Biel statt Bangalore – Wohin Zürcher Jobs abwandern

Unternehmen wie UBS, Swisscom oder Allianz setzen zunehmend auf günstige Standorte wie Biel, Sitten oder Bellinzona. So sparen die Konzerne Millionen.

Von Zürich weg: Büromieten sind in Biel ein Drittel  günstiger als in Zürich.

Von Zürich weg: Büromieten sind in Biel ein Drittel günstiger als in Zürich. Bild: Keystone

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Die Managersprache hat bereits einen Begriff dafür gefunden: Als «Near­shoring» bezeichnen Berater und Führungskräfte die Verlagerung von Stellen weg aus den Stadtzentren in Aussenquartiere und immer öfter gar in Re­gionen abseits der grossen Agglomerationen. Im grossen Offshoringboom der vergangenen Jahre verschoben Firmen Tausende von Dienstleistungsjobs an entfernte Orte wie Bangalore oder Krakau. Heute wandern sie vermehrt weg von Zürich in andere Regionen der Schweiz.

Neuestes Beispiel: Die UBS hat beschlossen, 600 Arbeitsplätze in den Bereichen Informatik und Verarbeitung von Zürich nach Biel zu verschieben, wie sie gestern bekannt gab. Im Januar hatte sie bereits mitgeteilt, 450 Stellen nach Schaffhausen zu verlagern. Als Grund nennt die Grossbank neben einer gewünschten Stärkung der Regionen die Verfügbarkeit von Büroraum und qualifizierten Mitarbeitern.

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Umzug hilft dabei, Geld zu sparen

Auch andere Konzerne entscheiden sich zu solchen Schritten. Der Versicherer Allianz Suisse ist vom Zürcher Stadt­zentrum nach Wallisellen gezogen, der Börsenbetreiber SIX von der City zum Hardturm und kürzlich auch nach Alt­stetten. Die Swisscom verlagert Call­center-Jobs von Zürich, Basel oder Bern in kleinere Städte wie Bellinzona, Biel, Chur oder Sitten. Die Schritte sind aus Sicht des Managements nachvollziehbar. Sie helfen, Geld zu sparen. In zentrumsferneren Gegenden liegen die Mieten ­tiefer, die Löhne sind bescheidener.

In Biel etwa beschaffte sich die UBS 7770 Quadratmeter Büroraum. Mit dem durchschnittlichen Mietpreis gerechnet, zahlt man in der Uhrenstadt für eine solche Fläche eine Jahresmiete von 1,4 Millionen Franken. In der Zürcher Innenstadt wären es 4,2 Millionen, wie Zahlen des Immobiliendienstleisters CSL zeigen. Bereits ein Umzug nach Altstetten würde die Ausgaben auf 1,8 Millionen drücken. Hinzu kommt das tiefere Lohnniveau. In Zürich verdient ein Informatiker laut dem Bundesamt für Statistik rund 6 Prozent mehr als im Espace-­Mittellland. Die Gesamtausgaben eines Unternehmens sinken so um Millionen.

Der Trend weg von urbanen Zentren wie Zürich, Bern oder Genf wird deshalb anhalten. Auch die UBS erwägt, noch mehr Stellen zu verlagern. Gut im Rennen ist ein Standort im Tessin. Informatikerlöhne liegen dort 30 Prozent tiefer, Büromieten sind rund 60 Prozent günstiger als an der Bahnhofstrasse.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.06.2017, 06:31 Uhr

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