Boarding mit dem Massstab

55 x 35 x 20 Zentimeter: Ein Gepäck mit diesen Massen ist künftig geeignet für die Flugzeugkabine. Das ist weniger als bisher – und dürfte für Ärger sorgen.

Verschwindend klein: Ein Koffer steht in der Check-in-Halle des Flughafens Zürich. (10. April 2014)

Verschwindend klein: Ein Koffer steht in der Check-in-Halle des Flughafens Zürich. (10. April 2014) Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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Mal schnell mit Handgepäck eine Flugreise machen: Dies wurde in den letzten Jahren immer beliebter, sowohl bei Geschäfts- als auch bei Freizeitreisenden. Das Resultat: überquellende Gepäckfächer in den Flugzeugkabinen. Kommt hinzu, dass jede Airline die maximale Handgepäckgrösse anders regelt. So gelten beispielsweise bei Swiss, Lufthansa und Austrian Airlines 55 x 40 x 23 Zentimeter, bei Easyjet 56 x 45 x 25 Zentimeter oder bei Air Berlin 55 x 40 x 20 Zentimeter – ein Wildwuchs.

Nur wenn die Masse stimmen, darf das Gepäck mit in die Kabine genommen werden.

Jetzt soll aufgeräumt werden. Der internationale Luftfahrtverband Iata empfiehlt neue einheitliche Abmessungen für Handgepäckstücke in Flugzeugen, wie er diese Woche in Miami bekannt gab. Sie sollen neu maximal 55 x 35 x 20 Zentimeter betragen. Iata-Experte Tom Windmuller begründet die Änderung mit dem schnelleren Boarding, weil weniger Koffer kurz vor Abflug in den Frachtraum umgeladen werden müssten. Dank des kleineren Volumens sollte zudem jeder Passagier einen Koffer an Bord von 120-plätzigen und grösseren Flugzeugen nehmen können. Bereits produzieren Hersteller wie Samsonite und Delsey eine grössere Anzahl passender Koffer, die im Laufe dieses Jahres auf den Markt kommen werden.

«Bescheidenes Packvolumen»

Zwar sind die Iata-Empfehlungen nicht bindend, ebenso wenig der Zeitpunkt einer allfälligen Umsetzung. Doch laut Windmuller haben von den 260 Mitgliedsairlines, die 83 Prozent des weltweiten Flugverkehrs ausmachen, rund 50 ihr Interesse bekundet. Dazu gehören unter anderem Emirates, Qatar Airways, Cathay Pacific, Air China, Avianca, Azul und China Southern. Ob und wann die Swiss die Empfehlungen des Luftfahrtverbands umsetzt, steht zum heutigen Zeitpunkt noch nicht fest, wie ein Sprecher auf Anfrage sagt. Jedenfalls «begrüsst die Swiss die Initiative der Iata, die Masse von Handgepäck industrieweit zu standardisieren», so der Sprecher weiter. Ins gleiche Horn bläst Swiss-Mutter Lufthansa.

Die Reduktion beim Handgepäck ist grösser, als man auf den ersten Blick annehmen könnte. Je nachdem, welche Höchstmasse bei einer Airline bisher galten, schrumpft das Packvolumen um rund 25 Prozent respektive etwa 12 Liter. «Es ist sehr bescheiden», sagt der österreichische Aviatikexperte Kurt Hofmann, der an der Iata-Konferenz in Miami anwesend war und eines der in diesem Zusammenhang verteilten Köfferchen begutachtet hat. «Die neuen Abmessungen sind frustrierend für die Passagiere, das Reisen wird damit sicher nicht erleichtert.»

Problem teilweise hausgemacht

Hofmann versteht zwar die Problematik vieler Airlines, dass die Flugzeugkabinen immer mehr mit Handgepäck überfüllt sind; zudem gebe es in vielen Ländern Passagiere, die mit viel Gepäck reisten, zum Beispiel in Afrika. «Doch die Airlines haben sich das Problem teilweise selber eingebrockt, weil sie immer öfter Gebühren für das Einchecken von Gepäck verlangen.» Nun würden diejenigen Passagiere bestraft, die heute mit ordnungsgemäss grossen Koffern unterwegs seien, und der Zwang zum kostenpflichtigen Gepäck-Check-in werde grösser.

Ebenfalls kritisiert Hofmann, dass die neue Maximalgrösse nicht zeitgemäss sei: «Die Gepäckfächer in den Flugzeugkabinen, etwa in den Boeing 737 und 787 sowie Airbus A320 und A350, werden immer grösser. Und jetzt will die Iata die erlaubte Gepäckgrösse gleich derart verringern.» In kleineren Flugzeugen wie den Jumbolinos von Swiss sei das noch verständlich. Aber in einem geräumigen Langstreckenflieger? «Das Thema wird noch für viele Diskussionen sorgen.»

Während die kleineren Handgepäckmasse die meisten Passagiere wahrscheinlich vergraulen, dürften sich laut Hofmann jene Airlines freuen, die Gebühren für eingechecktes Gepäck erheben. «Auch die Kofferhersteller werden sich die Hände reiben.»

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Erstellt: 11.06.2015, 14:36 Uhr

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