Aufreibender Kampf gegen die unsichtbaren Verbrecher

Gegen kriminelle Manipulationen an Geldautomaten kommen die Banken nicht an – sie liefern sich einen technologischen Wettkampf mit den Betrügern. Landesweit wird von sogenannten Skimmingfällen berichtet.

Gefahr beim Geldbezug: Ohne es zu merken werden jährlich unzählige Schweizer Opfer von Bankomatbetrügern.

Gefahr beim Geldbezug: Ohne es zu merken werden jährlich unzählige Schweizer Opfer von Bankomatbetrügern. Bild: Keystone

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Aus der ganzen Schweiz kommen die Meldungen: «Skimmingbetrug», «Mit Skimming Beute gemacht» oder «Skimmingalarm». Egal ob in Zürich, Basel, Luzern, Zug oder im Thurgau: die Bankomatbetrüger scheinen hierzulande Hochkonjunktur zu haben. Wie diese Zeitung in Erfahrung brachte, treiben die Verbrecher auch in der Hauptstadt ihr Unwesen.

Sie kopierten den ganzen Tag

Im Februar kopierten Unbekannte während eines ganzen Tages die Bankkarten von Raiffeisen-Kunden. ?Dazu mussten sie an einem der Geldautomaten an der geschäftigen Aarbergergasse zwei Komponenten montieren: einerseits einen Aufbau beim Kartenschlitz, um den Magnetstreifen zu kopieren; andererseits entweder eine kleine Kamera oder eine Tastaturattrappe um den PIN-Code des Opfers in Erfahrung zu bringen.

Ist das Gerät erst einmal installiert, warten die Betrüger geduldig auf ihre Opfer. Kommt jemand und steckt seine Karte in den Automaten, werden die Daten auf einem Chip im Gerät gespeichert oder direkt an ein Notebook in der Nähe gesendet. Dass sich die Täter dabei nicht zwingend am Tatort aufhalten müssen, erschwert ihre Identifikation erheblich. «Oft bemerken die Opfer nichts vom Betrug», sagt Markus Friedli, Sicherheitsberater bei der Kantonspolizei Bern. Dass die Arbeit der Betrüger von niemandem bemerkt wurde, überrascht ihn nicht: «Oft sind das Profis. Die bringen die Armaturen in weniger als einer Minute an.» Deshalb könne es grundsätzlich jeden Automaten treffen – auch solche an zentralen Stellen.

226 Millionen Euro Verlust

Obwohl die Polizei immer wieder mit Fällen von Skimming konfrontiert werde, spricht Friedli von «Einzelfällen». Eine Häufung in letzter Zeit habe die Kantonspolizei nicht festgestellt. Wie viele Betrugsfälle es in der Schweiz tatsächlich gibt, lässt sich nur abschätzen – konkrete Zahlen veröffentlichen weder Polizei noch Banken. Die Kantonspolizei Basel-Landschaft hat vergangene Woche sieben Strafanzeigen innert weniger Tage vermeldet, die Raiffeisenbank zählt laut Sprecher Franz Würth «eine Handvoll Fälle» pro Woche.

Deutlich konkreter gibt man sich ausserhalb der Landesgrenzen: Das europäische Bankomatensicherheitsteam East hat für das Jahr 2009 über 13000 Skimmingfälle in Europa verzeichnet. Die Verluste würden sich auf mindestens 226 Millionen Euro belaufen. 40 Millionen davon dürften laut Schätzungen des Bundeskriminalamts alleine Deutschland betreffen. Zwar zeigen Untersuchungen, dass diese Zahlen in den letzten Jahren zurückgegangen sind, gänzlich lösen können die Banken das Problem aber nicht.

Wettlauf der Technologien

«Wir befinden uns in einem technologischen Wettlauf», sagt UBS-Sprecher Andreas Kern. So hätten die Betrüger in der Vergangenheit auf Abwehrsysteme der Banken ihrerseits mit Neuerungen reagiert. Aus Sicherheitsgründen könne er deshalb nicht auf die konkreten Massnahmen seiner Bank eingehen. «Grundsätzlich gilt, dass das Risiko eines Betrugs bei älteren Automaten grösser ist», so Kern. Die UBS würde deshalb laufend in die Sicherheit ihrer Automaten investieren und diese mit besserer Technologie ausrüsten. Zusätzlich hat die Bank ihre Mitarbeiter instruiert, die eigenen Automaten regelmässig auf Manipulationen zu überprüfen.

Auch bei der Raiffeisenbank prüfe man laut Sprecher Franz Würth laufend technische Möglichkeiten, um die Betrugsfälle zu verringern. Die Vorfälle in der jüngsten Vergangenheit zeigen aber, dass dies nicht so recht gelingen mag: Ende Februar wurde ein Automat im luzernischen Eschenbach manipuliert, kurze Zeit zuvor einer am Zürcher Limmatquai – wie auch in Bern war beide Male Raiffeisen betroffen.

Mehr Vorsicht am Bankomat

Tatsächlich sei es für die Banken schwierig, die Skimmingfälle gänzlich zu verhindern, sagt Experte Markus Friedli. Die Attacken seien denn auch über alle Automaten hinweg zu beobachten. Aus diesem Grund nimmt Friedli auch die Kunden in die Pflicht: «Die Leute sollten grundsätzlich etwas vorsichtiger sein.» Einige wenige Handgriffe könnten teils mehr ausrichten als jede verfügbare Technologie.

Erstellt: 10.03.2011, 08:04 Uhr

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Die Tipps der Polizei

Den Bankomaten auf bewegliche Teile abtasten (insbesondere Kartenschlitz und Tastatur).

Den Automaten auf Auffälligkeiten kontrollieren (Brandmelder oder Prospekthalter haben hier nichts zu suchen).

Nach einer Minikamera Ausschau halten.

Die Tastatur beim Eintippen des Codes mit der freien Hand abdecken.

Am Ende des Monats die Kontoauszüge auf Unregelmässigkeiten überprüfen.

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