Bank Vontobel setzt auf eine «Politik der ruhigen Hand»

Der jüngste Währungsschock hinterlässt bei der Bank nur geringe Spuren. Unerwartet gross ist der Neugeldzufluss.

Mit einem Gewinn von 134,5 Millionen Franken (+10 Prozent) kommt Vontobel auf eine Eigenkapitalrendite von 8,7 Prozent. Foto: David Baer

Mit einem Gewinn von 134,5 Millionen Franken (+10 Prozent) kommt Vontobel auf eine Eigenkapitalrendite von 8,7 Prozent. Foto: David Baer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Bank Vontobel sieht keinen Anlass, nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses und den erhöhten Negativzinsen rasch Gegensteuer zu geben. Vielmehr will die Vermögensverwaltungsbank an ihrer «Politik der ruhigen Hand» festhalten, wie sie in der gestrigen Mitteilung zum Jahresabschluss 2014 festhielt. Vontobel setzt also einen anderen Akzent als die Bank Julius Bär, die Anfang Februar als Reaktion auf die Beschlüsse der Natio­nalbank ihre Absicht bekannt gab, die Kostenbasis um 100 Millionen Franken zu senken und zu diesem Zweck 200 Arbeitsplätze abzubauen.

Der grössere Handlungsbedarf bei ­Julius Bär ergibt sich dadurch, dass im vergangenen Jahr 60 Prozent ihres Aufwandes in Franken angefallen sind – hingegen nur 13 Prozent der Erträge. Ein solches Ungleichgewicht schmälert bei einem erstarkenden Franken die betriebliche Profitabilität.

Im Fall von Vontobel ist diese Balance besser gewahrt, wie Finanzchef Martin Sieg vor den Medien darlegte: Die Differenz zwischen Frankenaufwendungen und -erträgen betrug bei den betreuten Kundenvermögen 27 Prozentpunkte (70 abzüglich 43 Prozent). Bezieht man in diese Betrachtung den Dollar mit ein – dessen letztjähriger Durchschnittskurs zum Franken nur gering­fügig vom heutigen Niveau abweicht –, verringert sich das währungsmässige Ungleichgewicht zwischen Aufwendungen und Erträgen auf nur mehr 10 Prozentpunkte (90 abzüglich 80 Prozent). Von daher ist die Zürcher Bank vom drastisch veränderten Währungsumfeld hierzulande vergleichsweise wenig betroffen.

Fulminantes zweites Halbjahr

Darüber hinaus vermochte Vontobel die von ihr betreuten Kundenvermögen bis Ende Januar auf 128,5 Milliarden Franken zu steigern, verglichen mit dem letztjährigen Durchschnittsvolumen von 124,3 Milliarden. Mit anderen Worten: Der Bank ist es gelungen, die mit der Frankenaufwertung verbundenen wechselkursbedingten Verluste auf ausländischen Vermögensbeständen durch Neugeldzuflüsse mehr als wettzumachen.

Bereits der im vergangenen Jahr realisierte Zustrom an neuen Geldern von 6,2 Milliarden Franken übertraf die Analystenerwartungen bei weitem. Hatten sich die Zu- und Abflüsse im ersten Halbjahr noch die Waage gehalten – bedingt durch die eingetrübten Wirtschaftsaussichten in den Schwellenmärkten –, erzielten die Vermögensverwalter in der zweiten Hälfte einen aufs Jahr hoch­gerechneten Zuwachs bei den Nettoneugeldern von 11,4 Prozent. Vor allem dieser Wachstumssprung dürfte laut Marktbeobachtern verantwortlich dafür gewesen sein, dass die Vontobel-Aktie gestern um 2,7 Prozent zulegte.

Mit einem Gewinn von 134,5 Millionen Franken (+10 Prozent) kommt Vontobel auf eine Eigenkapitalrendite von 8,7 Prozent. Die 10-Prozent-Zielmarke rückt für den Konzern allmählich in Sichtweite.

Erstellt: 11.02.2015, 21:53 Uhr

Artikel zum Thema

Der Wahnsinn und Thomas Jordan

Analyse Der Nationalbankchef Thomas Jordan hat den Mindestkurs gekappt. Und ist damit eine Wette eingegangen, die er nur gewinnt, wenn er sie verliert. Denn er ist ein solider Mann in einer paradoxen Welt. Mehr...

SNB legt angeblich Franken-Korridor fest

Der Franken hat sich in der letzten Woche um rund 7 Prozent abgewertet. Laut einem Bericht nähert er sich einem inoffiziellen Euro-Mindestkurs der SNB an. Mehr...

WOZ provoziert Linke nach SNB-Schock

Journalist Yves Wegelin begrüsste in der Zeitung WOZ – wider die linke Meinung – die Aufhebung der Euro-Untergrenze. Was er auslöste – und wie er mit einem seiner Kritiker nun in Konfrontation geht. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Geldblog Solarenergie: So setzen Sie auf den Megatrend

Sweet Home Da werden wir weich

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

In allen Farben: Die Saint Mary's Kathedrale in Sydney erstrahlt in ihrem Weihnachtskleid. (9. Dezember 2019)
(Bild: Steven Saphore) Mehr...