Auf diesen Flugstrecken kommt es am häufigsten zu Verspätungen

In der Schweiz sind zwei Strecken besonders oft von Verspätungen und Ausfällen betroffen.

Wann geht mein Flug? Passagiere in Europa werden immer wieder auf eine Geduldsprobe gestellt.

Wann geht mein Flug? Passagiere in Europa werden immer wieder auf eine Geduldsprobe gestellt. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Im letzten Jahr mussten Fluggäste in Europa und der Schweiz besonders stählerne Nerven haben. Das Flugjahr 2018 war von Verspätungen und Ausfällen geprägt. «Auf einigen Flugstrecken startete nicht einmal ein Drittel aller Flüge nach Plan», sagt Philippe Strässle, Experte bei Airhelp für Fluggastrechte in der Schweiz. Airhelp hat die 50 europäischen Flugstrecken mit den meisten Verspätungen und Ausfällen im Jahr 2018 analysiert.

Unter den 20 unpünktlichsten Verbindungen sind auch zwei Schweizer Routen vertreten. Besonders viel Zeit mussten Passagiere, die von der sizilianischen Stadt Catania nach Zürich fliegen wollten, einplanen. Auf dieser Strecke waren 2018 rund 65 Prozent aller Flüge verspätet oder fielen aus. Die Strecke belegt damit Platz 12 der 50 schlechtesten Verbindungen.

Basel–Manchester oft verspätet

Auch Passagiere, die vom Flughafen Basel-Mülhausen nach Manchester reisen wollten, kamen oftmals nicht wie geplant am Ziel an. Rund 62 Prozent aller Flüge auf dieser Strecke waren von Ausfällen oder Verspätungen betroffen. Die Strecke belegt damit Platz 20 des Rankings. Als verspätet gilt ein Flug, wenn er mehr als 15 Minuten abweichend von der geplanten Ankunftszeit das Ziel erreicht. Als Ankunftszeit wird der Moment der Türöffnung gewertet, erklärt Strässle von Airhelp.

Waren im Jahr 2017 innerhalb der Schweiz noch 44'670 Flüge verspätet oder fielen aus, waren es 2018 insgesamt 56'880. «Nur ein Jahr später ist die Anzahl an Problemflügen um 22 Prozent gestiegen, was für über 6,7 Millionen Passagiere bedeutet hat, dass sie ihr Reiseziel nicht wie geplant erreichen konnten», so Strässle.

Die meisten Probleme gab es europaweit auf der Strecke zwischen der griechischen Insel Mykonos und London-Gatwick. Über drei Viertel aller Flüge auf dieser Strecke waren verspätet oder fielen aus. Nummer zwei und drei des Rankings belegten Strecken, die von der portugiesischen Hauptstadt Lissabon aus starteten. Am zweitmeisten Verspätungen und Ausfälle gab es auf der Strecke Lissabon nach Rom-Ciampino und am drittmeisten von Lissabon nach Brüssel.

Streiks und Insolvenzen

Für die vielen Verspätungen und Ausfälle in Europa seien auch die vielen Streiks bei Ryanair verantwortlich, sagt Philippe Strässle von Airhelp. Der irische Billigflieger, der sich lange Zeit gegen Gewerkschaften gesperrt hatte, wurde 2018 von Streikwellen quer durch Europa getroffen. Flugausfälle waren die Folge, die Steigerung der Passagierzahlen fiel geringer aus als erhofft. Weiterer Grund für die verspäteten und gestrichenen Flüge war auch der Personalengpass in der Flugsicherung.

Ausserdem seien die massiven Verspätungen und Ausfälle «auf den extremen Marktkampf im Zuge der Insolvenzen von diversen Airlines zurückzuführen», so Strässle. Das haben sich vor allem darin wiedergespiegelt, dass die Airlines die frei gewordenen Slots – die Start- und Landerechte an Flughäfen – der insolventen Gesellschaften belegten, obwohl ihnen zum Teil das dafür nötige Personal sowie Fluggerät fehlte.

Nach der Pleite von Air Berlin, Niki sowie Monarch und Alitalia hatten im vergangenen Jahr weitere kleinere Airlines Bankrott gemacht. In der Schweiz verschwand mit der Air-Berlin-Tochter Belair ein grosser Player, im Herbst ging auch die von Bern aus operierende Regionalfluggesellschaft Skywork pleite. Ende 2017 hatte die in Lugano ansässige Darwin Airline Insolvenz angemeldet. Neuster Pleitekandidat ist die deutsche Fluglinie Germania: Diese hatte zuletzt finanzielle Probleme bekannt gegeben.

Weitere Konsolidierung

Branchenexperten gehen davon aus, dass sich die Marktbereinigung vor allem unter den rund 150 kleineren Anbietern abspielt. «Die Konsolidierung unter den kleinen Airlines geht weiter», sagt Daniel Röska, Analyst beim Brokerhaus Bernstein. Belastend wirkt sich für die Fluggesellschaften der gestiegene Kerosinpreis aus. Ausserdem soll das Sitzplatzangebot der Fluggesellschaften insgesamt stärker steigen als die Nachfrage. «Das führt zu Preisdruck, vor allem im touristischen Fluggeschäft», sagt Branchenexperte Röska. Zugleich könnten die Zinsen anziehen, was bei kleinen Airlines mit geleasten Flugzeugen unmittelbar durchschlägt.

Um eine Entschädigung für Verspätungen und Ausfälle zu erhalten, kommt es den Passagieren darauf an, wie die tatsächliche Verspätungsdauer am Ankunftsort und was der Grund für den Ausfall oder die Verspätung ist. Unwetter oder medizinische Notfälle etwa können Airlines davon befreien, eine Kompensation zahlen zu müssen. Einen Anspruch auf finanzielle Entschädigung haben die Passagiere erst ab einer Verspätung von drei Stunden. Ab zwei Stunden haben sie ein Anrecht auf Verpflegung sowie zwei Telefonate, E-Mails oder Faxe, so Strässle.

Mit Material der sda (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 09.01.2019, 12:48 Uhr

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