«Apple zahlt hier ein Prozent Steuern, lächerlich»

Seit Wochen sorgt Apple mit Methoden zur Steuervermeidung für Wirbel: Für den«Guardian» Grund genug einen Reporter an den Ort des Geschehens in Irland zu schicken.

Bei den Bewohnern von Cork ist der Konzern nicht sehr beliebt: Die US-Flagge vor der Apple-Niederlassung in Irland.

Bei den Bewohnern von Cork ist der Konzern nicht sehr beliebt: Die US-Flagge vor der Apple-Niederlassung in Irland. Bild: Reuters

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Seit Wochen steht Apple in den USA wegen seiner aggressiven Methoden zur Steuervermeidung am Pranger. Mit der Gründung von mehreren Tochterfirmen in Irland mindert der US-Technologiekonzern demnach seine Abgaben an den Fiskus um mehrere Milliarden Dollar.

Laut der «Handelszeitung» sind auch zwei Schweizer Firmen des Konzerns Teil der umstrittenen Steuerstrategie. Demnach zahlen die Apple Retail Switzerland GmbH und die Apple Switzerland AG in der Schweiz kaum Steuern. Letztere zeigt für das Steuerjahr 2010 einen Reingewinn von 6'458'700 Franken auf. Glaubt man Branchenkennern, müsste Apple in der Schweiz jedoch grob geschätzt einen Gewinn von über 200 Millionen Franken versteuern.

Apple Retail betreibt in der Schweiz drei Filialen – eine in Zürich, in Genf und im Einkaufszentrum Glatt. Vor allem der Apple Store an der Zürcher Bahnhofstrasse gilt als Prunkstück. Laut Detailhandelsexperten werden hier die weltweit höchsten Quadratmeterumsätze erzielt.

Ein Besuch vor Ort

Seit Apple-Chef Tim Cook vor knapp einer Woche dem US-Senat zur Steuerstrategie seines Unternehmens Red und Antwort stehen musste, überschlagen sich die Medien mit neuen Enthüllungen. Für die britische Zeitung «The Guardian» Anlass genug, einen Reporter an den Ort des Geschehens zu entsenden – nach Knocknaheeny in Irland. Dort betreibt Apple mehrere Tochterfirmen und macht zwei Drittel seines Umsatzes. Lediglich ein Prozent davon geht in Form von Steuern an den Staat.

«Apple tut nichts für uns», sagt Eileen Stokes, die gleich neben den Büros von Apple in Knocknaheeny wohnt. Die meisten Mitarbeiter kämen aus dem Ausland und nicht aus der Region. Für die Menschen in Knocknaheeny, einem heruntergekommenen Vorort von Cork, ein Affront. Im Jahr 2011 war fast jeder Zweite hier ohne Job.

«Ja, ich glaube, man sollte Steuern zahlen»

Rund 4000 Personen arbeiten für Apple in der Region Cork. Ihre Gehälter liegen offenbar weit unter dem Durchschnittslohn, den der Konzern zahlt.

Auch ein Mitarbeiter von Apple lässt im Gespräch mit dem «Guardian» Dampf ab: «Ich bin in Dänemark aufgewachsen. Bei uns zahlt man 50 Prozent Steuern. Also ja, ich glaube, man sollte Steuern zahlen», sagt ein Mann, der mit dieser Äusserung die Weisung von Apple bricht, nicht mit Journalisten zu sprechen. «Ich finde es unfair, Apple zahlt ein Prozent Steuern hier in Irland, das ist einfach lächerlich.»

(wid)

Erstellt: 30.05.2013, 12:43 Uhr

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