Britische Hedge-Funds flüchten an den Zürichsee

Bei Hedge-Funds-Managern in London herrscht miese Stimmung. Viele Gesellschaften erwägen den Umzug nach Pfäffikon (SZ).

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Man Group, LGT Capital Management, Cevian Capital, Aeris Capital oder auch Horizon 21 - das sind klingende Namen in der internationalen Hedge-Funds-Branche. Gemeinsam ist diesen Unternehmen, dass sie ihren Sitz im schwyzerischen Pfäffikon haben. Im 7200-Seelen-Dorf ist auch der Hedge-Funds-Pionier Rainer-Marc Frey tätig, der mit dem Verkauf seiner Firma RMF reich wurde und Horizon 21 gründete.

Das Dorf am oberen Zürichsee, das zur Gemeinde Freienbach gehört, ist schon seit Jahren einer der wichtigsten Fundshandelsplätze der Welt. Und die Bedeutung Pfäffikons dürfte weiter wachsen, weil viele britischen Hedge-Funds einen Wegzug von London in Betracht ziehen. Die Zeitung «Guardian» hat sich in der Londoner City umgehört und Unzufriedenheit bei Hedge-Funds-Managern ausgemacht. Viele Vertreter der Branche erwägen ernsthaft einen Umzug in die Schweiz.

Weniger Regulierungen in der Schweiz

Zu schaffen macht den britischen Hedge-Funds-Managern die in diesem Jahr eingeführte «Supertax», wonach Einkommen, die über 150'000 Pfund betragen, deutlich höher besteuert werden. Dazu kommt das regulatorische Umfeld in der EU, die Hedge-Funds-Gesellschaften stärker kontrollieren möchte. Nicht zuletzt hadern die Hedge-Funds-Manager mit der Sündenbockrolle, die ihnen die Öffentlichkeit im Zuge der Finanzkrise zugewiesen hat. Gemäss dem «Guardian»-Bericht hat einer von vier Hedge-Funds-Manager die Insel bereits verlassen, um das Geschäft in der Schweiz weiterzuführen. Denn hierzulande ist die Regulierung alternativer Anlageformen im Vergleich zur EU lax. In der Regel lassen sich die Hedge-Funds in Genf, Zug oder Pfäffikon nieder.

Pfäffikon profitiert unter anderem davon, dass sich dort die ersten Hedge-Funds bereits in den Neunzigerjahren niedergelassen hatten. Eine Studie des Swiss Banking Institute der Universität Zürich stellte fest, dass sich Hedge-Funds genau dort ihren Sitz suchen, wo bereits andere Vertreter ihrer Branche tätig sind. Erklärt wird dieses Phänomen durch so genannte Netzwerkeffekte. Demnach lassen viele Kapitalgeber ihr Vermögen von mehreren Funds verwalten. Und wenn diese Funds am gleichen Ort sind, können die Kunden gleich bei allen Firmen persönlich vorbeischauen.

Die Vorteile des Standorts Pfäffikon

Ausserdem finden Hedge-Funds im Kanton Schwyz und insbesondere in der Gemeinde Freienbach ein mildes Steuerklima. Gemäss der Zürcher Studie kommen weitere Vorteile des Standorts Pfäffikon dazu: die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften, eine gute Infrastruktur, der umkomplizierte Umgang mit Behörden, etwa bei Arbeitsbewilligungen, die Einbettung in den Finanzplatz Zürich, die Nähe zum Flughafen Kloten, das internationale Umfeld und die hohe Lebensqualität.

Dem «Guardian»-Bericht zufolge sind in diesem Jahr mehr als ein halbes Dutzend Hedge-Funds von London nach Pfäffikon gezogen. Diese Gesellschaften heissen: Avis Asset Management, Commodity Partners, Fargill Investments, Sussex Partners, Hadrian's Wall Capital, Highland Capital Management und Twelve Capital.

«Niemand hat einen genauen Überblick»

Wieviele Hedge-Funds in Pfäffikon ihre Geschäfte machen, ist nicht klar - zumindest gibt es keine offiziellen Zahlen. Die Gemeinde Freienbach führt gemäss eigenen Angaben keine Erhebungen der Unternehmen nach Branchen durch. Offen bleibt auch die Frage, wie viel Steuern die Hedge-Funds abliefern. Zu erfahren ist lediglich, dass die gesamte Finanzbranche in Freienbach rund 1000 Arbeitsplätze anbietet. «Niemand hat einen genauen Überblick. Das ist eine sehr dynamische Branche», sagt Guido Cavelti, Wirtschaftsförderer des Bezirks Höfe, zu dem die Gemeinde Freienbach gehört. Dass Pfäffikon ein Hedge-Funds-Zentrum ist, hat laut Cavelti eine positive Ausstrahlung auf den ganzen Wirtschaftsstandort. So profitiert zum Beispiel das lokale Gewerbe von den Angestellten der Hedge-Funds-Branche.

Pfäffikon ist in der Schweiz einem harten Wettbewerb ausgesetzt, wie Cavelti zu verstehen gibt. Die Konkurrenzstandorte Genf und Zug locken ebenfalls mit tiefen Steuern. Und sie fahren eine aggressivere Anwerbung von Hedge-Funds, weil sie deutlich mehr finanzielle Mittel dafür zur Verfügung hätten. Laut Cavelti liegt das ganze Ansiedlungsgeschäft beim Kanton. Dabei arbeitet der Kanton Schwyz mit der Stiftung Greater Zurich Aera (GZA) zusammen, die für mehrere Kantone Standortförderung betreibt. So ist der Kanton Schwyz auch international aktiv, wenn es darum geht, die Vorzüge seines Wirtschaftsstandorts zu preisen, so zum Beispiel mit Präsentationen vor der Hedge-Funds-Community in London. Bei solchen Marketingmassnahmen steht natürlich Pfäffikon im Zentrum.

5000 Personen in der Schweizer Hedge-Funds-Industrie

Nach Angaben des Branchenverbands, der Swiss Funds Association, arbeiten in der Schweiz rund 5000 Personen für die Hedge-Funds-Industrie. Der Verband geht davon aus, dass sich diese Zahl in den nächsten Jahren verdoppeln wird. Ein Teil des Wachstums der Hedge-Funds-Branche dürfte dann auch auf Pfäffikon fallen. (vin)

Erstellt: 29.10.2010, 06:14 Uhr

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