vergleich: Die Ammann Group setzte im letzten Jahr 910 Millionen Franken um. Den Gewinn gibt das Unternehmen nicht bekannt.

Befreit von Gewinnsteuern

Die Gewinne mussten in Luxemburg nicht versteuert werden. Zum einen geht dies aus den Erfolgsrechnungen hervor. Zum anderen ist in den Dokumenten festgehalten, dass die Manilux den Status einer «Holding de financement», einer Finanzholding genoss. Dieser Status befreite sie von den ordentlichen Gewinnsteuern. Sie zahlte nur Gebühren und Abgaben, die sich beispielsweise im Jahr 2006 auf 94 000 Franken beliefen.

Ob die Gewinne in der Schweiz hätten versteuert werden müssen, ist unbekannt. Vom TA angefragte Steuerexperten können sich an die damaligen Steuerbestimmungen nur vage erinnern. Tatsache ist aber, dass die Ammann-Gruppe die Beteiligung sehr diskret hielt. Sie wählte dafür eine in Luxemburg ansässige Bank, die Union de Banques Suisses Luxembourg, der sie ein Anlagemandat gab. Diese Bank wiederum gab der örtlichen Creditrust SA den Auftrag, Manilux zu verwalten. Ein Treuhandexperte, der die Dokumente ausgewertet hat, sagt: «Aufgrund der Unterlagen gehe ich davon aus, dass die Creditrust für die Buchführung und Berichterstellung zuständig war.»

Im Verwaltungsrat der Manilux sassen drei Herren, darunter der 1990 verstorbene Schweizer Eugen Harter, Direktor in Basel. Wo er Direktor war, geht aus dem luxemburgischen Register nicht hervor. Aber in einem schweizerischen Handelsregisterauszug von 1990 taucht er als Bevollmächtigter der Firma Ugasa Basel SA mit Sitz in Basel auf.

Ugasa Basel ist der frühere Name der heutigen Ammann Group Holding. Ihre Gründung erfolgte 1972. Aus den Dokumenten gehen drei Verwaltungsräte hervor: Ulrich Ammann (Patron der 4. Generation), Katharina Ammann und Sohn Ulrich Andreas Ammann. Letzterer ist heute noch Mitglied des Verwaltungsrates bei Ammann Group. Erst später stiess Johann Niklaus Schneider, der heutige Bundesrat, zur Firma und übernahm sie 1984 als Konzernleiter, 1989 als Präsident. Aufgrund der Heirat mit einer Ammann-Tochter nannte sich der ETH-Ingenieur später Schneider-Ammann.

1992 entschied der Maschinenbauer, Ugasa in Ammann Group Holding umzutaufen. Kurze Zeit später wurde die Verbindung zu Manilux auch nach aussen sichtbar. Schneider-Ammann sass im Verwaltungsrat und wurde 1993 Präsident.

1995 trat das neue Gesetz über die direkte Bundessteuer in Kraft. Der Paragraf mit der «tatsächlichen Verwaltung», wurde eingeführt. Erfahrenen Steuerexperten war nun klar, dass nur solche Firmen ihr im Ausland verwaltetes Vermögen von einer Besteuerung im Inland ausnehmen konnten, wenn sie im Ausland über Büros, Personal und Kompetenzen verfügten. Alle anderen waren gewarnt: Wer von hier aus Geld verwaltet, muss auch hier Steuern zahlen. «Es handelte sich um eine Art Regel für den Schutz vor Missbrauch», sagt ein Steuerexperte.

Laut Quellen unterhielt Ammann Group aber nur Verwaltungsratssitzungen in Jersey und Luxemburg ab. «Man nahm damals an, dass eine solche Praxis genügen würde», sagt ein weiterer, vom TA befragter Steuerexperte. «Das ganze Problem mit dem Ort der tatsächlichen Verwaltung bestand darin, dass es interpretationswürdig war, was als tatsächliche Verwaltung gilt.»

Bund machte Auflagen

Die Berner Kantonsverwaltung winkte die Praxis bis 2006 durch. Darauf beruft sich die Ammann-Gruppe: «Den zuständigen Steuerbehörden wurden stets transparent sämtliche Informationen und Unterlagen geliefert, die sie benötigte, um die Rechtmässigkeit der Finanzgesellschaften zu prüfen und zu beantworten. Man kam richtigerweise zum Schluss, dass die im vorliegenden Fall nach aktueller Praxis notwendige Verwaltung im Ausland erfolgt und die dafür notwendige Substanz vor Ort vorhanden war», sagt Chefjurist Daniel Müller. Die Manilux sei eine eigenständige juristische Person, «welche ihre Ergebnisse an ihrem Hauptsteuerdomizil (in Luxemburg) zu versteuern hatte». Aus der Aktennotiz der ESTV geht aber hervor, dass der Bund bereits im Jahr 2000 Anhaltspunkte hatte, dass Ammann die Firmen in Jersey und Luxemburg von Bern aus verwaltete. 2007 musste sie sich verpflichten, vor Ort, in Jersey «Substanz» zu schaffen. Eine Person wurde dort zu 20 Prozent angestellt. Manilux in Luxemburg wurde liquidiert, das Vermögen nach Jersey überwiesen.

2009 entschloss sich Ammann, das ganze Vermögen von total 263 Millionen Franken in die Schweiz zu holen, um es regulär von hier aus zu verwalten. Die Firma Afinsa mit Sitz in Bern wurde gegründet. Ein sogenanntes Ruling wurde mit der Berner Steuerverwaltung ausgehandelt und vom Bund akzeptiert. Darin steht, dass inländische Erträge aus Obligationen normal versteuert werden und ausländische Erträge zu einem tiefen Satz von 5 Prozent. Der Afinsa wurde das Domizilprivileg gewährt (Firma ohne Personal): Das Kapital kann zu einem extra tiefen Steuersatz besteuert werden.

Aus Steuerausweisen geht hervor, dass das Vermögen auf 279 Millionen (2009) anschwoll, um dann auf 275 Millionen (2010) zu sinken. In diesen zwei Jahren versteuerte die Ammann-Tochter null Franken Gewinn. «Die Afinsa ist rechtskräftig veranlagt», betont Chefjurist Müller und erklärt: «Börsenverluste und Wertberichtigungen auf Konzerndarlehen haben zu namhaften Verlusten und Verlustvorträgen geführt.» Beobachter reiben sich die Augen. Steueroptimierung ist offenbar auch in der Schweiz möglich.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.09.2014, 22:10 Uhr

In der Fabrik in Langenthal wird produziert. Die Gewinne daraus wurden lange im Ausland verwaltet. Foto: Keystone

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