Hintergrund

Bankenausschuss verhindert Dougans Bonus-Konstrukt

Ein Teil der Vergütungen für die Credit-Suisse-Manager ist nicht mit den neuen Eigenkapitalregeln kompatibel. Die Bank musste deshalb einen komplexen Bonustopf aus Schrottpapieren ersetzen.

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Eigentlich ist Brady Dougan ein Experte. Praktisch jedes Jahr konzipiert der Chef der Credit Suisse ein neues Bonus-Programm für sich und seine engsten Mitarbeiter. Dabei gibt sich der Amerikaner mit der langen Karriere im Investmentbanking aktionärsfreundlich: Die Interessen der Besitzer blieben bei seinen Bonus-Modellen gewahrt, so Dougan, weil die Credit Suisse die Manager an den eingegangenen Risiken beteilige.

Was für die gebeutelten Eigentümer der Bank gut klingt, ist Dougan nun ausgerechnet bei einem seiner Vorzeigevehikel missglückt. Statt wie geplant Risiken von der Bank zu den Mitarbeitenden zu verschieben, muss Dougan das entsprechende Bonus-Modell jetzt aus dem Verkehr ziehen. Dahinter steckt der Basler Bankenausschuss, der die strengeren internationalen Eigenkapitalstandards namens Basel III festgelegt hat und deren Umsetzung überwacht. Dabei hat sich gezeigt: Dougans vermeintlich innovatives Konstrukt besteht vor dem Basler Ausschuss nicht.

Das Ziel war eine Win-win-Situation. Dougan wollte die rund 5500 Manager der obersten Hierarchiestufen in die Pflicht nehmen und sie im besten Fall mit hohen Renditen entschädigen. Gleichzeitig würde Dougan auf diese Art einen Teil der Risiken von der Bilanz der Bank zu den Managern verschieben. Nun aber musste die Credit Suisse vor wenigen Tagen intern darüber informieren, dass sie das Aushängeschild unter den Bonus-Instrumenten durch zwei neue Modelle ersetzen würde. Ein Sprecher bestätigte entsprechende Berichte in englischen Medien, wollte darüber hinaus aber keine Stellung nehmen.

12 Milliarden Dollar ausgelagert

Der Vorgang wirft ein Schlaglicht auf die Art und Weise, wie die Credit Suisse ihre Spitzenleute mit hochkomplexen und schwer durchschaubaren Bonus-Programmen bei Laune halten will. Das Vehikel, mit dem Dougan soeben gescheitert ist, trug den Namen «Partner Asset Facility» – kurz PAF. Genauer: PAF2, da es sich bereits um das zweite Konstrukt dieser Art handelte. Es besteht aus einem grossen Topf mit Schrottpapieren – hochkomplexe Derivate, die neu verpackt wurden. An diesen riskanten Anleihen wurden die CS-Manager als Teil ihrer auf Jahre hinaus gesperrten Boni beteiligt.

Die Zuteilung der Anteile erfolgte vor zwei Jahren im Rahmen des Bonus für 2011. Damals schrieb die Bank im Vergütungsteil ihres Geschäftsberichts, Ziel des Plans sei, «Risiken von der Gruppe auf Mitarbeitende» zu übertragen. Insgesamt könne die Bank so 12 Milliarden Dollar aus den eigenen Büchern auf die beteiligten Manager verschieben, stand im Kleingedruckten. Würden die Anteile während der Laufzeit von vier Jahren (respektive neun Jahren bei Verlängerung) Verluste erleiden, müsste die Bank davon nur die ersten 500 Millionen Dollar tragen. «Alle über diesen Betrag hinausgehenden Verluste gehen zulasten der Mitarbeitenden (. . .) bis zum gesamten Betrag der zugeteilten aufgeschobenen Vergütungsansprüche.» Mit anderen Worten: Die Manager konnten im Extremfall den gesamten Bonus verlieren.

Wahrscheinlich war das nicht. Schon die erste Version des Programms hatte 2008, auf dem Tiefpunkt der Krise, Ramschpapiere gebündelt – die dann dank der Erholung der Märkte stark zulegten. So wie die Schweizerische Nationalbank mit der Rettung der UBS im Nachhinein Milliarden verdiente, machte sich das Risiko für die über 1000 beteiligten Investmentbanker der Credit Suisse bezahlt. Diesen Erfolg wollte die Bank mit der Zweitauflage des Programms wiederholen. Und diesmal sollten davon nicht nur die Investmentbanker profitieren, sondern die Topmanager der ganzen Bank.

Verstrickung über einen Kredit

Auf dem Papier schien der Plan verlockend: Die Schweizer Topmanager sollten eine Verzinsung von 5 Prozent erhalten. Ihre Kollegen aus dem angelsächsischen Raum, die statt in Franken in Dollars entlöhnt werden, kämen auf 6,5 Prozent. Angesichts der aktuell tiefen Zinsen galt das Programm als hochrentabel. Gleichzeitig band es die Topmanager ans Unternehmen: Wer während der mehrjährigen Sperrzeit die CS verlassen würde, würde seine Ansprüche verlieren, hiess es.

Dann kam das Problem mit dem Basler Bankenausschuss. Es entstand, weil die Credit Suisse für das Geschäft mit den Derivaten eine Gegenpartei benötigte. Ein riskantes Unterfangen. Zwar fand die Bank eine Gegenpartei, die das Risiko trug – allerdings musste ihr die Credit Suisse im Gegenzug einen Kredit zur Verfügung stellen. Der Basler Ausschuss kam nun zum Schluss, dass das Risiko damit weiterhin auf der Bank lastete – und nicht bei den Topmanagern. Wäre nämlich die Gegenpartei in Nöte geraten, hätte die CS mit ihrer Kreditlinie einspringen müssen. Die CS habe diesen Sachverhalt immer offen dargelegt, heisst es dazu in der Zentrale. Am Fakt, dass ihr Bonusprogramm gescheitert ist, ändert das nichts. Darben müssen die Kaderleute deswegen nicht: Als Ersatz können sie zwischen einem neuen Topf und Obligationen wählen, die im Fall einer Krise verfallen. Das tritt ein, wenn die Eigenkapitalquote der Bank unter den Wert von 7 Prozent sinkt – 3 Prozent weniger, als Konkurrentin UBS soeben bei einem eigenen Bonus-Konstrukt festgelegt hat.

Erstellt: 19.02.2014, 10:12 Uhr

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