BKW reduziert Projekte für erneuerbare Energien – drastisch

Der Stromkonzern baut sein Engagement in der Schweiz ab – angeblich wegen des Widerstands und «schleppender» Bewilligungsverfahren. Umweltschützer vermuten Propaganda dahinter.

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Wegen zunehmendem Widerstand und «schleppender Verfahren» korrigiert die BKW ihre «ambitiösen» Ausbauziele 2030 im Inland um 40 Prozent nach unten. Der Entscheid fiel nach einer umfassenden Analyse der rund 100 laufenden Projekte der Tochtergesellschaft sol-E Suisse, wie die BKW mitteilte. Deren Ausbauziele für 2030 wurden von 1000 GWh auf 600 GWh reduziert.

Kritik an Bewilligungsverfahren

Grund ist laut dem bernischen Stromkonzern BKW die zunehmende Opposition gegen ihre Projekte, insbesondere gegen Windkraftwerke im Jurabogen, gegen Kleinwasserkraftwerke im Alpenraum und gegen grosse Holzkraftwerke im Mittelland. Als Folge der seit 2009 geltenden Förderbestimmungen seien in der Schweiz viele Projekte entwickelt worden, was zu Widerstand geführt habe.

Angesichts dieses Widerstandes und der «schleppenden, nicht koordinierten» Bewilligungsverfahren sei es nicht realistisch, so die BKW weiter, das vom Parlament bis 2030 angestrebte Ziel von 4500 GWh zu erreichen. Das Unternehmen hatte 2010 laut eigenen Angaben 80 Anlagen für erneuerbare Energien in Betrieb genommen, vor allem Windenergie-Anlagen. Vier von fünf dieser Anlagen stehen im Ausland.

Versteckte Propaganda für neue AKW's?

Die Umweltverbände Stiftung Landschaftsschutz und Pro Natura halten diese Begründung von BKW für reine Abstimmungspropaganda. Die geplante Reduktion der Ausbauziele sei ein «versteckter Versuch, der Atomkraft Schub zu verleihen», sagte Roland Schuler, Sprecher von Pro Natura Schweiz. Am 13. Februar wird die Bevölkerung im Kanton Bern über die Zukunft des Atomkraftwerks Mühleberg abstimmen.

Auch Raimund Rodewald, Geschäftsführer der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, hält das Vorgehen der BKW für übertrieben und zweifelt an der Begründung für die Abbaupläne. Die Opposition der Umweltverbände gegen Projekte für erneuerbare Energien sei verschwindend klein.

Pro Natura hat laut eigenen Angaben ein rundes Dutzend, die Stiftung Landschaftsschutz insgesamt acht Einsprachen, Rekurse oder Beschwerden gegen Kleinwasserkraftwerke hängig. Drei Einsprachen richten sich gegen geplante Windkraftwerke. Pro Natura sowie die Stiftung Landschaftsschutz bestätigen aber, dass die Einsprachen Privater in den letzten Jahren stark zugenommen haben.

(raa/sda)

Erstellt: 10.01.2011, 13:31 Uhr

Keine Zukunft in der Schweiz? Windturbinen der Juvent SA, einer BKW-Tochter, auf dem Mont Crosin im Berner Jura. (Bild: Keystone )

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