Coop und Denner buhlen mit hohen Rabatten um Weinkunden

Im Kampf um die Vorherrschaft beim Wein setzt Denner auf Werbekampagnen und Aktionswochen. Coop, die aktuelle Nummer eins, hält wacker mit. Einige Flaschen gibt es so mehr als 50 Prozent günstiger.

Bei Denner werden die Weinkisten einfach gestapelt: Auch das gehört zum Marketing.

Bei Denner werden die Weinkisten einfach gestapelt: Auch das gehört zum Marketing. Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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Bloss 6.75 Franken kostete die Flasche Aglianico Feudi del Duca bis Montag dieser Woche bei Denner. Am Normalpreis von 11.25 Franken gemessen, entspricht das einem Rabatt von 40 Prozent. Damit nicht genug: Weil Aktionswoche war, kamen nochmals 20 Prozent hinzu. Und so zahlte der Schnäppchenjäger letzte Woche 5.40 Franken für den Rotwein aus Süditalien, der gemäss Denners Weinführer «voll im Körper und lang anhaltend im Abgang» ist.

Der 68-seitige Weinführer mit Schwarzweissporträts von Kundinnen und Kunden, die Weine bewertet haben, ist Teil einer 2 Millionen Franken teuren Imagekampagne. Dazu gehören ein TV- und Kinospot sowie Anzeigen in Print- und Onlinemedien. Mit dieser Offensive will Denner-Chef Mario Irminger Coop angreifen, aktuell die Nummer eins im Schweizer Weingeschäft.

Die edlen Gestelle ausgemistet

Coop verkauft 50 Millionen Liter pro Jahr, Denner 45 Millionen. Während der Grossverteiler stark ist bei Schweizer Weinen, dominieren bei der Migros-Tochter italienische Weine. Und die legen im Schweizer Markt seit zwei, drei Jahren überproportional zu, wie Irminger unlängst der «Handelszeitung» sagte. Dafür verkauft Denner keine Premiers Grands Crus aus dem Bordeaux mehr, nachdem 2011 Bestände mit einigem Discount abgestossen werden mussten.

Im Auftritt musste Irminger zudem erkennen, dass die Mehrheit der Weinkunden beim Discounter keine Holzregale erwartet. Im Gegenteil: Viele hatten auf einmal das Gefühl, die Weine seien teurer geworden. Also schaffte man die edleren Gestelle kurz nach Einführung in den Testfilialen wieder ab.

Aktionen dauern länger

Mit 20-Prozent-Aktionen können hiesige Weinliebhaber sicher rechnen. Coop führt durchschnittlich dreimal im Jahr Aktionswochen durch. Denner setzt auf einzelne Tage, dieses Jahr erstmals auf eine ganze Woche. Wer bei Denner keine Aktionen verpassen will, kann in seiner Smartphone-App sogar einen entsprechenden Alarm setzen. Viele Weinfans füllen ihren Weinkeller nur noch auf diese Weise auf.

Beobachter aus der Weinbranche haben festgestellt, dass die Aktionen bei Denner und Coop immer länger dauern. «Anfänglich gab es die Rabatte ein, zwei Tage», sagt ein Kenner. «Unterdessen gelten die Aktionen bis zu zehn Tage.» Coop-Sprecher Urs Meier bestätigt das: «Die Anzahl der Aktionen entspricht jenen des Vorjahrs. Neu ist die Dauer der Aktion auf alle Weine.» Denner hat zwar erstmals auf eine ganze Woche Aktion gesetzt, ansonsten bewegen sich die Aktionen laut Sprecherin Paloma Martino im Rahmen des Vorjahres: «Es gehört zu unserem Geschäftsmodell, In-/Out-Weine zu attraktiven Preisen anzubieten.»

Auch den Umfang haben die beiden Grossen im Weingeschäft erhöht: Anfänglich gab es auf bereits herabgesetzte Weine keinen zusätzlichen Rabatt, heute geht sogar das Kumulieren von Rabatten. Wie das eingangs erwähnte Beispiel zeigt, können so Rabatte von über 50 Prozent zustande kommen.

Kunden in die Läden locken

Mit den Rabatten wollen Denner und Coop allerdings nicht nur die Weinverkäufe ankurbeln. «Eine Aktion kann auch weitere positive Auswirkungen haben wie zum Beispiel höhere Kundenfrequenzen, Zusatzkäufe und so weiter», heisst es bei Denner. Ob bei Rabatten von über 50 Prozent Gewinn herausschaut, will der Discounter nicht sagen.

Nicht in jedem Fall gilt der angegebene Rabatt übrigens im Vergleich zum eigenen Normalverkaufspreis. Denner führt regelmässig Weine im Aktionsangebot, bei denen der Rabatt im Vergleich zu den gängigen Preisen anderer Anbieter angegeben wird. Online sind diese Weine durch einen kleinen Stern nach der Preisangabe ausgezeichnet. Die Markierung ist ebenso leicht zu übersehen wie der vertikal angebrachte Schriftzug «Konkurrenzvergleich».

Erstellt: 29.10.2013, 17:39 Uhr

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