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«Apple bleibt ein Zocker-Papier»

iPhone-Fans stürmen die Läden, Anleger reissen sich um Apple-Aktien. «Alles ein Hype», sagt ein Analyst – und stellt sich gegen den Mainstream der Prognostiker.

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«Ich würde Apple nicht für 400 und nicht für 300 Dollar kaufen», sagt Rainer Heissmann. In Zeiten, wo Rekordbestellungen eingehen und Apple-Fans auf der ganzen Welt Schlange für das neue iPhone stehen, steht der Börsenprofi mit seiner Meinung ziemlich alleine da. Unter den ersten dreissig Analysten, die auf Bloomberg ihre Meinung abgegeben haben, sieht kein Einziger den Apple-Zielpreis unter dem heutigen Kurs. Dieser hatte am Montag erstmals die 700-Dollar-Marke durchschritten und liegt aktuell bei 699 Dollar.

Wer gegen den Strom schwimmt, muss gute Gründe haben. Rainer Heissmann, der als Experte für das Portal «Gevestor» schreibt, hat sie. Zumindest in der Theorie. Nichts weniger als eine gigantische Spekulationsblase sei um Apple entstanden, sagt er. Das Papier sei unter Börsenanlegern zum Kult geworden – mit denselben Emotionen behaftet, wie auch die Appleprodukte bei ihren Käufern. «Mit rationalem Investieren hat das nichts mehr zu tun», sagt Heissmann: Apple zum jetzigen Zeitpunkt zu kaufen, das sei pure Zockerei.

Himmelhoch jauchzend ...

Für die Betreiber von AAPLinvestors sind solche Aussagen ein gefundenes Fressen. Auf ihrer Website mit dem Titel «iPhone Death Watch» machen sie sich lustig über all jene IT- und Finanzanalysten, die dem Unternehmen aus Cupertino schon alle den Absturz vorausgesagt haben. Es sind einige. Etwa der Analyst der kanadischen Finanzfirma ACI Research, Edward Zabitsky. Seit Monaten empfiehlt auch er, die Apple-Aktie zu verkaufen. Seinen Zielpreis bei Bloomberg hat er auf 270 Dollar angesetzt: dort, wo Apple zuletzt im September 2010 stand. Zu einer Zeit notabene, in denen erst Insider schon mal das Wort «iPad» gehört hatten.

Viel lieber hören die Apple-Fans auf Leute wie Gene Munster. Der «wichtigste Apple-Analyst an der Wall Street» («Business Insider») prognostizierte dem Titel bereits im April dieses Jahres den Anstieg auf 1000 Dollar. Kurz zuvor hatte Apple seinen Aktionären erstmals eine Dividende ausgezahlt und prompt die 600er-Marke an der Börse überschritten. Oder sie nehmen den Investor Eric Jackson beim Wort, der mit seiner Firma Ironfire Capital nach «unterbewerteten» Unternehmen sucht. Bis 2015 werde eine Apple-Aktie 1'650 Dollar kosten, meinte er kürzlich auf «Yahoo Finance».

... oder zu Tode betrübt?

Börsenkenner Heissmann lässt sich durch diese Wortmeldungen nicht verunsichern. Im Gegenteil: «Es gehört zur Natur einer Blase, dass sie sich verselbständigt», sagt er zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Es sei schon möglich, dass Apple in naher Zukunft weiter ansteigen würde. Sogar sehr gut möglich sei das. Aber irgendwann werde eine massive Kurskorrektur folgen. Denn Apple habe zwar Substanz – aber auf lange Sicht eben nicht so viel, dass eine Kursversiebenfachung in drei Jahren gerechtfertigt sei. Würde er ein Buch über Charttechnik schreiben, so würde die Apple-Aktie als Lehrbeispiel einer Finanzblase darin Eingang finden, so Heissmann.

Apple, eine Obsession an der Börse? Auch «Bondguru» Jeff Gundach (CNBC) meinte vor einigen Tagen, die Aktie sei derzeit massiv überkauft. Stimmt die Einschätzung, so wäre auch der Unternehmenswert von Apple überschätzt. Dieser beträgt aktuell 654 Milliarden Dollar. Zum Vergleich nur so viel: Noch vor zwei Jahren schrieb Apple einen Jahresgewinn von 15 Milliarden US-Dollar. 2011 waren es bereits deren 28. Den Prognosen zufolge dürften für Apple 2012 unter dem Strich bereits über 44 Milliarden Dollar übrig bleiben. Ob Apple damit wirklich überbewertet ist? Ehrlicherweise gibt es auf diese Frage nur eine Antwort: Was der Börsenticker ausspuckt, muss vorerst als beste Schätzung gelten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.09.2012, 13:36 Uhr

Ein Börsenhype: Kurschart von Apple in New York (Archiv). (Bild: Keystone )

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