«Bei Swisscom gab es keinen Datendiebstahl»

Swisscom-Chef Carsten Schloter hat sich erstmals zu den Spionage-Enthüllungen geäussert. In einem Interview spricht er über die Sicherheit der Kundendaten in der Schweiz.

Bezeichnet Kriminelle als Urheber der Cyberattacken: Swisscom-Chef Carsten Schloter.

Bezeichnet Kriminelle als Urheber der Cyberattacken: Swisscom-Chef Carsten Schloter. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Angesichts der Enthüllungen über die Spionageaktivitäten der NSA und des britischen Geheimdienstes GCHQ stellt sich auch die Frage, wie sicher Daten von Schweizer Nutzern sind. Im Falle der Swisscom als grösster Schweizer Anbieterin von unter anderem Mobiltelefonie, E-Mail-Provider- und Netzwerkdiensten stellt sich die Frage, ob ausländische Geheimdienste auch auf Daten ihrer Kunden zugreifen können. Swisscom-Chef Carsten Schloter hat sich nun erstmals in einem Interview zur Spionageaffäre geäussert. Gegenüber der Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» gab Schloter an, dass bei der Swisscom gelagerte Kundendaten nicht betroffen seien.

Die Swisscom sei zwar jeden Tag das Ziel von Cyberattacken. «Es gab aber keinen Datendiebstahl.» Bei den Urhebern der Cyberattacken handle es sich seines Wissens um Gruppen von Kriminellen, nicht um Staaten, welche sich Zugang zu verschaffen versuchten. Auch antwortete Schloter auf eine entsprechende Frage, die Swisscom sei nie von Washington um Daten angefragt worden: «Die einzigen Anfragen, die wir erhalten, stammen von der Schweizer Polizei. Diese müssen anschliessend von der Schweizer Justiz abgesegnet werden.»

Zusammenarbeit mit Huawei

Ebenfalls Stellung nahm Schloter zur Zusammenarbeit mit der chinesischen Firma Huawei. Es spiele keine grosse Rolle, wer die Netzwerkinfrastruktur herstelle, ob die Chinesen, die Amerikaner oder die Schweden, sagte Schloter. Es komme vielmehr darauf an, wer die Infrastruktur betreibe – und dies seien bei der Swisscom sowohl beim Festnetz wie beim Mobilnetz ausschliesslich eigene Angestellte. Ausserdem sei es sehr unwahrscheinlich, dass die chinesische Firma illegalen Aktivitäten nachgehe, weil diese bei Bekanntwerden eines einzigen solchen Falles alle internationalen Aufträge verlieren würde. (mw)

Erstellt: 03.07.2013, 17:09 Uhr

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