Hintergrund

Ausgerechnet Hugo Bänziger

Er war Kronprinz für die Ackermann-Nachfolge bei der Deutschen Bank und landete am Schluss vor der Tür. Jetzt lässt der Schweizer Banker im Exil wieder von sich hören – und dürfte damit seinen früheren Arbeitgeber nerven.

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Der Bericht der sogenannten Liikanen-Gruppe vom Dienstag liess aufhorchen: Europas Grossbanken sollen Teile ihres Investmentbanking vom Massenkundengeschäft abtrennen. Grund: Die genannten Investmentgeschäfte könnten im Falle einer weiteren Finanzkrise zur Gefahr für die Gesamtbank werden und diese in den Abgrund reissen.

Die Kritik und der Verbesserungsvorschlag sind nicht neu. Neu ist aber, dass die Stossrichtung nun von ganz oben kommt. Sprich aus Brüssel. Angeregt hatte die Arbeit der Expertengruppe die EU-Kommission. Sie scheint gewillt, dies in Gesetzesform zu giessen – und zwar rasch. «Ich denke nicht, dass wir bis zum nächsten Sommer damit warten sollten», sagte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier zum Expertenbericht.

Noch ist es nicht so weit. Wellen schlägt das Papier aber dennoch. «Deutscher Bank droht riesige Kapitallücke», titelte die Onlineausgabe der «Financial Times Deutschland» (Ftd.de) gestern. Der Dachverband der deutschen Banken nennt den Bericht eine «Gefahr für die Stabilität des Finanzstandorts Deutschland». Betroffen sein dürfte nach Einschätzung der Experten aber vor allem die Deutsche Bank mit ihren bedeutenden Investmentaktivitäten.

Ein zweistelliger Milliardenbetrag wäre nötig

Und hier kommt nun mit Hugo Bänziger ein Schweizer Banker ins Spiel, der in Deutschland bestens bekannt ist: Er war jahrelanger Risikochef bei der Deutschen Bank und galt als Kronprinz in der Nachfolge von Josef Ackermann. Statt auf dem Chefsessel der Deutschen Bank landete der Schweizer vor der Tür des Frankfurter Instituts. Ihm wurde ein neues Führungsduo vor die Nase gesetzt. Inzwischen heuerte Bänziger bei der EU-Expertengruppe an, die unter der Führung des Finnen Erkki Liikanen den oben erwähnten Bericht erstellte.

«Ausgerechnet der frühere Risikovorstand der Deutschen Bank, Hugo Bänziger», schrieb Ftd.de. Ausgerechnet er beschert nun also seinem früheren Arbeitgeber gehörigen Stress. Einen Stress, der – sollten die Vorschläge umgesetzt werden – ins Geld gehen dürfte. Der Bedarf an frischem Kapital sei in etwa so hoch wie das zurzeit vorhandene Eigenkapital, schätzt der ebenfalls als Mitglied der Expertengruppe amtierende deutsche Finanzprofessor Jan Pieter Krahnen. Und das sei ein zweistelliger Milliardenbetrag pro Bank.

Späte Rache?

Grund für den riesigen Kapitalbedarf: Für das dannzumal abgetrennte Investmentgeschäft müsste neues Eigenkapital beschafft werden. Und weil das Investmentgeschäft mit mehr Risiken verbunden ist, verlangen die Geldgeber eine höhere Rendite.

Späte Rache vom verschmähten Hugo Bänziger bei seinem früheren Arbeitgeber, könnten böse Zungen behaupten. Nüchtern betrachtet lässt sich einfach feststellen: Wer, wenn nicht der Risikochef, weiss, welche Sicherheiten – und das ist eine gute Eigenkapitalbasis nun mal – es in diesem Geschäft braucht? Und eine Kostprobe seiner inneren Überzeugung gab er zum Besten, als er noch im Sold der Deutschen Bank stand. Am 21. Mai (er war offiziell bis Ende Mai angestellt) schrieb er in einem Beitrag für die «Financial Times»: «Gefragt ist der Wechsel zu einem sichereren Geschäftsmodell. Nun liegt es an den Regulatoren. Banken werden mehr Eigenkapital halten müssen, ihre Hebel müssen sie reduzieren (…) und der Eigenhandel wird eingeschränkt.»

In der Schweiz für jeden grossen Posten genannt

Nun hat Bänziger also seine Ideen in konkrete Forderungen umsetzen können. «Unser Ziel war, dass der Handel bei den Banken nicht so gross sein darf, dass er den ganzen Konzern zum Kippen bringen kann», gab der Schweizer am Dienstag Reuters zu Protokoll.

Neben dem ganzen Wirbel um den Expertenbericht hat sich Bänziger auch wieder in Erinnerung gebracht. Immerhin war der frühere CS-Banker schon für sämtliche Spitzenposten, die die Schweizer Finanzbranche zu vergeben hat, ins Spiel gebracht worden. Die «SonntagsZeitung» (Artikel online nicht verfügbar) machte ihn Anfang April schon fast zum SNB-Direktoriumsmitglied («Als heisser Kandidat wird Hugo Bänziger gehandelt»), bereits Anfang März fragte das Finanzportal Finews.ch, ob Bänziger bald CS-Chef Brady Dougan ablöse. Und noch im September letzten Jahres wurde er vom deutschen «Handelsblatt» als Nachfolger von UBS-Chef Oswald Grübel, der über den Adoboli-Skandal stolperte, gehandelt. Aus alldem wurde nichts.

Auf Linie mit Steinbrück

Um gleich bei den Gerüchten zu bleiben: Vielleicht heuert Bänziger demnächst im Wahlkampfteam des SPD-Kanzlerkandidaten, Peer Steinbrück, an. Dieser hatte nämlich nur wenige Tage vor Bänzigers Expertengruppe in die gleiche Kerbe geschlagen: «Teilt die Grossbanken auf», so der Tenor. Die Kommentare zu dieser Partnerschaft hören wir jetzt schon: Ausgerechnet Bänziger.

Erstellt: 04.10.2012, 13:31 Uhr

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