Angst vor 5G – jetzt spricht der Swisscom-Chef

Urs Schaeppi warnt bei Verzögerungen, die «Schweiz würde abgehängt». Und er fordert: «Die Politik muss nun Farbe bekennen.»

Swisscoms CEO Urs Schäppi anlässlich einer Medienkonferenz in Zürich. (10. April 2019)

Swisscoms CEO Urs Schäppi anlässlich einer Medienkonferenz in Zürich. (10. April 2019) Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Dem schnelleren 5G-Netz schlägt vor allem in der Westschweiz Skepsis entgegen. Das Genfer Kantonsparlament überwies kürzlich eine Motion für ein Moratorium von 5G-Antennen auf dem Kantonsgebiet.

Diskussionen um ein Moratorium gab es auch in der Waadt. Und im Jura will die Kantonsregierung einen Bericht zur Umweltverträglichkeit von 5G abwarten. Laut Medienberichten gibt es auch in Deutschschweizer Kantons- und Gemeindeparlamenten Widerstand.

«Schweiz würde abgehängt»

Die Swisscom, die Anfang Jahr für 196 Millionen Franken 5G-Frequenzen ersteigert hat, setzt sich nun zur Wehr. Solche Moratorien würden den Ausbau naturgemäss bremsen, sagte Konzernchef Urs Schaeppi am Donnerstag im Rahmen der Zahlenpräsentation zum ersten Quartal. Wirtschaft und Gesellschaft seien aber auf «topmoderne und schnelle Netze» angewiesen, sonst gerate die Schweiz international ins Hintertreffen.

Seiner Meinung nach würden solche Moratorien auch gegen Bundesrecht verstossen. Denn mit der Konzessionsvergabe sei ein Versorgungsauftrag verbunden. «Die Politik muss nun Farbe bekennen», forderte Schaeppi. Eine Klagedrohung wollte er aber nicht in den Raum stellen. Er setzt vielmehr auf Aufklärung. Für die Befürchtungen rund um 5G habe er zwar Verständnis. Die Schweiz habe aber zehnfach strengere Grenzwerte als die meisten europäischen Länder. Und diese würden eingehalten, betonte er.

Die Swisscom und Sunrise haben in den letzten Wochen 5G-Netze in Betrieb genommen. In diesen Tagen kommen auch die ersten 5G-fähigen Geräte in die Läden.

Schweiz-Geschäft erodiert weiter

Der grösste Schweizer Telecomkonzern publizierte am Donnerstag ausserdem seine Zahlen zum ersten Quartal. Beim Umsatz setzte sich das Muster der Vergangenheit fort: Swisscom erodiert im Hauptmarkt Schweiz (–1,9%) und wächst in Italien (+4,5%), wo aber nur rund ein Fünftel des Umsatzes anfällt. Insgesamt nahm der Konzernumsatz um 0,9 Prozent auf 2,86 Milliarden Franken ab.

Der Rückgang in der Schweiz wurde mit anhaltendem Preisdruck erklärt. Rückläufig entwickelte sich zudem einmal mehr auch die Festnetztelefonie. Bekanntlich verzichten wegen der Flatrate-Mobilfunkabos immer mehr Kunden auf einen solchen Anschluss. In anderen Bereichen entwickelte sich das Geschäft aber gut. So wurden im Mobilfunk und im TV-Geschäft Abonnenten gewonnen.

Etwas profitabler

Trotz des Umsatzrückgangs ist die Swisscom etwas profitabler geworden. Der Betriebsgewinn (Ebitda) schnellte sogar um 5,8 Prozent in die Höhe – allerdings primär wegen eines buchhalterischen Effekts. Aber auch ohne diesen verbesserte sich diese Kennzahl um 1,4 Prozent. Und unter dem Strich steht ein 1,1 Prozent höherer Reingewinn von 383 Millionen.

