Coop sucht einen neuen Chef für seine Problemküchen

Sinkender Umsatz, der fünfte Führungswechsel in acht Jahren: Coop tut sich schwer mit der Gastronomie.

Bei den Hungrigen wenig beliebt: Bei den Restaurants von Coop ist der Umsatz in den letzten drei Jahren um drei Prozent gesunken. Foto: Steffen Schmidt / Keystone.

Bei den Hungrigen wenig beliebt: Bei den Restaurants von Coop ist der Umsatz in den letzten drei Jahren um drei Prozent gesunken. Foto: Steffen Schmidt / Keystone.

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Der Gastrobereich macht Coop weiter Sorgen. Innert acht Jahren gab es fünf Leitungswechsel, die Organisation ist komplex, der Umsatz rückläufig und ein neues Konzept für die Restaurants des Detailhändlers gescheitert.

Philipp Wyss hat deshalb ein schwieriges Personaldossier auf dem Tisch. Der Marketingchef von Coop sucht einen neuen Leiter für die Gastronomie. Deren vorheriger Chef, Mirko Schwarz, hat im Mai die Führung der von Coop gekauften Marché-Restaurants übernommen. Seit einem halben Jahr läuft die Suche nach einem Nachfolger. Eine erste Runde ist ergebnislos geblieben. Einige von Coop angefragte Gastroprofis haben abgelehnt. Die zweite Runde hat Ende September stattgefunden und zu zwei möglichen Kandidaten geführt. Restlos zufrieden ist man bei Coop aber nicht, wie eine gut informierte Person sagt, die anonym bleiben möchte. Allenfalls müsse man aber mit einer «Notlösung» leben – mangels Bewerbungen. Coop-Sprecherin Nadja Ruch sagt dazu: «Wir stehen kurz davor, die Stelle neu zu besetzen.» Der Rekrutierungsprozess benötige Zeit.

Die Gastronomie im Detailhandel ist nicht nur der harzigen Personalsuche wegen ein schwieriges Geschäft. Der Markt steht unter Druck. Die klassischen Coop-Restaurants – viele sind schon ein bisschen in die Jahre gekommen – laden nicht überall zum Konsumieren ein. Zudem schnappen ihnen die hauseigenen Take-aways Kunden weg. Doch auch die Schnellverpflegungsecken selber bekunden Schwierigkeiten ob der wachsenden Konkurrenz von Fast Food und Convenience Food aller Art. Der Gastroumsatz bei Coop ist in den letzten drei Jahren um 3 Prozent gesunken, auf 248 Millionen Franken. Man habe aber Marktanteile gewinnen können, sagt Sprecherin Ruch. Die Umsatzschwäche ist nicht nur ein Coop-Problem. Auch Konkurrentin Migros hat im schwierigen Gastromarkt zu kämpfen. Sie verlor in den letzten Jahren ähnlich viel Umsatz.

Hausgemachte Probleme

Doch die Gastronomie von Coop leidet auch unter hausgemachten Problemen. In den letzten acht Jahren hatte der Händler gleich vier Wechsel an der Gastrospitze. Ab 2007 wechselten die Chefs quasi im 2-Jahres-Rhythmus. Einige Abgänge gaben intern zu reden. Ordentliche Übergaben der Arbeit fanden zum Teil nicht statt, weil gewisse Leute plötzlich weg waren, sagt eine mit der Materie vertraute Person.

Ein Grund für den Verschleiss an Chefs ist die Organisationsstruktur, wie mehrere Gastroexperten bestätigen. Seit der Zusammenführung der 14 Coop-Genossenschaften Anfang der Nullerjahre ist der Gastroleiter im Managementbereich Frischprodukte angesiedelt. Dort haben die Manager von Produktekategorien wie Fleisch, Fisch, Milchprodukte das Sagen, und die verfolgen andere Interessen als die Gastronomie. Kommt dazu, dass diese zwar die fachliche Leitung für den Bereich hat, aber nicht die operative. Denn die Leiter der einzelnen Restaurants werden regional geführt. Wegen dieser schwierigen Matrixstruktur haben einige angefragte Kandidaten für den Spitzenjob abgesagt. Denn der Leiter Gastronomie kann noch so gute Konzepte und Ideen haben – wenn ein Coop-Center-Leiter diese in seinem Restaurant nicht umsetzen will, hat er keine Chance. Dabei wäre es gerade im People-Business Gastronomie wichtig, das Personal selber zu führen.

In der Coop-Führungsetage wird deshalb auch diskutiert, die Struktur des Gastrobereichs zu verändern. Coop will sich zu solchen strategischen Fragen nicht öffentlich äussern. Klar ist, dass der Detailhändler die im Frühling akquirierten Marché-Restaurants nicht integrieren will. Sie sollen in einer eigenständigen Organisation dem Gastro-umsatz von Coop Schub verleihen. Wie genau, ist noch offen. Auch die klassischen Coop-Restaurants sollen wieder wachsen – mit einem neuen Konzept. In den nächsten Jahren sollen alle 159 Gaststätten modernisiert werden.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.10.2014, 21:38 Uhr

Da Giovanni gescheitert

Coop-Filiale beim Prime Tower

Kein glückliches Händchen hatte Coop mit dem italienischen Gastrokonzept Da Giovanni. Im Frühling gab der Detailhändler bekannt, die Zusammenarbeit mit der italienischen Mutterfirma Rana aufzugeben. Die Idee war einst, die fünf Standorte in Coop-Restaurants umzunutzen. Inzwischen haben alle Da Giovanni dichtgemacht. Ein neues Coop-Restaurant gab es daraus noch nicht. Aus zwei Lokalen wurde und wird eine Bäckerei, am Genfer Standort ist McDonald’s eingezogen. Immerhin, den besten Standort will Coop behalten. Im Zürcher Prime-Tower-Areal soll eine Coop-Filiale einziehen. Der Detailhändler will das weder dementieren noch bestätigen. (bv)

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