Cabiallavetta hat bei Swiss Re in sechs Jahren 16 Millionen erhalten

Die Anlagestiftung Ethos kritisiert die Vergütung des Swiss-Re-Vizepräsidenten als «exzessiv».

Er spielt bei Swiss Re die goldene zweite Geige: Vizepräsident Mathis Cabiallavetta.<br />Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Er spielt bei Swiss Re die goldene zweite Geige: Vizepräsident Mathis Cabiallavetta.
Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

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Im Oktober 1998 schien seine Karriere am Ende. Mathis Cabiallavetta trat als UBS-Präsident zurück, nachdem die frisch fusionierte Grossbank einen Verlust von 950 Millionen Franken mit dem US-Hedgefonds Long-Term Capital ­Management (LTCM) eingefahren hatte. Überraschend schnell gelang es dem Bündner jedoch, eine zweite Karriere zu starten. Bereits im Mai 1999 wechselte er an die Firmenspitze des US-Versicherungsbrokers Marsh & McLennan. Später folgten Verwaltungsratsmandate beim amerikanischen Tabakkonzern Philipp Morris und beim US-Vermögensverwalter Blackrock.

Auf das Comeback in der Schweiz wartete er etwas länger. Fast exakt zehn Jahre nach seinem unrühmlichen Abgang als UBS-Präsident begann Cabiallavetta als Verwaltungsrat bei Swiss Re. Bereits 2009 rückte er zum Vizepräsidenten auf. Dies wurde möglich, weil Walter Kielholz als bisheriger Vize das Präsidium von Peter Forstmoser übernahm. Sein Amt war nicht nur mit Prestige verbunden, sondern auch mit einer fürstlichen Entlöhnung. Seit seinem Antritt 2008 hat Cabiallavetta beim Rückversicherer 16,1 Millionen Franken verdient. Im vergangenen Jahr waren es knapp 2,5 Millionen.

Mehr als ein VR-Präsident

Öffentlich zum Thema wurde seine Vergütung nicht, obwohl er damit weit über dem üblichen Mass anderer Vizepräsidenten vergleichbarer Firmen liegt. Kritik übt der Stimmrechtsberater Ethos. Die Genfer Anlagestiftung bezeichnet das Honorar von Cabiallavetta als exzessiv. «Seine Vergütung ist mit Abstand die höchste eines Vizepräsidenten in der Schweiz», sagt Vincent Kaufmann, stellvertretender Direktor von Ethos.

Cabiallavetta verwende rund 75 Prozent seiner Arbeitszeit für das Mandat, begründet Swiss Re das Honorar. Zudem präsidiere er den Finanz- und Risiko- ­sowie den Anlageausschuss und sitze zusätzlich im Präsidial- und Governance-Ausschuss. Es liege im Ermessen des Verwaltungsrates, dem Vizepräsidenten weitere Aufgaben zu übertragen.

Für einen Präsidenten, der sich zu 100 Prozent seinem Amt widme, sei eine hohe Vergütung vertretbar, sagt Kaufmann. «Bei einem Vizepräsidenten gibt es keinen Grund, dass er ausserordentlich bezahlt wird.»

Cabiallavetta tritt jetzt kürzer

Cabiallavetta übertrifft mit seinem Honorar sogar jenes anderer VR-Präsidenten. So erhält etwa Tom de Swaan beim Versicherungskonzern Zurich knapp 1,1 Millionen Franken. Diese Zahl entspricht der durchschnittlichen Vergütung der VR-Präsidenten von Firmen, die sich im Swiss-Market-Index befinden. Dies zeigt eine Studie des Vergütungsberaters Hostettler & Company.

Nun tritt Cabiallavetta kürzer. Auf die kommende Generalversammlung am 21. April will er sich zwar nochmals wählen lassen, jedoch nicht zum Vizepräsidenten. Eigentlich hätte der Bündner die Altersgrenze von 70 in diesem Jahr erreicht. Der Verwaltungsrat kann jedoch diese Regel bei «besonderen Umständen» ausser Kraft setzen. Beobachter gehen davon aus, dass er auf die GV im nächsten Jahr zurücktreten wird.

Wie viel er als gewöhnlicher Verwaltungsrat verdienen wird, sagt Swiss Re nicht. Seine Vergütung werde die neue Verantwortung widerspiegeln, sagt Sprecherin Carolyn Bandel lediglich. Ziemlich sicher dürfte es weniger sein. Denn der Konzern beantragt der GV einen Maximalbetrag von 10,6 Millionen Franken für die Vergütung des Verwaltungsrats in den nächsten zwölf Monaten. Das sind 1,1 Millionen weniger als für 2014.

Erstellt: 08.04.2015, 22:04 Uhr

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