«Bananenrepublik Luxemburg»

Mit Häme, Kritik und Rechtfertigung reagieren Luxemburger auf die Steuerrabatt-Enthüllung. Auch die Schweiz kommt in der Diskussion vor.

Durch die Steuerrabatte für Firmen sind sie im Fokus der Zeitungsleser: Luxemburgs Finanzminister Pierre Gramegna, Wirtschaftsminister Etienne Schneider und Ministerpräsident Xavier Bettel (v.l.n.r.). Foto: Nicolas Bouvy (Keystone)

Durch die Steuerrabatte für Firmen sind sie im Fokus der Zeitungsleser: Luxemburgs Finanzminister Pierre Gramegna, Wirtschaftsminister Etienne Schneider und Ministerpräsident Xavier Bettel (v.l.n.r.). Foto: Nicolas Bouvy (Keystone)

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In Luxemburg können Firmen im grossen Stil Steuern sparen. Das wurde durch ein Datenleck publik. Mit über 343 Firmen hatte die Regierung ein Abkommen, das grosszügige Steuerrabatte versprach. Nach den Enthüllungen schlagen die medialen Wellen hoch. Und auch die luxemburgische Bevölkerung reagiert. Die Leserkommentare der Zeitung «L’essentiel» decken die Bandbreite der Stimmungen ab.

Wirklich überrascht sind die Leser nicht über die Enthüllungen. So schreibt ein Leser treffend: «Meine Güte, Luxemburg zieht Multis nicht wegen seines Klimas, seiner Skipisten und seiner Sandstrände an … Was für eine Überraschung!» Auch für diesen Leser waren die Steuerrabatte längst ein offenes Geheimnis: «Das ist kein Geheimnis. Im Gegenteil.» Und er analysiert weiter: «Und es ist der einzige Grund, weshalb es hier Arbeit gibt. Wir produzieren nichts in Luxemburg!»

Alle Kommentare von: lessentiel.lu (6.11.2014)

Trotzdem: Die Empörung ist gross – wenn auch nicht bei allen aus demselben Grund. Die einen beklagen sich über die Steuerrabatte für Firmen, während sie Steuern bezahlen. «Von mir will die Steuerbehörde 5000 Euro, während die Regierung Firmen Steuergeschenke macht», schreibt ein Leser. «Bravo. Luxemburg wird von Lügnern regiert.»

Andere empören sich dagegen über die Reaktionen auf die Enthüllungen und finden, dass sie nichts Illegales tun und zudem nichts, was nicht andere auch tun würden. «Wieso wird Luxemburg attackiert, wie wenn sie die Pest hätten, wenn das doch auch in anderen Ländern gängige Praktiken sind? Man hört selten Kritik an den Firmen, die sich aus Steuergründen in Zug in der Schweiz niederlassen.»

Das abgekartete Spiel von Staat und Wirtschaft beunruhigt wiederum andere. Ein Leser fragt: «Wie viele Briefumschläge wurden unter dem Tisch ausgetauscht in dieser Bananenrepublik, welche Luxemburg ist?»

Am Pranger der Öffentlichkeit wird sich mit der Schweiz solidarisiert. «Man zeigt mit dem Finger auf die Schweiz wegen ihres Bankengeheimnisses, aber was sagt man zu dieser Steuerhinterziehung im grossen Stil, die vom Staat organisiert wurde?!», schreibt ein Leser und kommentiert: «Was für eine riesige Heuchelei, es ist zum Kotzen.»

Sarkastisch drückt sich dieser Leser aus: «Danke, Politiker, für das tolle Image, das ihr Luxemburg gebt!»

Und ein Leser meint lapidar: «Ohje! Alles im Eimer.»

Erstellt: 06.11.2014, 20:00 Uhr

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