Beschattungsskandal bei der CS wird zur Chefsache

Das engste Umfeld von CEO Thiam soll bei der Credit Suisse in die Überwachung von Iqbal Khan verwickelt sein.

Er hat bei der Credit Suisse eine interne Untersuchung eingeleitet: Verwaltungsratspräsident Urs Rohner.

Er hat bei der Credit Suisse eine interne Untersuchung eingeleitet: Verwaltungsratspräsident Urs Rohner. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Der Skandal um die Beschattung des Top-Bankers Iqbal Khan, der am Wochenende aufgeflogen ist, eskaliert: Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner macht den Fall zur Chefsache und hat eine interne Untersuchung zu den Vorgängen eingeleitet. Offenbar hat er aus den Medien von der Überwachung erfahren. «Die mit der Untersuchung betrauten Personen werden direkt dem Verwaltungsratspräsidenten berichten», teilte die Grossbank mit. Aus dem Umfeld der Bankenspitze heisst es, dass am Ende der Untersuchung personelle Konsequenzen stehen könnten.

Die Credit Suisse räumt inzwischen ein, eine Zürcher Firma mit der Überwachung Khans beauftragt zu haben. Gemäss Informationen dieser Zeitung, die von der CS nicht kommentiert werden, ist das engste Umfeld von Konzernchef Tidjane Thiam in die Affäre involviert. Demnach soll der Auftrag zur Überwachung Khans von Pierre-Olivier Bouée und seinem globalen Sicherheitschef Remo Boccali ausgegangen sein. Bouée ist Chief Operating Officer (COO) der Grossbank. Er kam mit Thiam vom englischen Versicherer Prudential und gilt als sein engster Vertrauter.

Bank widerspricht Khan

Was genau vorgefallen ist, ist umstritten. In einer internen Mitteilung heisst es, dass «in einer sensationsgetriebenen Dar­stellung die Fakten und Vorgänge nicht akkurat beschrieben wurden». Im Klartext: Die Grossbank widerspricht der Darstellung Khans über den Ablauf der Ereignisse. Gemäss Khans Version, die zur Anzeige gebracht wurde, ist Kahn vergangene Woche bei der Fahrt zum Shopping mit seiner Frau beschattet worden. Khan versuchte seine Verfolger abzuschütteln, was misslang. Beim Restaurant Metropol stieg Kahn aus und fotografierte das Nummernschild des Wagens, der ihm folgte. Laut Khans Umfeld hätten daraufhin dann seine drei Verfolger versucht, ihm sein Handy zu «entreissen».

Dem widerspricht die CS. «Die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma haben nie versucht, Khan das Handy zu entreissen, es hat keinerlei physische Aggression gegeben», sagt ein Credit-Suisse-Insider. Khan wiederum bleibe bei seiner Version, heisst es aus seinem Umfeld. Er hat bei der Staatsanwaltschaft Zürich Anzeige eingereicht, diese hat ein Verfahren wegen Nötigung und Drohung eröffnet. Die drei Verfolger wurden vorübergehend verhaftet.

Im Umfeld der Geschäftsführung gibt man sich trotzdem betont entspannt mit Blick auf die laufende Strafuntersuchung. Die Observierung Khans sei angeordnet worden, um zu verhindern, dass dieser Schlüsselmitarbeiter abwerbe. Es gebe den Verdacht, dass Khan mit einer «Wunschliste» von Leuten unterwegs sei, die er gerne mit zur UBS nehmen wolle. Der Auftrag habe klare Grenzen gehabt, so sei unter anderem vereinbart worden, dass am Wochenende nicht überwacht werde und dass Khans Familie nicht in die Überwachung mit hineingezogen werden dürfe.

Aktionäre sind beunruhigt

Bei der beauftragten Sicherheitsfirma handelt es sich um ein Unternehmen aus dem Kanton Zürich, das normalerweise Sozialhilfebetrügern nachstellt. Die Geschäftsleitung der Firma liess Anfragen unbeantwortet. Schon in diesem frühen Stadium der Ermittlungen ist klar, dass der Fall der Grossbank schadet. Mehrere frühere Mitarbeiter Khans, die noch bei der Credit Suisse arbeiten, haben sich mit der Frage an die Geschäftsleitung gewandt, ob auch sie Ziel einer Überwachung sind oder waren. «Die Unruhe ist riesig», heisst es von mehreren Bankern der Credit Suisse.

Mit der verunglückten Observation ihres Ex-Managers wollte die Grossbank eigentlich verhindern, dass weitere Schlüsselmitarbeiter gehen. Nun könnte das Einschalten einer Überwachungsfirma das Gegenteil bewirken. Aktionärsvertreter sind beunruhigt: «Wir sind schockiert, es braucht jetzt Antworten vom Verwaltungsrat, was genau vorgefallen ist und wer welche Verantwortung trägt», sagt Vincent Kaufmann, Geschäftsführer der Stiftung Ethos, welche Pensionskassen bei ihrer Geldanlage berät.

Erstellt: 23.09.2019, 22:30 Uhr

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