Angelsächsische Ermittlungsfirmen siedeln sich in Genf und Zürich an

Sie decken Betrügereien auf, analysieren Daten und durchleuchten Konkurrenten: Private Informationsdienste liefern fast alles, was ihre Kunden brauchen – dank besonderem Personal.

Die Nachfrage nach zuverlässigen Informationen ist in der Schweiz: Geschäftsleute in Genf. (Archiv)

Die Nachfrage nach zuverlässigen Informationen ist in der Schweiz: Geschäftsleute in Genf. (Archiv) Bild: Keystone

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In der Schweiz tummeln sich Banken, Investoren und Händler. Eines haben sie alle gemeinsam: Ihre Geschäfte sind oft hoch riskant. Je besser sie diese Risiken allerdings einschätzen, desto besser läuft ihr Geschäft. Und dazu brauchen sie vor allem eines: zuverlässige Informationen. Dieses Bedürfnis befriedigen im angelsächsischen Raum zunehmend private Informationsdienste.

Drei dieser Firmen dehnen nun ihr Geschäftsfeld auf die Schweiz aus, wie die Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» berichtet. In Zürich niedergelassen hat sich die amerikanische Firma Stroz Friedberg, nach Genf ziehen die beiden Londoner Firmen Alaco und K2 Intelligence. «Genf zieht die Art von Leuten an, über welche die Klienten besser Erkundigungen einziehen», gibt Alcao-Direktorin Amy Lashinsky laut «Le Temps» als Grund für den Schritt in die Schweiz an.

Rechtsfälle, Übernahmen und Kriminalität

Ihr Angebot nennen die Firmen aus den USA und Grossbritannien schlicht und einfach «Intelligence». Im Englischen bezeichnet «Intelligence» Informationen von militärischem oder politischem Wert sowie die Dienste, welche die Informationen beschaffen – also die Nachrichten- und Geheimdienste. Die privaten Informationsdienste haben es demgegenüber auf wirtschaftlich relevante Informationen abgesehen. Sie gehen aber mit ihren Dienstleistungen weit über die allgemeine Informationsbeschaffung hinaus:

  • Due-Diligence-Prüfungen zur Ermittlung von Risiken vor Übernahmen, Beteiligungen und Börsengängen durch den Käufer
  • Aufdeckung und Prävention von Betrugs- und Korruptionsfällen
  • Kontrollsysteme zur Verhinderung von Geldwäscherei und Gesetzesverstössen
  • Länderanalysen wie etwa der Einfluss politischer Entwicklungen auf die Vergabe von Bergbaulizenzen in Afrika
  • Computerforensik etwa der Nachweis von elektronischer Kommunikation in Rechtsfällen
  • Abwehr von elektronischer Spionage
  • Datenanalyse und -visualisierung
  • Lösungen in «speziellen Situationen»

Die Informationsdienste vereinen damit Dienstleistungen auf sich, die klassischerweise in unterschiedlichen Branchen angesiedelt sind, so etwa das Aufdecken von Betrugsfällen bei den Wirtschaftsdetekteien (zum Beispiel CS Enquêtes in Genf), die Abwehr von elektronischer Spionage bei Computerspezialisten, Due-Diligence-Prüfungen bei Wirtschaftsprüfern und so weiter.

Besonderes Personal

Möglich macht diese Breite an Dienstleistungen ein aussergewöhnlicher Personalmix: Unter den Inhabern und führenden Angestellten der Firmen finden sich neben Ökonomen und Anwälten eine Wall-Street-Analystin, ein ehemaliger FBI-Angestellter, ein langjähriger Journalist, aber ebenso Personen mit Abschlüssen in Sprachen, Theologie oder Robotik. Gemein ist ihnen allen, dass sie an führenden Universitäten studiert haben.

Wie bei den Geheimdiensten stellt sich bei den privaten Informationsdiensten die Frage nach Methoden und Transparenz. Als Unternehmen, die in Betrugsfällen ermitteln, dürften die Informationsdienste keinerlei Interesse daran haben, ihren Ruf durch Gesetzesverstösse zu schädigen.

Klar ist aber, dass die Informationsbeschaffungsbranche als Ganzes ihre dunklen Ecken hat. «Le Temps» berichtet etwa über den Fall eines Lausanner Privatdetektivs, der letztes Jahr verurteilt wurde, ebenso wie seine Quellen – eine Bankangestellte und zwei Mitarbeiter eines Telefonanbieters. Der Detektiv wiederum stand im Dienste mehrerer Ermittlungsbüros, welche «Le Temps» nicht namentlich nennt.

Graubereich durch Subunternehmer

Klar ist auch, dass heikle Aufträge in der Branche über mehrere Subunternehmer hinweg vergeben werden: etwa über einen Anwalt an ein Ermittlungsbüro und von dort weiter an einen Privatdetektiv. Wie dies funktioniert, beschreibt der Genfer Anwalt Marc Bonnant gegenüber «Le Temps»: «Der Anwalt erteilt einen Auftrag, definiert aber die einzusetzenden Mittel nicht. Von dort an existiert ein Graubereich, den man mehr erahnt, als dass man von ihm weiss. Erhalte ich den Bericht, steht darin nicht, wie die Informationen ermittelt wurden.»

Offenbar ist sich die Branche aber bewusst, dass sie mit zunehmendem Wachstum auch sichtbarer wird. Im September soll laut «Le Temps» in einem Genfer Restaurant ein Treffen zur Vorbereitung der Gründung einer Vereinigung der Wirtschaftsinformationsdienste stattgefunden haben. Diese solle durch eine Ethikcharta den Ruf der Branche sicherstellen.

Erstellt: 08.11.2014, 14:01 Uhr

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