Betrugs-Start-up macht dicht

Von der Studienabbrecherin zur Milliardärin: Elizabeth Holmes wurde in der Techbranche gefeiert. Dann folgte der Absturz.

Viel heisse Luft hinter ihrem Start-up: Elizabeth Holmes.

Viel heisse Luft hinter ihrem Start-up: Elizabeth Holmes. Bild: Carlo Allegri/Reuters

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Das Silicon Valley feierte sie für ihr Start-up Theranos als Superstar: Elizabeth Holmes Bluttestfirma war die grosse Hoffnung des US-Gesundheitssektors. Risikokapitalgeber investierten rund 750 Millionen Dollar in das Unternehmen, an dem Holmes die Hälfte der Anteile hielt. Zwischenzeitlich wurde dieses mit 9 Milliarden Dollar bewertet.

Die Studienabbrecherin wurde als nächster Steve Jobs bezeichnet. Sie sah das offenbar genauso, imitierte Jobs Kleidungsstil mit schwarzen Rollkragenpullovern und nannte ihre Bluttests die «iPods des Gesundheitswesens». Holmes zierte die Cover von Wirtschaftsmagazinen wie «Forbes» oder «Fortune», die «Time» wählte sie zu einem der einflussreichsten Menschen der Welt. Der Ruhm hielt nicht lange an: Theranos gilt als einer der grössten Betrugsfälle im Silicon Valley.

Von 800 auf 0 Mitarbeiter

Nun macht das Unternehmen ganz dicht. Übrig bleibendes Geld soll an die Gläubiger zurückgezahlt werden. Das schreibt der heutige CEO David Taylor in einer E-Mail an die Aktionäre, wie das «Wall Street Journal» berichtet.

Die meisten der verbleibenden zwei Dutzend Mitarbeiter hätten Ende August ihren letzten Arbeitstag gehabt. Ende 2015 hatte Theranos noch rund 800 Mitarbeiter gehabt. Im Oktober 2017 schloss Theranos seine Labore und entliess rund 40 Prozent der Belegschaft.

Geräte wurden nicht eingesetzt

Auslöser waren Enthüllungsberichte des «Wall Street Journal» gewesen, die Zweifel an der revolutionären Technik von Theranos aufgeworfen hatten. Das Start-up hatte ursprünglich versprochen, mit einem einzigen Tropfen Blut komplexe Laboruntersuchungen durchführen zu können. Dies hätte schnellere Aids- und Hepatitis-Diagnosen erlaubt. Die Analysegeräte namens Edison wurden in US-Drogeriemärkten verkauft.

Ehemalige Mitarbeiter berichteten jedoch, der Apparat werde bei den Bluttests im Labor so gut wie nie eingesetzt – er sei nicht verlässlich genug. Stattdessen verdünne Theranos die Blutproben, weil diese zu klein seien. Dadurch seien die Tests nicht mehr genau.

Ausserdem untersuche die Firma die Proben statt mit den eigenen Produkten mit umgebauten Geräten von Siemens. Eine Reihe von Artikeln im Oktober 2015 löste Untersuchungen aus. Theranos verlor Lizenzen und Labordeals und brach praktisch zusammen.

Wegen Betrugs angeklagt

Im Juni hatte die Staatsanwaltschaft Holmes und ihren Stellvertreter Ramesh «Sunny» Balwani dann wegen Millionenbetrugs angeklagt. Sie sollen Investoren, Ärzte und Patienten getäuscht haben. Holmes trat sofort zurück. Beiden drohen bei einer Verurteilung bis zu 20 Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von bis zu 250'000 Dollar.

Einer der Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ist denn auch, dass die fehlerhaften Analysen ein Risiko für die Patienten dargestellt hätten. Holmes und Balwani hätten davon gewusst. Beide weisen die Vorwürfe zurück.

Anfang Jahr hatte bereits die US-Börsenaufsicht zivilrechtliche Anklagen erhoben. Holmes hat sich mittlerweile mit der Behörde geeinigt: Sie muss eine Strafe von einer halben Million Dollar zahlen. Ausserdem darf Holmes zehn Jahre lang keine Position im Management oder Verwaltungsrat von börsennotierten Unternehmen mehr einnehmen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.09.2018, 20:10 Uhr

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