Die gestiegene Profitabilität wurde mit einem verbesserten Ergebnis von Fastweb (Ebitda: 6,1%) und dem Sparprogramm in der Schweiz erklärt. Letzteres soll wie geplant fortgesetzt werden. Es sei nach wie vor das Ziel, 2019 und 2020 die Kosten um je 100 Millionen zu senken.

Dieses Sparprogramm ist aber mit einem Stellenabbau verbunden. Im ersten Quartal wurden in der Schweiz gut 100 Vollzeitstellen gestrichen. Insgesamt beschäftigt der Konzern noch gut 19'700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Analysten lobten diese «Kostenkontrolle» in ersten Kommentaren. An der Börse notiert die Swisscom-Aktie kurz vor Mittag aber kaum verändert. (nag/sda)

Erstellt: 02.05.2019, 10:16 Uhr

Swisscom wird profitabler

Swisscom weist für das Startquartal einen 0,9 Prozent tieferen Umsatz von 2,86 Milliarden Franken aus. Der operative Gewinn (Ebitda) nahm hingegen um satte 5,8 Prozent auf 1,12 Milliarden zu.

Die Steigerung des Ebitda hatte zwar hauptsächlich buchhalterische Gründe (IFRS 16). Doch auch ohne diesen Effekt hätte sich diese Kennzahl um 1,4 Prozent verbessert, wie betont wurde. Somit nahm die Profitabilität zu. Unter dem Strich steht in der Folge ein 1,1 Prozent höherer Reingewinn von 383 Millionen.

Die Erwartungen der Analysten wurden mit diesen Zahlen übertroffen. Das Unternehmen schreibt denn auch von einer «positiven Bilanz» für die ersten drei Monate. In einem «anspruchsvollen Marktumfeld» sei ein «solides Ergebnis» erzielt worden, liess sich Firmenchef Urs Schaeppi zitieren.

Schweiz-Geschäft erodiert

Beim Umsatz setzte sich das Muster der Vergangenheit fort: Swisscom erodiert in der Schweiz und wächst in Italien. Hierzulande sank der Umsatz um 1,9 Prozent auf 2,16 Milliarden Franken, was mit anhaltendem Preisdruck in verschiedenen Segmenten – insbesondere im Grosskundengeschäft – und dem Rückgang der Festnetztelefonie erklärt wurde.

So verlor das Unternehmen laut den Angaben zwischen Januar und März weitere 51'000 Festnetzkunden. Bekanntlich verzichten wegen der Flatrate-Mobilfunkabos immer mehr Kunden auf einen solchen Anschluss. Markant zugelegt hat das Unternehmen hingegen bei den Mobilfunkabos (+31'000).

Fastweb steigert Umsatz

Aufwärts ging es erneut bei der italienischen Breitbandtochter Fastweb, die auch im Mobilfunk tätig ist. Der Umsatz kletterte um 4,5 Prozent auf 514 Millionen Euro. Basis für dieses Plus waren deutlich mehr Kunden im Breitband- (+28'000) und Mobilfunkbereich (+85'000).

Die gestiegene Profitabilität wurde mit einem verbesserten Ergebnis von Fastweb (Ebitda: +6,1%) und dem Sparprogramm in der Schweiz erklärt. Letzteres soll wie geplant fortgesetzt werden. Es sei nach wie vor das Ziel, 2019 und 2020 die Kosten um je 100 Millionen zu senken.

Dieses Sparprogramm ist auch mit einem Stellenabbau verbunden. Im ersten Quartal wurden in der Schweiz gut 100 Vollzeitstellen gestrichen.

Ziele unverändert

Die Ziele für das Gesamtjahr sind unverändert. So peilt die Swisscom einen Umsatz von rund 11,4 Milliarden an, nach 11,7 Milliarden im Vorjahr an. Beim Ebitda rechnet die Swisscom mit über 4,3 Milliarden Franken.

Von den angepeilten Investitionen von 2,3 Milliarden Franken sollen zudem rund 1,6 Milliarden in der Schweiz getätigt werden. Bei Zielerreichung wird eine erneut unveränderte Dividende von 22 Franken versprochen. (sda)

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