Bankier Hans J. Bär ist tot

Er war ein überzeugter Banker und wurde zu einem der grössten Kritiker des Bankgeheimnisses. Nun ist Hans J. Bär nach langer Krankheit im Alter von 83 Jahren gestorben.

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Hans J. Bär fand oft starke Worte, und die Öffentlichkeit bekam dies spätestens zu spüren, als er 2004 seine Lebensbilanz veröffentlichte. In seinem Buch «Seid umschlungen, Millionen» rechnete der damals 76-jährige Bankier in nur drei Sätzen mit dem Bankgeheimnis ab. «Es ist ein defensives Instrument, das die Schweiz vom allgemeinen Wettbewerb verschont und das uns, um ein Churchill-Wort aufzunehmen, ‹fett, aber impotent› macht», lautete einer von ihnen. Die Schweizer Bankenlandschaft reagierte darauf brüskiert.

Nun ist die kritische Stimme verstummt, Hans J. Bär ist gestern 83-jährig gestorben. Er wurde 1927 geboren und wuchs in Zürich und New York auf. In den USA studierte er Ingenieurwissenschaften und Nationalökonomie. 1947 trat er in die Bank Julius Bär ein – ein traditionsreiches Unternehmen, das seit 1890 im Besitz der Familie war. 19 Jahre später wurde er Partner, von 1975 bis 1993 war er Vorsitzender der Geschäftsleitung, bis 1997 auch Verwaltungsratspräsident.

Vermittler in der Volcker-Kommission

Zu den Meilensteinen seines Schaffens zählte unter anderem der Börsengang des Finanzinstitutes sowie die Eröffnung von Niederlassungen in New York und London, wie die Bank in einem Nachruf schreibt. Hans J. Bär setzte sich zudem in der Volcker-Kommission als Vermittler im Streit um die Holocaust-Gelder ein. Er war damals wesentlich daran beteiligt, den Konflikt um die nachrichtenlosen Vermögen zu lösen. Und er war auch als Mäzen bekannt, der die klassische Musik förderte. Von 1982 bis 1992 präsidierte er die Tonhalle-Gesellschaft Zürich. 1997 war er Gründerpräsident der Zürcher Festspiele. Hans J. Bär war 48 Jahre mit Ilse Bär-Kaelin verheiratet, die 2002 starb. Er hinterlässt zwei Kinder und vier Enkelkinder.

Bär lebte zurückgezogen, insbesondere, nachdem er mit seinem Buch so hohe Wellen in der Finanzwelt geworfen hatte. Er wurde damals stark angegriffen, sogar der damalige Finanzminister Hans-Rudolf Merz massregelte ihn wegen der kritischen Worte. Später sagte er zu den Entwicklungen rund um das Bankgeheimnis: «Jetzt kommt es so, wie ich sagte». (miw)

Erstellt: 22.03.2011, 12:25 Uhr

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