Deutschlands Nummer 2 wildert in der Schweiz

Konkurrenz für den hiesigen Bankenplatz: Die Commerzbank will ihr Geschäft hierzulande massiv ausbauen – und hat eine ganz bestimmte Klientel im Visier.

International gut vernetzt: Hauptfiliale der Commerzbank in Frankfurt. (Archivbild)

International gut vernetzt: Hauptfiliale der Commerzbank in Frankfurt. (Archivbild) Bild: Keystone

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Das zweitgrösste Finanzhaus Deutschlands macht den Schweizer Banken bei der Firmenbetreuung Boden streitig: Die Frankfurter Commerzbank will Schweizer KMU mit ihren Auslandsverbindungen ködern. Im Visier hat sie vor allem Exporteure.

Im Januar ergänzt die Commerzbank in der Schweiz den bisherigen Standort Zürich mit Filialen in Basel, Bern, Lausanne, Luzern und St. Gallen. Die Bank, die 1985 in die Schweiz kam, will ihren derzeitigen Bestand von etwa 100 Stellen mittelfristig in etwa verdoppeln.

Mittergrosse Exportfirmen als Zielkundschaft

Die internationale Vernetzung der Commerzbank ist der Trumpf, mit dem die Deutschen bei Schweizer Unternehmern punkten wollen. Exportfirmen mit 15 Millionen Franken Jahresumsatz sind im Zentrum der Überlegungen in Frankfurt: Diese Firmen sollen nicht nur Kredite der Commerzbank in Anspruch nehmen, sondern bei der Handelsfinanzierung oder der Absicherungen von Zinsen, Währungen oder Rohstoffen auf das internationale Netzwerk der Commerzbank zurückgreifen.

«Wir sind mit 60 Einheiten in 50 Ländern unterwegs», sagte Konzernleitungsmitglied Markus Beumer bei der Vorstellung des ambitionierten Plans heute in Zürich. Beumer verantwortet in der Commerzbank-Geschäftsführung die Firmenkundensparte, welche die Hauptsäule der 1870 gegründeten Bank war und ist.

Harte Konkurrenz

Für Topmanager Beumer kann die Commerzbank in Nischen gehen, die so von den Konkurrenten UBS und Credit Suisse sowie den Kantonal- und Regionalbanken nicht voll besetzt sind. Viele Schweizer Kunden seien mit dem Angebot der einheimischen Banken unzufrieden, vor allem im Aussenhandel.

Die Commerzbank stützt sich bei ihrem Entscheid, in der Schweiz forsch voranzugehen, auch auf eine Studie. Trotz Schuldenkrise und der verbreiteten Ansicht, dass einzelne Euroländer insolvent werden könnten, haben die Schweizer Exporteure demnach enge Beziehungen zum Kontinent und setzen stark auf das internationale Geschäft: 65 Prozent sagten in einer Umfrage, dass die EU als Partner wichtig bleibe. 27 Prozent denken, dass die EU noch wichtiger wird.

Für 82 Prozent ist klar, dass die grossen Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China noch mehr Gewicht erhalten. 72 Prozent erwarten, dass Südostasien als Partner wichtiger wird. Die Commerzbank unterhält in diesen Ländern Filialen oder hat Korrespondenzbanken: Auch das soll bei Schweizer KMU ziehen.

«Treppe von oben kehren»

Bisher zählt die Commerzbank in der Schweiz gut 500 Firmenkunden. Dazu betreut sie rund 320 Schweizer Firmen aus Deutschland heraus. Einen Fuss in der Tür hat die Bank schon bei den Grosskonzernen. Mit den Filialen in sechs Kantonshauptstädten will die Bank jetzt in die Breite gehen. «Wir kehren die Treppe von oben», sagte Beumer.

Das Schweizer Geschäft, dass die Commerzbank als Zweigstelle der Zentrale in Frankfurt führt, wird seit Anfang 2012 massiv ausgebaut und ist laut Beumer bereits profitabel. Die grösste Investition bildet das Personal: Die Commerzbank braucht zum weiteren Aufbau Spezialisten aus Deutschland wie auch lokale Mitarbeiter.

Für Schweizer Firmenkunden seien Berater aus dem angestammten Kulturkreis nötig, sagte Schweiz-Chef Marc Steinkat. Die Commerzbank wirbt auch bei Schweizer Banken Mitarbeiter ab.

Keine Vermögensverwaltung

Um ihren Ruf macht sich die Bank, die 2008 in der Finanzkrise massiv mit Staatsmitteln stabilisiert werden musste, keine Sorgen: Das Renommée der Commerzbank als Firmenkundeninstitut sei auch in der Schweiz bekannt, sagte Vorstandsmitglied Beumer.

Ihre Schweizer Vermögensverwaltung hat die Commerzbank, die zuvor zur 2008 übernommenen Dresdner Bank gehört hatte, 2009 verkauft. Die Betreuung von Privatvermögen von Unternehmern, die bereits mit ihren Firmen bei der Bank sind, ist für die Deutschen kein angestrebtes Geschäftsfeld. Die Commerzbank konzentriere sich auf Kunden, die eine Trennung von Geschäft und Privaten wünschten, sagte Beumer. (mrs/sda)

Erstellt: 19.11.2013, 16:04 Uhr

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