Bank Vontobel umwirbt US-amerikanische Privatkunden

Viele Banken haben Kunden mit Bezug zur USA vor die Tür gesetzt. Die Zürcher Bank Vontobel will mit ihnen ins Geschäft kommen.

Hat aus dem Problem der heimatlos gewordenen Kunden ein Geschäft gemacht: Vontobel-Chef Herbert Scheidt.

Hat aus dem Problem der heimatlos gewordenen Kunden ein Geschäft gemacht: Vontobel-Chef Herbert Scheidt. Bild: Keystone

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Das rabiate Vorgehen der US-Behörden gegenüber der UBS hat manch andere Bank im Land aufgeschreckt. Fast panikartig wurden zum Teil langjährige Beziehungen mit US-Kunden abgebrochen. Oft wurden die Kunden ultimativ aufgefordert, ihr Depot auf eine andere Bank zu verschieben oder sich den Gegenwert auszahlen zu lassen.

Erste Spezialistenteams gewonnen

Bei der Bank Vontobel sah man dem Treiben zu. Dann beschloss man, aus der Not der überforderten Konkurrenz eine Tugend und aus dem Problem der heimatlos gewordenen Kunden ein Geschäft zu machen. Im Juni gab die Bank die Gründung der Tochter Vontobel Swiss Wealth Advisors bekannt. Vor wenigen Tagen ist die neue Geschäftseinheit aktiv geworden.

Noch wollen sich die Verantwortlichen nicht allzu genau in die Karten blicken lassen. Die Zahl der Mitarbeitenden etwa bleibt unter Verschluss. Erste Spezialistenteams habe man gewonnen, sagt Sprecher Reto Giudicetti. Weitere werde man rekrutieren. Vontobel-Chef Herbert Scheidt lässt sich zudem entlocken, dass die junge Tochter zurzeit zwischen 250 und 500 Millionen Franken verwaltet. In spätestens zwei Jahren soll die Einheit die Gewinnschwelle erreichen.

Aus den USA überwacht

Swiss Wealth Advisors spricht US-Amerikaner an, die Geld in der Schweiz anlegen wollen. Es sind Leute mit Wohnsitz innerhalb oder ausserhalb der Vereinigten Staaten. Nicht-Amerikaner, die aus irgendwelchen Gründen in den USA steuerpflichtig sind, gehören auch zum Zielpublikum. Angesprochen sind Kunden mit deklarierten Vermögen.

Scheidt schränkt allerdings ein: «Wir fragen nicht nach. Wir wollen das gar nicht wissen.» Es sei nicht Sache der Bank, die Beziehung zwischen den Kunden und den Steuerbehörden zu überprüfen. Nach Scheidt ist das auch gar nicht nötig: «Ich glaube, es genügt, wenn wir den Kunden sagen, dass wir auf der Basis deklarierter Vermögen arbeiten wollen.» Finanzchef Martin Sieg fügt hinzu: «Jeder Kunde, der hier betreut wird, weiss, dass der Durchblick der SEC sehr gross ist.» Es ist die SEC, die Börsenaufsichtsbehörde der USA, welche die VontobelTochter überwacht. Kunden müssen deshalb davon ausgehen, dass sie jederzeit so durchleuchtet werden können, als stünde die Bank nicht in Zürich, sondern in den USA.

Mit dem Aufsichtsrecht vertraut

Domizil ist aber Zürich, in unmittelbarer Nachbarschaft der Mutterbank an der Gotthardstrasse – allerdings mit separatem Eingang. Swiss Wealth Advisors arbeitet mit eigenem Personal und einem eigenen Server. Damit soll vermieden werden, dass der amerikanische Regulator plötzlich auf Kundendaten der Muttergesellschaft zugreifen kann.

Vontobel betreibt auch ein Brokerage-Geschäft, das SEC-reguliert ist. Die Bank ist deshalb mit dem amerikanischen Aufsichtsrecht vertraut. Die neue Tochter hat eine Banklizenz. Diese erlaubt ihr mit gewissen Einschränkungen auch vor Ort, in den USA, Kunden anzuwerben. Das scheint zurzeit zwar keine Priorität zu haben. Sprecher Giudicetti will diese Geschäftsoption für die Zukunft aber auch nicht ausschliessen.

Finanzkrise verdaut

Vontobel konnte den Halbjahresgewinn im Vergleich zur Vorjahresperiode um 26 Prozent auf 78,8 Millionen Franken steigern. Das Geschäft mit den Privatkunden vermochte den Gewinnbeitrag zu verdreifachen. Wichtigster Ertragspfeiler ist aber noch immer das Geschäft mit strukturierten Produkten. Von Januar bis Juni flossen der Bank netto 3 Milliarden Neugelder zu. Das sind mehr als im ganzen letzten Jahr.

Erstellt: 12.08.2010, 10:44 Uhr

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