Berlin drängt Schweiz zur Übernahme der EU-Sanktionen

Dass die Schweiz die Strafmassnahmen gegen Russland nicht vollständig übernehmen will, stösst in Deutschland auf Kritik. Der Nachzug der Sanktionen wäre ein «Zeichen der Solidarität», heisst es.

Der Druck aus Deutschland auf die Schweiz nimmt zu: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. (18. Juli 2014)

Der Druck aus Deutschland auf die Schweiz nimmt zu: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. (18. Juli 2014) Bild: Michael Sohn/Keystone

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Deutschland dringt darauf, dass sich weitere Staaten den Strafmassnahmen gegen Russland anschliessen, darunter auch die Schweiz. «Die Bundesregierung würde es begrüssen, wenn sich auch möglichst viele Staaten ausserhalb der EU den Sanktionen anschliessen können», sagte ein Regierungssprecher.

Zuvor hatte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs, kritisiert, dass sich die Schweiz nicht vollständig den EU-Sanktionen gegen Russland anschliessen will.

«Da die Schweiz in hohem Masse von der EU profitiert, wäre es ein Zeichen der Solidarität, wenn sie sich nun auch den EU-Sanktionen gegen Russland anschliessen würde», sagte Fuchs zur Nachrichtenagentur Reuters. Es müsse vermieden werden, dass es zu Ausweichmöglichkeiten etwa für russische Banken komme.

Keine Umgehung der Sanktion über Schweiz

Hintergrund ist die Äusserung von Bundesrat Johann Schneider-Ammann, der in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag» gesagt hatte, die Schweiz wolle der EU nicht eins zu eins folgen. Allerdings betonte er ebenfalls, dass die Schweiz sicherstellen wolle, dass das Land keine Plattform zur Umgehung von Sanktionen bieten könne.

«Nach allem, was wir wissen, übernimmt die Schweiz die Massnahmen der EU zwar nicht eins zu eins, hat aber zum Ziel, dass dort keine Umgehung der Sanktionen ermöglicht wird», sagte der Regierungssprecher in Berlin.

«Diejenigen Massnahmen, die die individuelle Reisefreiheit betreffen, gelten aufgrund des Schengen-Abkommens ohnehin direkt in der Schweiz, da diese Mitglied des Schengen-Raums ist», sagte er mit Blick auf die Visa- und Kontosperren für etliche russische Politiker und Offizielle.

Betonung auf Vermittlerrolle der Schweiz

Schneider-Amman verwies darauf, dass die Schweiz - vor allem auch wegen der OSZE-Präsidentschaft - ihre Vermittlerdienste in der Ukraine-Krise anbieten und deshalb nicht Partei ergreifen wolle. «Diese Rolle würden wir mit dem simplen Nachvollzug der EU-Sanktionen schwächen.» Im Bundesrat zeige sich «grosse Einhelligkeit» bei Diskussionen zum Thema.

Schneider-Ammann zeigte sich zugleich besorgt, dass die EU- und US-Sanktionen in einem Dominoeffekt auch Schweizer Firmen treffen könnten.

Vergangene Woche hatten bereits mehrere deutsche Koalitionspolitiker die Schweiz als wichtiger europäischer Finanzplatz und Norwegen als Technologielieferant im Ölsektor aufgefordert, sich den EU-Sanktionen gegen Russland anzuschliessen. (thu/sda)

Erstellt: 04.08.2014, 19:42 Uhr

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