Hintergrund

Aus für Vasellas Pfahlbauersiedlung

Für mehr als 100 Millionen Franken wollte Novartis im zugerischen Risch ein Ausbildungszentrum für Führungskräfte bauen. Nun stoppt der Konzern das Vorhaben. Was steckt dahinter?

Bleibt eine Traumlandschaft: Die Pfahlbauten von Architekt Peter Zumthor für das Novartis Learning Center werden nicht gebaut.

Bleibt eine Traumlandschaft: Die Pfahlbauten von Architekt Peter Zumthor für das Novartis Learning Center werden nicht gebaut.

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Risch. Eigentlich hätte Novartis 2014 mit dem Bau beginnen wollen. Geplant war eine Art Pfahl­bauersiedlung, entworfen vom Architekten Peter Zumthor, auf einer Fläche von rund 120 000 Quadratmetern – direkt neben dem Grundstück mit dem Wohnhaus des ehemaligen Novartis-Präsidenten Daniel Vasella, der unterdessen in die USA umgezogen ist.

Es war ein kompliziertes Projekt mit vielen Auflagen, etwa wegen einer See­ufer-Schutzzone. Zudem hätte eine öffentliche Strasse vom Kanton Zug in den Kanton Luzern verlegt werden müssen. Und es zeichneten sich Einsprachen von Anwohnern bis vors Bundesgericht ab, die das Projekt verzögerten. Im März dieses Jahres hiess es, dass die Eröffnung wohl kaum vor 2016 stattfinde. Eine Redimensionierung oder ein Verzicht auf das «Learning Center» war dannzumal aber noch kein Thema: «Geschäftsleitung und Verwaltungsrat unterstützen dieses Projekt und haben das Vorhaben beurteilt und gutgeheissen», teilte Novartis im März mit.

Unter dem seit August amtierenden Verwaltungsratspräsidenten Jörg Reinhardt wird die Angelegenheit nun anders eingeschätzt. An seiner Dezember-Sitzung Ende der vergangenen Woche hat der Verwaltungsrat das Projekt in Risch beerdigt. Er sieht offenbar sinnvollere Möglichkeiten, diese Mittel einzusetzen. Oder wie es in der Medienmitteilung heisst: «Novartis setzt ihren strategischen Fokus und ihre Prioritäten hinsichtlich Schwerpunkte und Zuteilung von Ressourcen neu.»

Novartis hatte den Bau eines eigenen Ausbildungszentrums mit den guten Erfahrungen anderer Grosskonzerne begründet. Roche, UBS, CS oder Swiss Re haben alle schon seit Jahren einen solchen Rückzugsort in einem Schloss oder einem Landgut. Die Idee eines Ausbildungszentrums an sich ist mit dem Rückzieher in Risch denn auch nicht gestorben. Es werden nun aber «alternative, kostengünstigere Projekte evaluiert, die näher am Hauptsitz in Basel liegen», schreibt Novartis.

Peter Hausherr, Gemeindepräsident von Risch, ist am Samstag über den Novartis-Entscheid informiert worden. Die Kehrtwende kam für ihn überraschend. Er bedauert, dass nun nicht gebaut wird: «Das wäre ein geniales Projekt mit Ausstrahlung geworden», sagt er. Auch die geplanten ökologischen Aufwertungen (Schilf-Ansiedlung, Bachrenaturierung) würden nun nicht umgesetzt. Das Center hätte 40 Arbeitsplätze gebracht.

Was jetzt mit dem Grundstück passiert, ist offen. Denn weiterhin sind mehrere Beschwerdeverfahren beim Regierungsrat des Kantons Zug hängig. Dieser will Anfang Januar entscheiden, wie es weitergeht. Zwar haben die Einwohner von Risch-Rotkreuz einem Bebauungsplan zugestimmt, dieser ist aber noch nicht rechtskräftig, zudem ist er an das Projekt des Ausbildungszentrums gebunden.

Vorkaufsrecht für Vasella

Wenn also jemand auf dem Gut Aabach, einst Wohnsitz des Immobilienunternehmers Ernst Göhner, etwas anderes bauen will, müsste er in Sachen Bewilligungen nochmals von vorne beginnen. Dieser Jemand könnte durchaus Daniel Vasella heissen. Diesem wurde nämlich als direktem Nachbar im Jahr 2009 ein Kaufrecht eingeräumt, das bei einer Nicht-Realisierung des Projekts zum Zug kommt. Da das Projekt aber gerade erst gestoppt wurde, «hat Novartis diesbezüglich noch keine weiteren Schritte unternommen», wie Projektleiter Christian Eugster gestern an einer Medienkonferenz in Zug sagte.

Wie viel Novartis 2003 für das Land in Risch bezahlt hat, gibt sie nicht bekannt. Die übrigen bis heute angefallenen Ausgaben seien «nicht signifikant». Und: «Die grossen Ausgaben wären mit der weiteren Entwicklung des Bauvorhabens auf uns zugekommen.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 17.12.2013, 08:13 Uhr

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