CS verleiht Stromversorgern schlechte Noten

Laut dem Schweizer Finanzinstitut ist die Kreditwürdigkeit der meisten Unternehmen hierzulande stabil. Das Gros der Firmen verfüge über gute Finanzierung und hohe Effizienz. Doch besonders eine Branche fällt ab.

Von der CS skeptisch beäugt: Turbinenhalle im Wasserkraftwerk des Energiekonzerns Alpiq in der Aare.

Von der CS skeptisch beäugt: Turbinenhalle im Wasserkraftwerk des Energiekonzerns Alpiq in der Aare. Bild: Keystone

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Die meisten wichtigen Schweizer Unternehmen mit Anleihen am Franken-Markt haben nach Ansicht der Credit Suisse (CS) eine stabile Bonität. Auch Kantone und Städte stehen gut da - solange sie ihre Pensionskassen nicht sanieren müssen. Bei den Unternehmen sieht die zweitgrösste Schweizer Bank am ehesten Probleme in der Energiebranche. Die tiefen Strompreise in Europa beeinflussen die Kreditwürdigkeit der Versorger ebenso wie wegen Investitionen geschmälerte Finanzpolster, wie es im aktuellen CS-Kredithandbuch heisst, das am Dienstag vorgestellt wurde.

Herabstufungen durch die CS häuften sich 2011 bei Energieunternehmen und Stromversorgern. Darunter sind Grössen wie die Alpiq (minus 2 Stufen auf «Low A», negativer Ausblick), die BKW (minus 1 Stufe auf «High A» und neu mit negativem Ausblick) und die Repower (Rating «Low A» bleibt, aber nun negativer Ausblick).

Eine tiefere Kreditwürdigkeit als im Vorjahr haben auch eine Reihe von Kraftwerken und Energiebeteiligungsgesellschaften. Der Negativ-Trend ziehe sich durch die ganze Branche, sagte Kreditanalyst Michael Gähler in Zürich: «Wir sehen im Moment keinen Lichtblick.»

Effizienz schafft Vertrauen

Generell stehen die Schweizer Anleihenschuldner aus CS-Sicht aber gut da. Die meisten der 47 bewerteten Unternehmen behielten ihr Rating aus dem Vorjahr. Dabei listet die CS in ihrem Kredithandbuch viele Emittenten auf, die von den grossen Rating-Agenturen nicht berücksichtigt werden.

Die Bank anerkennt die gute Finanzierung der meisten Firmen sowie deren hohe Effizienz. Damit komme auch die Industrie gut über die Runden, die mit dem starken Franken und einer schwankenden Nachfrage zu kämpfen habe. Nur den Maschinenbauer Bobst stufte die CS ab (minus 1 Stufe auf «High BB» bei negativem Ausblick).

Die Pharma-Branche sieht die CS generell gut aufgestellt, auch wenn das Auslaufen von Patenten und die Konkurrenz durch Generika ein Thema bleiben. Solange die Nahrungsmittelhersteller in den Schwellenländern wachsen, sieht die CS dort ebenfalls keine Ursachen für drastische Veränderungen.

Margendruck im Detailhandel

Der Detailhandel profitiert von der Konsumlaune der Schweizer Bevölkerung. Allerdings schwinden die Margen als Nachwirkung breiter Preissenkungen. Der Einkaufstourismus in den billigen Euro- Grenzregionen zwinge die Branche zu mehr Effizienz, sagte Branchenspezialistin Heike Halsinger.

Solange der Immobilienmarkt boomt, geht es auch den Immobilienfirmen gut. Die Banken ihrerseits sind laut CS gut kapitalisiert und durch eine geringe Zahl notleidender Kredite solider als die europäische Konkurrenz. Die Versicherungen seien trotz hoher Naturkatastrophenschäden im 2011 stabil.

Das einzige Finanzinstitut, das eine Herabstufung erfuhr, war die UBS (Beibehaltung des «High A», Ausblick neu negativ) wegen gesunkener Erträge sowie Risiken aus der Schuldenkrise und der sich verschärfenden Bankenregulierung. Sich selbst bewertet die CS wohlbemerkt nicht.

Finanzrisiko bei Kantonen

Gute Noten erhielten auch Städte und Kantone, die ihre Ratings und ihre stabilen Ausblicke beibehielten. Unverändert bleibt das Rating der Städte Zürich und Bern.

Doch schieben die Kantone und damit deren Anleihenkäufer ein gewichtiges Problem vor sich her: In den 26 Kantonen klafft bei den Vorsorgeeinrichtungen ein 28 Milliarden Fr. grosses Finanzloch. «Wenn diese Pensionskassen einmal saniert werden, beeinflusst dies das Kreditprofil», so Experte Daniel Rupli. (kpn/sda)

Erstellt: 28.08.2012, 15:31 Uhr

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