CS lässt Schreiner hängen

Die Grossbank hat bei einer Münchensteiner Schreinerei über 100 Küchen bestellt und nur ein Drittel bezogen. Der Handwerker fühlt sich nun «ausgenützt und betrogen».

David gegen Goliath. Das Lager des Münchensteiner Schreiners Markus Bard ist voll mit Material, das sich nicht mehr absetzen lässt. Verantwortlich dafür ist die Grossbank Credit Suisse.

David gegen Goliath. Das Lager des Münchensteiner Schreiners Markus Bard ist voll mit Material, das sich nicht mehr absetzen lässt. Verantwortlich dafür ist die Grossbank Credit Suisse. Bild: Stefan Leimer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Markus Bard ist ein bodenständiger, bescheidener Mensch. Ein Schreiner alter Schule, der sein Metier von der Pike auf gelernt hat. Seit 1997 führt er in Münchenstein zusammen mit seinem Bruder Thomas die Möbelfabrik Bard AG. Das Familienunternehmen beschäftigt 45 Personen. Bei Bard reicht ein Handschlag aus, um ein Geschäft zu besiegeln. Eine Abmachung ist eine Abmachung. Und wenn jemand nicht Wort hält, dann platzt dem 54-Jährigen der Kragen.

So geschehen mit der Credit Suisse (CS). 2011 nahm Bard an der Online-­Ausschreibung der Grossbank «Credit Suisse Expressobars» teil und erhielt den Zuschlag. Geplant war die Abnahme von rund 105 Küchen. Weil im Vertrag eine kurzfristige Lieferbereitschaft sowie eine Konventionalstrafe bei Lieferverzögerungen vereinbart wurde, sah sich Bard gezwungen, vorrätig Material anzuschaffen.

Dreieinhalb Jahre später steht der Schreiner nun mit abgesägten Hosen da. Denn die CS hat von den ursprünglich 105 geplanten Küchen nur deren 41 bezogen. Anfang 2014 erfuhr Bard, dass sich weitere Bestellungen verzögern. Als Grund gab die Bank interne Umstrukturierungen und Sparmassnahmen an. Erst im vergangenen Herbst wurde dem Schreinerunternehmen verbindlich mitgeteilt, dass es wohl kaum zu weiteren Bestellungen kommen wird. Den Vertrag hat die CS aber bis heute nicht aufgelöst.

Offene Rechnung

«Ich fühle mich ausgenützt und betrogen», klagt Bard. Die Bank habe sich mit der ausgeschriebenen Menge einen günstigen Preis erschlichen. Der Unternehmer hat den Preis für seine Offerte basierend auf eine Menge von 105 Küchen berechnet. Das heisst: Pro Küche bezahlt die CS 12'500 Franken. Bei einer Bestellmenge von 40 Küchen wäre der Preis pro Stück 15'050 Franken gewesen. «Mir wurde immer kommuniziert, die Mengenabweichung sei gering, es würde voraussichtlich noch mehr geben», sagt Bard.

Hinzu kommt, dass die Schreinerei wegen der hohen Brandschutzanforderungen der Bank spezielle Elemente wie feuerfeste Platten oder Metallbleche für die Küchenfront anfertigen musste. Das Lager ist nun voll mit Ware, die sich nicht mehr absetzen lässt, und die Lieferanten warten auf ihr Geld. Die Summe des gelagerten Materials beläuft sich auf rund 100'000 Franken. Zudem schuldet die CS der Möbelfabrik 76'000 Franken für gelieferte Küchen. Die entsprechende Rechnung wurde am 25. November 2014 ausgestellt.

Bards grösstes Problem im Kampf gegen die Grossbank ist, dass diese sich weder in der Ausschreibung noch im Vertrag explizit dazu verpflichtet hat, die offerierte und mündlich vereinbarte Anzahl Küchen zu beziehen. «Das stimmt», sagt Jascha Schneider, Bards Anwalt. Fakt sei aber, dass Mitarbeiter, die aufgrund von Umstrukturierungen nicht mehr für die Grossbank arbeiten, mündliche Zusagen gemacht haben. «Markus Bard durfte mit anderen Worten in guten Treu und Glauben davon ausgehen, dass die CS eine grössere Bestellung anstrebte», sagt Schneider. Er hätte die Küchen niemals zu diesem Preis offeriert, wenn von Anfang an klar gewesen wäre, dass lediglich ein Drittel der Küchen bestellt wird.

Credit Suisse schweigt

Bard stört sich vor allem daran, dass die CS, die einen Reingewinn von 2,1 Milliarden Franken vorweist, ihm kein bisschen entgegenkommt. «Auch unsere Anstrengungen, eine Lösung vor dem Friedensrichter herbeizuführen, stiessen bei der CS auf taube Ohren», sagt er. Deutlichere Worte findet Bards Anwalt Schneider: «Es kann nicht sein, dass sich ein Weltkonzern auf dem Buckel eines kleinen Schweizer Handwerkbetriebs bereichert, indem er trotz einer erheblichen Minderbestellung von einem Mengenrabatt profitiert und am Ende der Handwerker drauflegt.»

Die CS wollte sich auf Anfrage der BaZ nicht zum Thema äussern. «Wir sind es gewohnt, Probleme direkt mit der betroffenen Partei und nicht über die Medien zu lösen», sagt CS-Sprecherin Valeria Ancarani. Bards Anwalt hofft trotz allem, eine konstruktive Einigung zu finden. Nachgeben ist für den Schreiner aus Münchenstein jedenfalls kein Thema: «Ich habe grosses Durchhaltevermögen, bin ein Marathonläufer und werde auch gegen die grosse CS ankämpfen.»

Erstellt: 23.02.2015, 12:00 Uhr

Paid Post

Wollen Sie einen echten Cyborg treffen?

Ihnen gehen Technik und Innovation unter die Haut? Gewinnen Sie 2x2 VIP-Tickets für die Volvo Art Session.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Bergungsarbeiten nach Taifun-Katastrophe: Der heftige Wirbelsturm «Hagibis» hinterliess über weite Teile Japans eine Spur der Verwüstung. Die Zahl der Todesopfer ist gemäss eines japanischen Fernsehsenders auf 66 gestiegen. (15. Oktober 2019)
(Bild: Jae C. Hong/AP) Mehr...