Belgien verstaatlicht «seine» Dexia

Brüssel übernimmt den belgischen Teil der schwer angeschlagenen Dexia-Bank. Zum Kaufpreis von vier Milliarden Euro kommen Dutzende Milliarden an Garantien.

Teure Rettungsaktion: Dexia-Sitz in Brüssel (9. Oktober 2011)

Teure Rettungsaktion: Dexia-Sitz in Brüssel (9. Oktober 2011) Bild: Keystone

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Belgien übernimmt den belgischen Teil der Dexia zu 100 Prozent. Das teilte Ministerpräsident Yves Leterme am frühen Morgen nach einer nächtlichen Krisensitzung in Brüssel mit. Für die Übernahme der Dexia Banque Belgique will der belgische Staat seinen Angaben zufolge vier Milliarden Euro zahlen, dazu kommen Garantien in Höhe von 54 Milliarden Euro für risikoreiche Wertpapiere.

Der Preis sei «angemessen», erklärte Finanzminister Didier Reynders. Die belgische Regierung wolle die Bank nicht für immer behalten, sich aber auch nicht «schnell» wieder zurückziehen. Es gehe darum, den «Fortbestand» der Bank zu sichern. Das Geld der Bankkunden sei auf ihren Konten «in Sicherheit», sagte Leterme nach der Kabinettssitzung.

Details um 9 Uhr

Die Regierungen von Frankreich, Belgien und Luxemburg hatten nach eigenen Angaben bereits am Sonntagabend eine Lösung für die Zukunft der schwer angeschlagenen Bank gefunden. Der Vorschlag wurde jedoch nicht näher erläutert, weil er zunächst dem Aufsichtsrat der Bank vorgelegt werden sollte. Am Montagmorgen signalisierte das Gremium Zustimmung zu dem belgischen Übernahmeangebot. Es sei im Interesse der Dexia-Gruppe, hiess es. Die Bank will sich heute um 09.00 Uhr auf einer Pressekonferenz zu Details äussern.

Dexia war in den vergangenen Tagen durch Liquiditätsprobleme ins Schlingern geraten. Die Bank, die in Belgien 850 Niederlassungen und in Frankreich keine einzige Filiale hat, ist der grösste Kreditgeber der Gemeinden, Städte und Regionen in Frankreich. Auf französischer Seite könnten die beiden staatlichen Banken Caisse des Dépôts und Postbank die Kredite über 70 Milliarden Euro übernehmen, die Dexia den französischen Kommunen gewährte.

Der Dexia-Verwaltungsrat forderte Vorstandschef Pierre Mariani heute auf, mit beiden Finanzinstituten in Verhandlungen zu treten, wie es nach der zwölfstündigen Marathon-Sitzung in einer Erklärung hiess. Für den luxemburgischen Zweig ist ein internationaler Investor zur Übernahme bereit.

Staatsgarantien von 90 Milliarden Euro

Faule Wertpapiere über 90 Milliarden Euro sollen in eine sogenannte Bad Bank ausgelagert werden, wie das belgische Finanzministerium mitteilte. Dafür wird Dexia Staatsgarantien von den drei Ländern erhalten. Belgien wird davon 60,5 Prozent aufbringen, Frankreich 36,5 Prozent und Luxemburg drei Prozent.

Das Geldinstitut war bereits vor drei Jahren zu Beginn der Finanzkrise ins Trudeln geraten. Damals hatten Frankreich, Belgien und Luxemburg das Institut mit 6,4 Milliarden Euro gestützt und ihm öffentliche Garantien in Höhe von 150 Milliarden Euro gegeben. Seitdem halten Frankreich und Belgien Anteile an Dexia. (rub/AFP)

Erstellt: 10.10.2011, 06:56 Uhr

Infobox

Dexia ist ein an den Börsen in Brüssel und Paris notierter Bankkonzern. Er ist 1996 durch die Fusion der Kommunalfinanzierer Crédit Communal de Belgique und Crédit Local de France entstanden. Heute ist die Bank im Privat- und Grosskundengeschäft sowie in der Finanzierung öffentlicher Schuldner wie Kommunen tätig. Schon im Zuge der Finanzkrise 2008 brauchte Dexia staatliche Hilfe. Dexia hat nach eigenen Angaben acht Millionen Kunden in Belgien, Luxemburg, Frankreich und der Türkei. Die Bilanzsumme - als Mass für die Grösse einer Bank – betrug Ende 2010 rund 567 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Bei der UBS lag der Wert der Bilanzsumme zu diesem Zeitpunkt bei 1,3 Billionen, bei der Credit Suisse (CS) bei rund einer Billion.


Dexia zählt etwa 35'200 Mitarbeiter. Das Eigenkapital lag nach Bankangaben im Dezember letzten Jahres bei 19,2 Milliarden Euro – der Nettogewinn bei 723 Millionen Euro. (sda)

Die mit ihrem Griechenland-Engagement ins Schlingern geratene Bank Dexia wird verstaatlicht. Das belgische Geschäft übernimmt für vier Milliarden Euro die Regierung in Brüssel. (Video: Reuters )

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