Boeing zertifizierte ihren Dreamliner selbst

Anstatt der US-Luftfahrtbehörde FAA soll Boeing ihren Dreamliner zu grossen Teilen selber zertifiziert haben. Zudem hat der Flugzeughersteller diverse Sicherheitsanforderungen offenbar eigenhändig geändert.

Viele Ausnahmen für den Dreamliner: Die Luftfahrtbehörde FAA liess Boieng machen.

Viele Ausnahmen für den Dreamliner: Die Luftfahrtbehörde FAA liess Boieng machen.

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Das Boeing-Flaggschiff Dreamliner ist seit Mitte Januar am Boden. Dies könnte sogar mehrere Jahre dauern, wie es in diversen Medienberichten heisst. Im Fokus der Untersuchungen stehen die Lithium-Ionen-Batterien, von denen einige wegen Überhitzung für gravierende Zwischenfälle sorgten.

Nun enthüllte «The Seattle Times», wie die Zertifizierung der Batterien und anderer Teile der 787 abgelaufen ist. So soll nicht die US-Luftfahrtbehörde FAA, sondern der Dreamliner-Hersteller Boeing grösstenteils für die Sicherheit des Flugzeugs gebürgt haben. Statt der Inspektoren der FAA hätten Angestellte von Boeing die Sicherheit der 787 überprüft und abgesegnet – im Auftrag der FAA. Dieser blieb schlussendlich fast nur noch eine administrative Rolle, wie es weiter heisst.

Selbstzertifizierung hat zugenommen

Die FAA soll zudem zugelassen haben, dass Boeing bei der 787 mehr als drei Dutzend der bestehenden Sicherheitsanforderungen änderte. Dies betraf etwa die Brennbarkeit des Benzintanks oder die Installation der Zusatzstromversorgung. Die FAA habe so viele Ausnahmen für den Dreamliner gemacht, dass dieser schlussendlich die Bedingungen erfüllt habe, so «The Seattle Times» weiter. Im Nachhinein meint Mary Schiavo, ehemalige Inspektorin der US-Transportbehörde: «Vielleicht hätte die FAA Boeing stärker dazu drängen müssen, Alternativen zu Lithium-Ionen-Batterien zu erwägen.»

Die Selbstzertifizierung in der Flugzeugindustrie hat laut «The Seattle Times» in den letzten Jahren zugenommen – obwohl Kritiker sagen, dass wegen der technologischen Fortschritte in der Aviatik eine grössere Notwendigkeit nach unabhängiger Prüfung herrsche. Die FAA soll 2011 sogar 90 Prozent eines Auftrags an externe Fachkräfte vergeben haben. Der Name der involvierten Firma wird zwar nicht angegeben, doch laut der Zeitung fokussiert der entsprechende Bericht auf Boeing, Cessna und Bombardier-Learjet. (or)

Erstellt: 06.02.2013, 14:20 Uhr

Air India flog nach Grounding mit 787

Trotz Flugverbot sind drei der sechs Dreamliner von Air India am 2. Februar von Delhi nach Mumbai geflogen. Dies berichtet das «Wall Street Journal». Der Grund: Man wollte die hohen Parkiergebühren am Flughafen Delhi vermeiden.

Laut einem Manager von Air India wurden die Flüge mit der Erlaubnis der indischen Luftfahrtbehörde und nach Absprache mit Boeing durchgeführt. Der Flugzeughersteller kommentierte dies jedoch nicht. Die US-Luftfahrtbehörde FAA kann dem Artikel zufolge nur über Flüge von in den USA registrierten Dreamlinern entscheiden. Doch offenbar zieht die FAA in Betracht, Nicht-Passagierflüge von 787-Maschinen unter speziellen Bedingungen zu erlauben.

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