Interview

«Banken haben die Lohnpolitik überdacht»

Brady Dougan verdient sieben Millionen Franken weniger als im Vorjahr. Auch bei der UBS sind die Gehälter gesunken. Eine dauerhafte Entwicklung? Bankberater Sacha Cahn schildert seine Perspektive.

Orientieren an der Konkurrenz: Credit-Suisse-Chef Brady Dougan, UBS-Chef Sergio Ermotti.

Orientieren an der Konkurrenz: Credit-Suisse-Chef Brady Dougan, UBS-Chef Sergio Ermotti. Bild: Keystone

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Herr Cahn, was bedeuten 5,8 Millionen Franken Lohn pro Jahr für einen Banker wie Brady Dougan?
Kurzfristig sehen Manager wenig von diesem Geld, weil ein Grossteil davon aufgeschoben und eventuell später in bar oder als Aktien und Optionen ausbezahlt wird. Die fixen Lohnbestandteile machen bei der Credit Suisse durchschnittlich 28 Prozent, bei der UBS 40 Prozent aus. Was die Vergütungspakete effektiv wert sind, wird sich erst noch weisen.

Die Geschäftsleitungen von Credit Suisse und UBS verdienen deutlich weniger als im Vorjahr. Ist 2011 nur ein Zwischentief?
Werden die Geschäftszahlen besser, so nimmt auch die Vergütung in den Chefetagen wieder zu. Allerdings nicht wegen des Basissalärs, das in bar ausbezahlt wird, sondern bei den variablen Lohnbestandteilen. Bei gutem Geschäftsgang wird man wieder höhere Boni beobachten.

Diese Boni sorgen in der Öffentlichkeit regelmässig für Aufruhr.
Es stimmt, dass Banken ihre Lohnpolitik überdacht haben. Sie werden dies auch weiterhin tun – nicht zuletzt aufgrund des politischen Drucks. Mitarbeiter in vielen Bankbereichen haben deshalb in den letzten Jahren Erhöhungen des Basissalärs erhalten, um die Bonuskürzungen zu kompensieren. Die Banken versuchen so, wichtige Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden. Für die Banken ist diese Entwicklung ist allerdings nicht optimal, weil Fixsaläre nur schwierig nach unten angepasst werden können.

Wer hat stärker zurückgesteckt: die Geschäftsleitung oder die Angestellten?
In beiden Bereichen gab es Vergütungsrückgänge. Allerdings mit unterschiedlicher Auswirkung: Verdient ein Angestellter 80'000 anstatt 100'000 Franken, so ist dies ein verhältnismässig stärkerer Einschnitt, als wenn ein Topmanager nur noch 4,5 anstatt 5 Millionen Franken verdient.

Brady Dougans Lohn sank im Vergleich zum Vorjahr um 7 Millionen Franken. Ist dies die neue Bescheidenheit bei der Credit Suisse?
Vergütungen wie jene 70 Millionen Franken in Aktien, welche Brady Dougan 2010 aus einem langfristig gesperrten Programm aus dem Jahr 2004 erhielt, sind definitiv eine Sache der Vergangenheit. Die Zeit der grossen Gesamtmargen ist vorbei; Banken werden ihre Vergütungs- und Geschäftsmodelle überdenken. Für spezialisierte Talente – zum Beispiel im Schweizer oder US-Vermögensverwaltungsgeschäft – werden aber auch in Zukunft gute Löhne bezahlt. Solche Leute können für eine Bank sehr wertvoll sein.

So wie Robert McCann, der als Leiter des Amerika-Geschäfts bei UBS der Topverdiener ist?
Die Vergütung ist marktabhängig und muss nicht im Widerspruch zur Geschäftsstrategie der Bank stehen. McCann besetzt eine schwierige Position, gerade wegen der Probleme mit der amerikanischen Justiz und dem Offshore-Vermögensverwaltungsgeschäft. Zudem ist der südamerikanische Markt sehr profitabel – auch dies dürfte bei McCanns Vergütung eine Rolle gespielt haben.

Bei der CS verdient Robert Shafir am meisten. Mit dem Asset Management leitet er einen Bereich, der weniger im Fokus der Öffentlichkeit steht. Positioniert sich die Credit Suisse damit als Bank der Vernunft?
Diese Aussage kann man so nicht machen. Topmanager werden an den Geschäftsergebnissen gemessen und an den Ergebnissen des Bereichs, für den sie verantwortlich sind. Ich würde kommunikativ nicht zu viel davon ableiten.

Mit ihrer Vergütungspolitik senden Banken aber zwangsläufig Signale an die Öffentlichkeit.
Prinzipiell widerspiegelt die Vergütung das, was im letzten Geschäftsjahr passiert ist – sie bezieht sich also auf die Vergangenheit. Zukunftsgerichtet sind nur die Bestandteile der variablen Vergütung, die an Leistungsmessgrössen in der Zukunft oder an den Aktienkurs gebunden sind. Dass die Gehälter im Topmanagement die Öffentlichkeit stark berühren, ist für die Banken nichts Neues. Aber nochmals: Was heute als Vergütung ausgewiesen wird, kann in Zukunft auch weniger wert sein.

Sergio Ermotti wurde in den Medien dafür kritisiert, dass er doppelt so viel erhält wie sein Vorgänger Oswald Grübel. Muss das eine Bank und ihren CEO nicht kümmern?
Auf diesem Level werden Marktvergleiche gemacht, man orientiert sich an der Konkurrenz. Wenn jemand die Qualifikationen hat, muss die Bank ein entsprechendes Salär bezahlen.

Wie stehen die Schweizer Grossbanken im internationalen Vergleich da?
Was die Saläre angeht, ist die Schweiz ein Teil von Europa. Die Basissaläre sind hier wie dort zuletzt um 2 Prozent, also leicht angestiegen. In Asien beobachtet man demgegenüber einen stärkeren Zuwachs von etwa 5 Prozent pro Jahr. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.03.2012, 16:27 Uhr

Zur Person

Sacha Cahn leitet bei Mercer Schweiz den Bereich Human Capital. Er berät Industrie- und Finanzunternehmen seit 14 Jahren bei der Vergütungspolitik, Leistungsmessung und dem Talentmanagement. Zuvor arbeitete Cahn bei der UBS und Zurich Financial Services. Der Ökonom ist 39 Jahre alt, verheiratet und hat drei Töchter. Er lebt in Zürich.

Löhne bei CS und UBS

Nach der UBS hat heute Morgen auch die Credit Suisse ihren Geschäfts- und Lohnbericht veröffentlicht.

Die Gesamtvergütung für die Geschäftsleitung verringerte sich bei der CS von 160 Millionen (2010) auf 70 Millionen Franken. Die Geschäftsleitung der Credit Suisse besteht aus 13 Personen. Topverdiener bei Credit Suisse ist der Chef des Asset Management, Robert Shafir. Er erhält ein Paket im Wert von 8,5 Millionen Franken. Konzernchef Brady Dougans Vergütung beträgt 5,8 Millionen Franken.

Auch bei der UBS ist die Vergütungssumme für die Geschäftsleitung gesunken. 2010 betrug sie 90 Millionen Franken, fürs Jahr 2011 erhält das Gremium insgesamt 70 Millionen Franken. Topverdiener bei der UBS ist der Chef des Amerika-Geschäfts, Robert McCann, mit 9,2 Millionen Franken. CEO Sergio Ermotti verdiente 2011 6,5 Millionen Franken.

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