Bieterrennen um Sarasin gerät ins Stocken

Von Julius Bär wurde heute erwartet, dass sie ankündigen, das Bankhaus Sarasin übernehmen zu wollen. Stattdessen sucht die Führung des kleinen Vermögensverwalters verstärkt nach einer Stand-alone-Lösung.

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Der Übernahmepoker zwischen Julius Bär und Raiffeisen um die Privatbank Sarasin geht weiter. Marktbeobachter haben anlässlich des heutigen Interim Management Statements von Julius Bär für die vergangenen zehn Monate mit einem Ergebnis im Bieterrennen gerechnet. Doch die Ankündigung blieb aus. Bär vermeldete lediglich, seit Juni unterm Strich so gut wie keine Kundengelder verloren zu haben. Ein Vermögen von 166 Milliarden Franken verwaltet die Privatbank mit Stand Ende Oktober.

Die rund 2,5 Milliarden Franken, die eine der beiden Bieterinnen für die «Braut» Sarasin locker machen müsste, könnte die kapitalstarke Privatbank wohl alleine stemmen. Doch die Übernahme ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch des Managements, der jeweiligen Firmenpolitik und letztlich der Arbeitsmarktsituation im Finanzsektor.

Sarasin befürchtet Jobabbau

Der Reihe nach: Bis zum Tod von Alfred Sarasin im Jahr 2005 war von Beteiligungen bis hin zu einem Ausverkauf noch keine Rede. Sein späterer Nachfolger Joachim Strähle machte es möglich, dass die niederländische Genossenschaftsbank Rabobank eine Stimmrechtsmehrheit von 56 Prozent an Sarasin erwarb, um einen internationalen Marktzugang zu bekommen. Wirtschaftlich ist die Rabobank mit einem Aktienanteil von 49 Prozent an der Schweizer Privatbank beteiligt.

Jetzt will die Rabobank ihre Anteile abstossen. Vor allem das Sarasin-Management ist darob verstimmt, denn im Falle einer Übernahme durch Julius Bär müssten grosse Teile der Führungsriege um ihre Jobs fürchten. Am Markt wird eine Übernahme von Bär derzeit als die wahrscheinlichste Variante gehandelt. «Bär kann für einen höheren Preis bieten als Raiffeisen, weil sich der Vermögensverwalter leichter tut, Synergien zu heben», sagt ZKB-Analyst Michael Schwaller. Aus Angst vor dem Jobverlust stemmt sich die Sarasin-Belegschaft nun vehement dagegen. Sollte es zu Entlassungen bei Sarasin kommen, würden jene Private-Banker, die zur Finanzkrise 2008/09 von den Grossbanken UBS und CS hin zu Sarasin und den anderen kleineren Vermögensverwaltern wechselten, wohl keinen Job mehr finden. Die Grossbanken, die sie zuvor mitsamt dem Kundenstock verlassen haben, würden sie wohl kaum mit offenen Armen empfangen. Das ist auch der Grund, weshalb ein Management-Buyout bei Sarasin zusammen mit Private-Equity-Investoren nach wie vor nicht vom Tisch sind.

Keine Vorzugsrolle als Genossenschafter

Die zweite grosse Lösung neben der Übernahme durch das Bankhaus Bär heizt die Gerüchteküche derzeit am meisten an: die genossenschaftlich organisierte Raiffeisen könnte Sarasin schlucken. Weil die niederländische Rabobank ebenfalls genossenschaftlich organisiert ist, unterstellt man den beiden Instituten eine vorzügliche Gesprächsbasis. Eine Theorie, die Bankenexperte Manuel Ammann von der Universität St. Gallen bezweifelt: «Der genossenschaftliche Gedanke steht hier nicht im Vordergrund.» Auch hinsichtlich eines allfälligen Stellenabbaus spielt für Ammann die Gesellschaftsform im Grundsatz keine Rolle: «Weder eine AG noch eine Genossenschaft kann es sich leisten, keine nachhaltige Kostenstruktur zu haben.»

Raiffeisen ist in der Vermögensverwaltung bisher über den Partner und Vermögensverwalter Vontobel tätig. Die Genossenschaftsbank hält 12,5 Prozent an Vontobel. Die Vereinbarung, dass Raiffeisen die Produkte Vontobels weiterhin vertreibt, wurde kürzlich um weitere fünf Jahre verlängert.

Vertrag mit Raiffeisen soll unangetastet bleiben

Gegen eine vollständige Fusion zwischen Vontobel und Sarasin haben sich in der Vergangenheit nur die gleichnamigen Eigentümerfamilien gewehrt. Dieses Hindernis fällt auf Seiten von Sarasin heutzutage weg. Vontobel lässt sich derweil nicht in die Karten schauen, sagt aber: «Laufende Übernahmegespräche haben keinen Einfluss auf unseren Vertrag mit Raiffeisen.» Fakt ist, dass der Vertrieb der Vontobel-Produkte nach einer Übernahme des Sarasin-Portfolios durch Raiffeisen gefährdet wäre. Vontobel pocht deshalb auf die «rechtsverbindliche Vereinbarung» mit Raiffeisen: «Wir haben keinen Anlass, daran zu zweifeln.»

Letztlich ist es die Braut selbst, die sich am meisten ziert: «Unser Management und unser Verwaltungsrat halten nach wie vor an der Wachstumsstrategie fest und treten für eine unabhängige Stellung ein», sagt ein Sarasin-Sprecher. Eine Rolle, die Sarasin mit Julius Bär wohl nicht zuteil würde.

Erstellt: 14.11.2011, 15:09 Uhr

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