Arbeiten bei Walmart, Leben in Armut

Walmart sorgt für negative Schlagzeilen: Kritiker beschuldigen den Kaufhausriesen, Hungerlöhne zu zahlen und Streiks mit Repressalien zu beantworten.

Wer protestiert, dem wird gedroht: Arbeiter von Wal-Mart in Miami. (Archivbild)

Wer protestiert, dem wird gedroht: Arbeiter von Wal-Mart in Miami. (Archivbild) Bild: Keystone

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Das Foto, publiziert in der amerikanischen Zeitung «Cleveland Plain Dealer», zeigt mehrere Plastikbehälter sowie ein dazugehöriges Schild: «Bitte spenden Sie Lebensmittel, damit sich bedürftige Mitarbeiter am Erntedankfest über ein Essen freuen können». Nächste Woche ist «Thanksgiving», das amerikanische Erntedankfest und zugleich ein Familienfeiertag, der traditionell mit einem Truthahnessen begangen wird. Der Spendenaufruf sorgte für Aufsehen, weil er an die Mitarbeiter eines Walmarts in der Stadt Canton im Staat Ohio erging - und neuerlich Vorwürfe schürte, die grösste Kaufhauskette der Welt zahle ihren Angestellten Hungerlöhne.

Der «Cleveland Plain Dealer» zitierte einen Walmart-Sprecher, wonach die Lebensmittelhilfe für Mitarbeiter gedacht sei, «die harte Zeiten durchmachten», etwa Krankkeit oder Autoreparaturen. Walmart beschäftigt weltweit 2,1 Millionen Menschen, rund 1,4 Millionen Amerikaner - ein Prozent aller US-Beschäftigten - arbeiten für die Kaufhauskette. Kritiker beschuldigen Wal-Mart seit Jahren, derart niedrige Löhne zu bezahlen, dass viele der Angestellten in Armut leben und auf staatliche Hilfen angewiesen seien.

8.86 Dollar pro Stunde

Laut Walmart beträgt der durchschnittliche Stundenlohn der Mitarbeiter 12.83 Dollar, was einem Jahreseinkommen von 27'000 Dollar entspricht. Walmart-Gegner verweisen jedoch darauf, dass zahlreiche Teilzeitarbeiter den Walmart-Durchschnittslohn auf 8.86 Dollar pro Stunde drückten und das Jahreseinkommen auf rund 17'000 Dollar, womit die Beschäftigten in Armut lebten. Als der Stadtrat der Hauptstadt Washington im Sommer eine Vorlage verabschiedete, die den Mindestlohn auf 12.50 Dollar angehoben hätte, drohte Walmart, drei geplante Kaufhäuser nicht zu bauen - worauf Washingtons Bürgermeister Vincent Gray die Vorlage des Stadtrats mit einem Veto belegte.

Laut einer Untersuchung des demokratischen Abgeordneten George Miller kostete ein einziges Walmart-Kaufhaus im Staat Wisconsin amerikanische Steuerzahler 900'000 Dollar an Subventionen, darunter Lebensmittelmarken sowie die staatliche medizinische Versorgung unterbezahlter Walmart-Mitarbeiter. «Es gibt nur zwei Möglichkeiten, Arbeitende mit Einkommen zu versorgen: entweder kriegen sie es von ihrem Arbeitgeber oder sie bekommen es vom Steuerzahler in Form öffentlicher Unterstützung», so Miller.

Mitarbeiter bedroht

Walmart-Mitarbeiter protestierten immer wieder gegen die niedrige Bezahlung sowie gegen magere Zusatzleistungen. Wie schon im Vorjahr sind auch dieses Jahr am Freitag nach «Thanksgiving» in der kommenden Woche an verschiedenen Orten Streiks geplant. Der Tag nach dem Erntedankfest, bekannt als «Schwarzer Freitag», ist einer der wichtigsten Verkaufstage im amerikanischen Weihnachtsgeschäft.

Am Montag gab die US-Arbeitsbehörde NLRB bekannt, sie werde gegen Walmart ermitteln, weil der Einzelhändler Streikende im vergangenen Jahr mit Repressalien bedroht habe. Die Kette habe protestierende Mitarbeiter nach dem «Black Friday» 2012 in 14 Staaten eingeschüchtert, überwacht oder bestraft und damit amerikanische Arbeitsgesetze verletzt. Walmart wies die NLRB-Vorwürfe umgehend zurück und bezeichnete die Massnahmen als «legal».

Erstellt: 19.11.2013, 23:59 Uhr

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